SAP zahlt Oracle Schadensersatz von 290 Millionen Euro

Der deutsche Softwarekonzern SAP wird Oracle umgerechnet 290 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Die frühere SAP-Tochter TomorrowNow hatte Software von Oracle illegal über das Internet heruntergeladen.

SAP hat durch eine Einigung mit dem Rivalen Oracle den letzten teuren Rechtsstreit in den USA vom Tisch geräumt. Der größte deutsche Softwarekonzern zahlt Oracle umgerechnet 290 Millionen Euro Schadenersatz dafür, dass seine frühere US-Tochter TomorrowNow Software von Oracle illegal über das Internet heruntergeladen hatte. Dafür seien rechtzeitig Rückstellungen gebildet worden. „Deshalb erwarten wir hier keine größeren zusätzlichen Auswirkungen auf unsere Gewinn- und Verlustrechung“, erklärte ein SAP-Sprecher am Freitag.

Der Streit zwischen den beiden Spezialisten für Firmensoftware SAP und Oracle war 2007 ausgebrochen. SAP hatte TomorrowNow 2005 gekauft, um Oracle Kunden abzuwerben. Das US-Unternehmen wartete Software des SAP-Konkurrenten. Dabei war es laut Oracle zu ungewöhnlich umfangreichen Software-Downloads von Oracle-Rechnern gekommen. TomorrowNow wurde nach einem Verlust 2007 und wegen des Imageschadens für SAP 2008 eingestellt.

Ein Geschworenen-Gericht in Kalifornien hatte SAP 2010 zunächst zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar (einer Milliarde Euro) verurteilt. Ein Bundesrichter hatte diese Entscheidung jedoch gekippt, da Oracle nur 272 Millionen Dollar Schaden nachgewiesen habe. Gegen diesen Urteilsspruch war Oracle in Berufung gegangen. Das Berufungsgericht hatte die jetzt akzeptierte Schadenssumme von 356,7 Millionen Dollar ermittelt und es Oracle überlassen, in einem weiteren Gerichtsverfahren eine höhere Summe durchzusetzen. Der Streit hatte auch ein Strafverfahren ausgelöst, das SAP gegen die Zahlung von 20 Millionen Dollar Strafe beilegte.

Bereits im August hatte SAP außerdem mit dem US-Softwarehaus Versata einen Vergleich über die zuletzt 390 Millionen Dollar schwere Klage wegen Patentrechtsverletzung geschlossen. Dieser Patentstreit hatte ebenfalls 2007 begonnen. Produkte von SAP sollen Patente von Versata verletzt haben. Das US-Unternehmen hatte Programme zur Preiskalkulation vertrieben, die SAP-Anwender nutzen konnten. SAP entwickelte ein eigenes Programm, das die Versata-Software verdrängte. Die Walldorfer hatten für diesen Rechtsstreit bereits im zweiten Quartal 289 Millionen Euro Rücklagen in die Bilanz genommen.

Noch laufende juristische Auseinandersetzungen über einen Vertriebsvertrag mit Securinfo in Südafrika und ein Steuerverfahren in Brasilien mit einem Streitwert von 91 Millionen Euro kann der Konzern gut wegstecken. SAP rechnet in diesem Jahr mit 5,6 bis 5,8 Milliarden Euro operativem Gewinn.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.