Ansturm wegen Bahn-Streik: Deutschen Spediteuren gehen Lkws aus

Wegen der Bahn-Streiks leiten viele Unternehmen ihre Transporte auf die Straße um. Autokonzerne sichern seit Wochen vorsorglich Kapazitäten bei Speditionen. Die Zahl der deutschen Lkws reicht nicht aus, weswegen Firmen aus osteuropäische Spediteure ausweichen. Diese hätten wegen der Sanktionen gegen Russland noch Kapazitäten.

Angesichts des bevorstehenden Rekordstreiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL leiten viele Unternehmen ihre Transporte auf die Straße um. Vor allem die auf pünktliche Zulieferung angewiesenen Autobauer hätten schon vor Wochen versucht, sich vorsorglich Transportkapazitäten bei Speditionen zu sichern, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung am Mittwoch in Frankfurt. Die Zahl der Lkw in Deutschland sei jedoch begrenzt sei. Daher wichen einige Firmen auf osteuropäische Spediteure aus. Dort seien wegen der Sanktionen gegen Russland noch Kapazitäten frei.

Auch die Busunternehmen rechnen wegen des 98-stündigen Streiks im Personenverkehr mit einem Zusatzgeschäft in Millionenhöhe.

Täglich rollen alleine für die Automobilindustrie rund 200 Züge durch Deutschland. Die Branche ist daher besonders davon betroffen, wenn sich Transporte an die Produktionsbänder verzögern. Ein vollständiger Ersatz aller Bahntransporte durch andere Verkehrsträger ist nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie jedoch nicht möglich. „Deswegen rechnen wir damit, dass unsere Transportabläufe erheblich behindert werden“, sagte VDA-Chef Matthias Wissmann. Er kritisiert die GDL scharf: Bei so langen Streiks stelle sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, denn sie schadeten der Wirtschaft und den Verbrauchern gleichermaßen. „Man kann nur hoffen, dass das geplante Gesetz zur Tarifeinheit solchen Auswüchsen Einhalt gebietet“, fügte der VDA-Chef hinzu.

Die GDL lässt den Güterverkehr seit Mittwoch um 15.00 Uhr ruhen. Im Personenverkehr sollen die Lokführer ab Donnerstag um 02.00 Uhr die Arbeit niederlegen. Enden soll der Ausstand am Montagmorgen um 04.00 Uhr. Es handelt sich mit 98 Stunden im Personenverkehr und 109 Stunden bei Güterzügen um die längste Arbeitsniederlegung in der Geschichte der Deutschen Bahn.

Der Rekordstreik kostet die Wirtschaft nach Prognose von Forschern einen dreistelligen Millionenbetrag. „Bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen sind in der Industrie Produktionsunterbrechungen zu erwarten“, sagte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Mittwoch voraus. „Die Schäden können dann schnell von einstelligen Millionenbeträgen auf über 100 Millionen Euro pro Tag ansteigen.“

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürchtet negative Folgen für die Konjunktur. „So ein langer Streik zum jetzigen Moment ist ganz klar ein weiterer Konjunkturschock“, sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann zu Reuters. „Wir befinden uns ja schon in einer Konjunkturdelle. Da macht es so ein langer Streik nicht einfacher, wieder herauszukommen.“

Die Bundesregierung befürchten dennoch keine gravierenden Auswirkungen auf die Konjunktur. „Wir sehen keine Veranlassung, unsere Prognosen zu verändern“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Die Regierung erwarte in diesem Jahr nach wie vor ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent, das 2015 auf 1,3 Prozent steigen soll. Die Sprecherin räumte aber ein: „Bei kurzfristigen Streiks ist es schwierig, konkrete Zahlen zur den wirtschaftlichen Folgen zu nennen“.

Kommentare

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  1. Delta120 sagt:

    Alles ein Sturm im Wasserglas. Alle haben eine warme Wohnung und genug zu essen.
    Schlimmer ist eigentlich, dass die DB der Gewerkschaft das Streikrecht abstreiten will, denn das gibt es eigentlich nur in Diktaturen. Das jetzt alle auf einmal LKW fahren wollen – bei den 2 Arbeitstagen?!

  2. FoCS sagt:

    Es wird Zeit, dass das Zugfahren automatisiert wird. Was beim Auto geht, geht bei der Bahn schon lange.

  3. Flori sagt:

    GDL-Chef Weselsky´s Profilneurose grenzt schon an Wahnsinn. Die völlig überzogenen Streiks der GDL schaden der Bahn und letzlich damit auch den Mitgliedern der GDL, die langfristig an dem Ast sägen auf dem sie selber sitzen. Eigentlich müssten die Mitglieder ihren Vorsitzenden zur Raison rufen und in die Wüste schicken. Man hat den Eindruck, dass Weselsky es „denen da oben“ mal so richtig zeigen will. Das Streikrecht wird hier missbraucht und der Gesetzgeber muss dringend schnell handeln.