Fresenius prüft geplantes Gemeinschaftsunternehmen in Russland

Aufgrund der Ukraine-Krise überdenkt Fresenius den geplanten Schulterschluss mit einem russischen Pharmaunternehmen. Die wirtschaftliche Lage in Russland habe sich seit der Fusions-Ankündigung im April wegen der Sanktionen deutlich verschlechtert, so Konzern-Chef Schneider.

Der Gesundheitskonzern Fresenius überprüft angesichts der Ukraine-Krise den geplanten Schulterschluss mit dem russischen Pharmaunternehmen CJSC Binnopharm. „Wir sehen uns das genau an“, sagte Fresenius-Chef Ulf Schneider am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Wir können Ihnen derzeit nichts Neues über das Thema sagen. Wir befinden uns in Diskussionen mit unseren russischen Partnern.“

Die auf flüssige Nachahmermedikamente spezialisierte Fresenius-Tochter Kabi hat im April angekündigt, ihr Geschäft in Russland und den GUS-Staaten in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Binnopharm einzubringen und daran 51 Prozent der Anteile zu halten. Seitdem hat sich die wirtschaftliche Lage in Russland wegen der Sanktionen des Westens jedoch deutlich verschlechtert. „Jeder, mit dem ich in der Branche gesprochen habe, berichtet dort von Umsatzrückgängen“, sagte Schneider. Das sei bei Fresenius nicht anders.

Binnopharm gehört mehrheitlich der russischen Beteiligungsgesellschaft Sistema JSFC, die vom Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow geleitet wird. Der Milliardär war Mitte September wegen des Verdachts der Geldwäsche unter Hausarrest gestellt worden. Hintergrund ist die Übernahme des Ölkonzerns Bashneft durch Sistema vor fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass dabei illegale Machenschaften eine Rolle spielten und Jewtuschenkow daran beteiligt war. Sistema hat die Anschuldigungen als substanzlos zurückgewiesen.

Fresenius hatte Mitte September erklärt, es halte trotz der Turbulenzen bei Sistema an den Plänen zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens fest. Es sei weiter geplant, das Geschäft bis Jahresende abzuschließen. Der einflussreiche russische Unternehmerverband RSPP hat die Vorwürfe gegen Jewtuschenkow als politisch motiviert kritisiert und den Fall mit dem Schicksal des Ex-Öl-Oligarchen Michail Chodorkowski verglichen. Die Festnahme und jahrelange Inhaftierung des Regierungskritikers hatte das Vertrauen internationaler Anleger in Russland untergraben. Das russische Präsidialamt hat die RSPP-Vorwürfe als absurd zurückgewiesen.

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