MAN strebt mehr Gewinn außerhalb Europas an

Aufgrund des schwachen Marktes in der EU will Maschinen- und Nutzfahrzeughersteller MAN außerhalb Europas den Umsatz erhöhen. Die Gewinnziele für das laufende Jahr muss MAN nach unten anpassen. Allein im dritten Quartal brach der Auftragseingang bei Nutzfahrzeugen um 25 Prozent ein

Der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN will nach dem Vorbild der Konkurrenz mehr Geschäft außerhalb Europas machen und so krisenfester werden. „Wir sehen auch, dass Volvo und Daimler einen guten Ausgleich haben mit dem amerikanischen Markt. Das ist ein sehr wichtiges Thema für uns, die Abhängigkeit von Europa ein bisschen zu begrenzen“, sagte Anders Nielsen, Chef der Sparte Truck & Bus, in der das Geschäft mit Nutzfahrzeugen in Europa gebündelt ist, am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Bislang macht MAN mehr als die Hälfte des Umsatzes auf dem Heimatkontinent. Deshalb trifft den Hersteller die Dauerkrise zu Hause hart. In der zweiten großen Absatzregion, in Südamerika, herrscht ebenfalls Flaute bei der Nutzfahrzeugnachfrage.

MAN brauche eine andere Verteilung des Absatzes zwischen Europa und Ländern außerhalb, sagte Nielsen weiter. Die USA, wo etwa Daimler aktiv ist, sei ein Sonderthema, weil dort andere Fahrzeugtypen gefragt seien, die MAN nicht im Angebot hat. Für die vorhandenen Lkw-Modelle gebe es aber „viele andere Märkte in Asien und Afrika“.

Nach einem Gewinneinbruch wegen schlechter Geschäfte in Europa und Südamerika fährt der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN seine Prognose ein weiteres Stück zurück. Von Juli bis September brach das operative Ergebnis um fast die Hälfte auf 82 Millionen Euro ein. „Insgesamt sind die Zahlen sicher nicht erfreulich“, räumte Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen am Dienstag ein. Der Großteil des Gewinns der Volkswagen -Tochter stammte aus dem Geschäft mit großen Dieselmotoren, etwa für Schiffe, oder Turbomaschinen – und nicht aus dem Verkauf von Lkw und Bussen. MAN schlug deutlich weniger Nutzfahrzeuge los, weil im wichtigsten Absatzmarkt Europa, aber auch in der einstigen Boomregion Südamerika Dauerkrise herrscht.

Für 2014 kappte Pachta-Reyhofen, wie bereits im September angedeutet, die Gewinnprognose. Sollte das operative Ergebnis ursprünglich deutlich über den 309 Millionen Euro des Vorjahres liegen, erwartet der MAN-Chef jetzt nur noch einen Wert leicht darüber. Die operative Rendite soll ebenfalls nur noch leicht über den 1,9 Prozent von 2013 liegen; hier hatte MAN noch im Frühjahr einen Wert knapp unter dem langfristig angepeilten Minimum von 6,5 Prozent in Aussicht gestellt, sich aber im Jahresverlauf Schritt für Schritt davon verabschiedet. Die Umsatzprognose für 2014 nahm der Konzern schließlich im Sommer zurück und rechnet seither mit Erlösen spürbar unter den 15,9 Milliarden Euro von 2013.

Der Umsatz fiel von Januar bis Ende September um zehn Prozent auf 10,2 Milliarden Euro. MAN macht rund drei Viertel seiner Gesamterlöse mit dem Verkauf von Lastwagen. In Europa setzte dem Hersteller die konjunkturelle Eintrübung weiter zu. Zudem lastet die Ukraine-Krise auf dem Geschäft im wichtigen Absatzmarkt Russland. Auch spüre MAN weiterhin die Auswirkungen der Umstellung auf die schärfere Abgasnorm Euro 6. 2013 hatten viele Spediteure und Firmen noch schnell neue Laster gekauft, ehe sich diese Anfang 2014 verteuerten. Auf die Sonderkonjunktur folgte somit eine Bestellflaute. In Brasilien, wo MAN Marktführer ist, lahmte das Geschäft wegen der anhaltend schwächelnden Wirtschaft. Außerdem bremste die Abwertung des Real.

Allein im dritten Quartal brach der Auftragseingang bei Nutzfahrzeugen um 25 Prozent ein. Auch in der Sparte Power Engineering gaben die Neubestellungen leicht nach. Das Geschäft mit Großmotoren und Turbomaschinen sorgte in den ersten neun Monaten hauptsächlich dafür, dass der MAN-Konzern einen Betriebsgewinn von 304 Millionen Euro erzielte.

Pachta-Reyhofen versicherte, MAN unternehme „alle Anstrengungen, um möglichst bald wieder zurück in die Erfolgsspur zu kommen“. Mitunter seien dies „schmerzhafte Einschnitte“. MAN hatte bereits angekündigt, neue Lieferanten an Bord zu holen und mit bestehenden neu über Preise zu verhandeln, um die Kosten zu senken. Außerdem wurde Kurzarbeit für Beschäftigte in Steyr und Salzgitter angesetzt. Die verlustreiche Produktion von Bussen in Deutschland wird geschlossen und von Sachsen in die Türkei verlegt.

Der europäische Markt für Nutzfahrzeuge ist im September kräftig gewachsen. Die Zahl der Neuzulassungen insgesamt stieg in der EU im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,2 Prozent auf 181.436, wie der Branchenverband Acea am Dienstag mitteilte. Es war der 13. Wachstumsmonat in Folge. Bei schweren Lastwagen über 16 Tonnen fiel der Zuwachs kleiner aus: Die Zahl der Neuzulassungen stieg um 2,7 Prozent. Bei Transportern bis 3,5 Tonnen betrug das Plus 16,2 Prozent.

 

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