Umfrage: Deutschland büßt Vorsprung bei Industrie 4.0 ein

Die Deutsche Wirtschaft stellt der Politik beim Thema Industrie 4.0 schlechtes Zeugnis aus. Aufgrund von fehlender IT-Infrastruktur könnten neue Arbeitsplätze eher in Ländern wie den USA und China entstehen. Viele einfache Arbeitsplätze fallen durch den Strukturwandel der Industrie weg.

Acht von zehn Unternehmen in Deutschland sehen sich beim Zukunftsthema Industrie 4.0 von der Politik allein gelassen. Wie der erstmals erhobene „Deutsche Industrie 4.0 Index“ weiter zeigt, hält jeder zehnte Betrieb das Verhalten der Politiker in Bezug auf die neue Schlüsseltechnologie sogar für „kontraproduktiv“. Für die Studie wurden im Auftrag der Unternehmensberatung Staufen 140 Industrieunternehmen in Deutschland befragt.

„Der Index bestätigt unsere Praxiserfahrungen in den Unternehmen, dass trotz der allgemeinen Bekenntnisse der Politik zu Industrie 4.0 an der wirtschaftlichen Basis noch viel zu wenig Unterstützung ankommt“, sagt Ulrich Frenzel, von der Unternehmensberatung Staufen AG. „Ein typisches Beispiel sind die immer noch fehlenden Standards für Datenübertragungen in der Industrie, für die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zuständig ist.“ Verbände wie der VDMA warnen bereits, dass Deutschland durch solche Verzögerungen sein Industrie-4.0-Potenzial künftig nur unvollständig wird abrufen können.

Das dürftige Engagement von Politik und Verwaltung verwundert. „Von der Verteidigung der aktuellen Pole Position in Sachen Industrie 4.0 hängt maßgeblich ab, ob die für dieses Thema benötigten qualifizierten Arbeitsplätze auch weiterhin zahlreich in Deutschland, oder künftig verstärkt etwa in den USA und China entstehen werden“, gibt Frenzel zu bedenken. Zumal es ohnehin nicht einfach werden dürfe, den durch Industrie 4.0 erwarteten Verlust von einfachen Arbeitsplätzen durch den Zugewinn an qualifizierten Jobs zu kompensieren.

So gehen derzeit nur 39 Prozent der für den „Deutschen Industrie 4.0 Index“ befragten Unternehmen davon aus, dass durch Industrie 4.0 unter dem Strich die Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland steigen wird. Für den eigenen Betrieb erwarten sogar nur 34 Prozent, dass mit dem Umbau zu einer „Smart Factory“ auch die Mitarbeiterzahl wächst. „Die Ausgangslage der deutschen Wirtschaft, um beim Thema Industrie 4.0 durchzustarten, sind zwar ausgesprochen gut“, so Frenzel. „Um das globale Rennen auch langfristig zu gewinnen, führt an regelmäßigem Austausch und enger Abstimmung zwischen Wirtschaft und Politik aber kein Weg vorbei.“

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