Ifo-Institut rechnet nur noch mit einem Prozent Wachstum

Das ifo Institut hat seine Konjunkturprognose für 2014 nach unten korrigiert. Der weitere Rückgang des ifo Geschäftsklimaindexes Ende Oktober deute auf eine Stagnation zum Jahresende hin.

Die Wachstumsaussichten der deutschen Wirtschaft für das laufende Jahr haben sich laut Ifo-Institut nochmals verschlechtert. „Der neueste Mittelwert der Prognose für Deutschland liegt nach vorläufiger Schätzung nochmals ein Stück tiefer, in der Gegend von etwa einem Prozent“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Mittwoch in München. Das Ifo und weitere Forschungsinstitute hatten erst im Oktober in ihrem gemeinsamen Herbstgutachten für die Bundesregierung ihre Prognose auf 1,3 Prozent gesenkt..

Daran war auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) beteiligt. Dort zeigte man sich von der raschen Revision der Münchner Kollegen überrascht: „Ich weiß nicht, auf welchen neuen Erkenntnissen die revidierte Prognose des Ifo fußt“, sagte der neue IWH-Chef Reint Gropp. Aus Sicht seines Hauses gibt es derzeit keine starken Argumente, die Vorhersage deutlich nach unten zu korrigieren.

Die Münchner Forscher rechneten nun mit einer weiteren Abschwächung, sagte Sinn. Zur Begründung verwies er auf das Stimmungstief in den deutschen Chefetagen, das der Ifo-Geschäftsklimaindex Ende Oktober offenbart hatte. Das Barometer war unerwartet deutlich um 1,5 auf 103,2 Punkte auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren gefallen. Die Abnehmerländer in der Euro-Zone erholen sich langsamer als von vielen erhofft, die Stimmung der heimischen Verbraucher trübte sich ein, Unternehmen zögerten mit Investitionen. Zudem sorgen die militärischen Krisen in Osteuropa und Nahost für Verunsicherung.

Auch einige große Dax-Konzerne haben mittlerweile bei der Vorlage ihrer Geschäftszahlen vom Sommer zunehmende Konjunktursorgen geäußert. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF, der Industriegase-Hersteller Linde und Europas größter Luftfahrtkonzern Lufthansa schraubten ihre Geschäftserwartungen herunter.. Vor diesem Hintergrund hat auch die Deutsche Bank ihre Prognosen gekappt. Ihre Volkswirte erwarten für 2014 ein Wachstum von 1,3 Prozent nach bislang prognostizierten 1,5 Prozent. 2015 soll der Zuwachs bei nur noch 0,8 Prozent liegen. Zuvor hatten die Volkswirte der größten deutschen Bank noch 1,5 Prozent veranschlagt.

Des Weiteren kritisierte der ifo-Präsident die Niedrigzinspolitik der EZB und den umfangreichen Ersatz privater durch zinsverbilligte öffentliche Kapitalexporte während der Krise. Das führe zu gewaltigen Umverteilungseffekten zwischen Schuldner- und Gläubigerländern. Deutschland stehe als größtes Gläubigerland in Europa auf der Verliererseite. Im Vergleich zu einer Situation, in der die Ertragsraten der Vorkrisenzeit weiterhin gegolten hätten, habe Deutschland während der ersten sechs Krisenjahre bereits 242 Mrd. Euro an Zins- und Kapitaleinkünften verloren. Pro Jahr gingen derzeit weitere rund 65 Milliarden Euro verloren. Das sei zum Teil ein Ergebnis von Gewinneinbrüchen während der Krise, zum Teil sei es aber auch das Ergebnis bewusster Politikentscheidungen.

Die sechs Krisenländer seien umgekehrt während der ersten sechs Krisenjahre in den Genuss von Zinsentlastungen in Höhe von mindestens 285 Milliarden Euro gekommen. Pro Jahr betrage die Zinsentlastung dieser Länder ebenfalls etwa 65 Milliarden Euro, oder 3 Prozent ihrer Nettoauslandsschulden.

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