Siemens verspricht Gewerkschaft, Medizinsparte zu halten

Bei der geplanten Ausgliederung der Medizintechniksparte hat Siemens zugesichert, die Mehrheit auch bei einem Börsengang zu halten. Nach Angaben der IG-Metall wurden Kündigungen ausgeschlossen. Bei den Mitarbeitern gibt es die Befürchtung, Konzernchef Kaeser könnte das Geschäft mit 52.000 Beschäftigten verkaufen.

Bei der geplanten Ausgliederung der milliardenschweren Siemens -Medizintechniksparte haben die Arbeitnehmervertreter Konzernchef Joe Kaeser nach eigener Darstellung wichtige Zugeständnisse abgetrotzt. „Gesamtbetriebsrat und IG Metall haben entscheidende Eckpunkte zur Sicherung der Beschäftigteninteressen durchgesetzt“, hieß es in einer Mitarbeiterinformation der IG Metall. Nun seien weitreichende Zusicherungen verbindlich geregelt. Ein Siemens-Sprecher lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Hintergrund: Bei den Mitarbeitern gibt es die Befürchtung, Kaeser könnte das Geschäft mit 52.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 12,5 Milliarden Euro eines Tages an die Börse bringen.

Die Arbeitnehmervertreter konnten der IG Metall zufolge ein „klares Bekenntnis zu Healthcare als Teil des langfristigen strategischen Kernportfolios von Siemens“ erreichen. Auch nach einem möglichen Börsengang soll der Dax -Konzern die Mehrheit halten. Zudem seien betriebsbedingte Kündigungen bis auf weiteres ausgeschlossen. Außerdem müssten der Hauptsitz, die zentralen Standorte und die wichtigsten Kernkompetenzen in Deutschland bleiben. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel darüber berichtet.

Der Vorstandschef hatte am Donnerstag bei Vorlage der Zahlen betont, dass die Medizintechnik trotz einer zunehmenden Verselbstständigung innerhalb des Konzerns zu Siemens gehöre. Es könnte allerdings dazu kommen, dass die Sparte durch neue Technologien in der Diagnostik vor folgenschweren Investitionsentscheidungen stehe. Analysten rechnen bereits durch, wie viel Geld ein Börsengang der Medizintechnik in die Kassen des Konzern spülen könnte oder ob eine Trennung nach dem Vorbild von Osram eine Option wäre. Siemens hatte im vergangenen Jahr seine krisengeschüttelte Lichttechnik-Tochter an die eigenen Aktionäre verschenkt.

In der Vergangenheit erwies sich die sogenannte „aktive Portfoliopolitik“ der Konzernführung nicht immer als einträglich. So werten Experten etwa den Kauf des Solargeschäfts als Debakel und den Erwerb der Labordiagnostik als überteuert. Die Trennung von Bereichen ging häufig mit dem Abbau Tausender Stellen und hoher Abschreibungen wie bei der Telekommunikationstechnik einher.

Kommentare

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  1. Asset Stripping sagt:

    Und? Warum wird dann ausgegliedert? Ist der Siemens Kern dann noch interessant für die Börse?

  2. Rudolf Steinmetz sagt:

    Dieses Versprechen ist kein Penny wert; wenn der AR den Daumen senkt, wird verscherbelt. Wenn Joe Kaeser fertig ist, dann ist es Siemens auch.

  3. Matthes sagt:

    Ganz schöne Herumeierei.
    Da hat er seinen Vorgänger aus dem Amt gedrängt mit dem Versprechen, alles besser zu machen, zeigt aber selbst auch keine alternativen Ideen. Das Unternehmen arbeitet weiter an der Gewinnmaximierung, die Mitarbeiter werden nur durch die Gewerkschaft geschützt.