Fresenius sagt Gemeinschafts-Unternehmen in Russland ab

Der Gesundheitskonzern Fresenius gibt seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland auf. Der Zusammenschluss mit dem Moskauer Pharmakonzern Binnopharm werde abgesagt. Grund seien die erschwerten Rahmenbedingungen wegen der Russland-Sanktionen.

Der Gesundheitskonzern Fresenius gibt angesichts der Ukraine-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland auf. Der im April angekündigte Schulterschluss der Fresenius-Tochter Kabi mit dem Moskauer Pharmakonzern Binnopharm werde nicht weiterverfolgt, erklärte der hessische Dax-Konzern. „Die veränderten politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen in der Region hatten den bis zum Ende des Jahres geplanten Abschluss des Joint Ventures stärker beeinträchtigt als erwartet.“

Auf Fresenius kämen wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen zu, sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Er machte zudem deutlich, dass es keinen politischen Druck aus Berlin oder Moskau gegeben habe, das Vorhaben aufzugeben. „Es war eine souveräne Entscheidung der beiden Partner.“ Fresenius wolle das Geschäft in der Region langfristig weiter ausbauen und prüfe dabei auch andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Binnopharm.

Fresenius-Chef Ulf Schneider hatte bereits am Dienstag angedeutet, dass das geplante Gemeinschaftsunternehmen auf der Kippe steht. Seit der Ankündigung der Zusammenlegung hat sich die wirtschaftliche Lage in Russland wegen der Sanktionen des Westens deutlich verschlechtert. „Jeder, mit dem ich in der Branche gesprochen habe, berichtet dort von Umsatzrückgängen“, sagte Schneider. Das sei bei Fresenius nicht anders. Die Fresenius-Tochter Vamed, die sich unter anderem um den Bau von Krankenhäusern kümmert, hat wegen Projektverzögerungen in Russland und der Ukraine ihre Umsatzprognose für das laufende Jahr kassiert.

Die auf flüssige Nachahmermedikamente spezialisierte Fresenius-Tochter Kabi fuhr in Russland im vergangenen Jahr einen Umsatz von 73 Millionen Dollar ein. Binnopharm kam auf 104 Millionen Dollar. An dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen hätte Fresenius 51 Prozent halten sollen.

Binnopharm gehört mehrheitlich der russischen Beteiligungsgesellschaft Sistema, die vom Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow geleitet wird. Der Milliardär war Mitte September wegen des Verdachts der Geldwäsche unter Hausarrest gestellt worden. Hintergrund ist die Übernahme des Ölkonzerns Bashneft durch Sistema vor fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass dabei illegale Machenschaften eine Rolle spielten und Jewtuschenkow daran beteiligt war. Sistema hat die Anschuldigungen als substanzlos zurückgewiesen. Fresenius hatte noch Mitte September erklärt, der Konzern halte trotz der Turbulenzen bei Sistema an den Plänen zur Gründung des Gemeinschaftsunternehmens fest.

Der einflussreiche russische Unternehmerverband RSPP hat die Vorwürfe gegen Jewtuschenkow als politisch motiviert kritisiert und den Fall mit dem Schicksal des Ex-Öl-Oligarchen Michail Chodorkowski verglichen. Die Festnahme und jahrelange Inhaftierung des Regierungskritikers hatte das Vertrauen internationaler Anleger in Russland untergraben. Das russische Präsidialamt hat die RSPP-Vorwürfe als absurd zurückgewiesen.

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  1. fan sagt:

    Jede Woche ein Stückchen weiter kommt der Krieg auf schleichenden Sohlen..!

    Das wollen die westlichen Unruhe-Stifter, die Friedens-Störer, die Kriegs-Treiber und die sie unterstützenden Medien.