Familienunternehmen fordern mehr Impulse für Investitionen

Deutsche Familienunternehmen genießen ein hohes Vertrauen und tragen Verantwortung in der Gesellschaft. Unternehmer fordern von der Regierung Impulse für mehr Investitionen. Der Fachkräftemangel und das schwierige ökonomische Umfeld erschweren gesellschaftliches Engagement. Rufe nach einem Belastungsmoratorium für die Wirtschaft werden laut.

Konstante Gewinne, hohe Innovationskraft, gute Produktqualität, treibende Kraft der deutschen Wirtschaft – das sind die Gründe dafür, dass Familienunternehmen ein sehr hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht wird. Sieben von zehn Befragten halten diese Art von Unternehmen für am glaubwürdigsten. „Familiengeführte Unternehmen, die den Großteil des deutschen Mittelstandes bilden, stehen für den guten Geschäftssinn der Gründer und Unternehmer“, sagt Susanne Marell, CEO von Edelman Deutschland. Das Unternehmen hat in einer Studie 12.000 Personen in 12 Ländern zum Thema Vertrauen und Glaubwürdigkeit von Familienunternehmen befragt. „Ihnen wird vertraut, dass sie langfristig erfolgreich sind, als zuverlässige Partner agieren und ihre Mitarbeiter wertschätzen.“

Doch Familienunternehmen wird oft nachgesagt, zu verschwiegen gegenüber der Öffentlichkeit zu sein. Dabei erwartet die Mehrheit der Befragten in Deutschland (71 Prozent) und auch weltweit (76 Prozent) genau das Gegenteil von Unternehmern und Gründern. Sie sehen Familienunternehmen in der Verantwortung, ihre Geschäftstätigkeit transparent zu kommunizieren. „Um ihre Privatsphäre zu schützen, sind familiengeführte Unternehmen mit ihrer Kommunikation nach außen oft sehr zurückhaltend“, sagt Bernd Buschhausen, Head of Family Business bei Edelman Deutschland. „Dieses Stillschweigen kann langfristig jedoch zu Misstrauen führen. Offenheit und Transparenz dagegen fördern Vertrauen. Familienunternehmen stehen vor der Herausforderung, die richtige Balance in ihrer Kommunikation zu finden.“

Der der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, Rainer Kirchdörfer, hat sich zu Wort gemeldet und fordert von der Regierung mehr Impulse für neue Investitionen. Nach einem Jahr der sozialpolitisch motivierten Regierungsvorhaben sollten sich Union und SPD deswegen rasch auf eine gemeinsame Agenda zur Stärkung des Investitionsstandorts Deutschland einigen, sagt Kirchdörfer: „Mit der Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens steht der Bundesregierung ein probates Mittel zur Verfügung. In der Wirtschaftskrise 2009/2010 hat sich die degressive AfA als schnell wirkendes Instrument erwiesen, um Investitionen anzukurbeln.“ Es handele sich dabei nicht um eine Subvention, denn der Staat bekomme die Steuereinnahmen in voller Höhe, jedoch lediglich mit Zeitverzögerung. Eine verbindliche Ankündigung durch die Regierung würde für die Unternehmen Planungssicherheit bringen und umfangreiche Investitionsimpulse freisetzen.

Die Regierung solle aber nicht von ihrem Sparziel für 2015 abweichen. Der Ruf nach mehr Förderung für Familienunternehmen durch die Stiftung passt jedoch nicht so ganz mit der Stimmung in den Unternehmen zusammen: Knapp neun von zehn Unternehmen (88 Prozent) gehen davon aus, dass sie in den kommenden fünf Jahren wachsen werden. Zwölf Prozent rechnen mit einer Konsolidierung. Von einem Umsatzrückgang geht nur eines von 100 Unternehmen aus, so die Studie „Zukunft der Familienunternehmen. Anker für Wirtschaft und Gesellschaft“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Nachfolgeregelungen in Familienunternehmen werden in Deutschland als eher kritisch angesehen. Zwar sind dem Edelman Trust Barometers zufolge 58 Prozent der Befragten (67 Prozent weltweit) der Auffassung, dass der Gründer den richtigen Kandidaten für die Unternehmensnachfolge auswählt. Jedoch nur 44 Prozent sind dafür, dass ein Familienmitglied die Nachfolge antreten sollte.

„Die Staffelübergabe in Familienunternehmen ist ein Prozess, der schrittweise geschehen muss. Alle Beteiligten, von Mitarbeiter bis Marktpartner, müssen ins Boot geholt werden“, sagt Marell. „Der gute Ruf geht nicht automatisch auf die Nachfolger über. Die nächste Management-Generation muss sich das Vertrauen genau wie ihre Vorgänger erst erarbeiten. Sie müssen beweisen, dass sie ebenfalls einen guten Geschäftssinn haben und ein zuverlässiger sowie verantwortungsvoller CEO sind.“ Dazu ist es wichtig aufzuzeigen, dass der neue Geschäftsführer nicht einfach nur so in die Chefetage aufsteigt, sondern eigene Leistungen vorweisen kann und sich zudem nachweislich in dem Geschäftsbereich auskennt. Auch eine klare, offene und transparente Kommunikation ist entscheidend.

Sieben von zehn Befragten sind der Meinung, der zukünftige CEO sollte sich für die Zukunft des Unternehmens einsetzen. Das vermittelt Sicherheit und Kontinuität – zwei entscheidende Faktoren, die sich positiv auf das Vertrauen in den neuen CEO und in das Unternehmen auswirken.

Jenseits der eigentlichen wirtschaftlichen Tätigkeit wünschen sich 55 Prozent der Befragten von Familienunternehmen die Übernahme von Verantwortung für das gesellschaftliche Umfeld, in dem sie agieren. Dabei gilt auch hier: Transparenz ist essentiell. „Viele Familienunternehmen übernehmen schon längst aus eigenem Antrieb gesellschaftliche Verantwortung, meist aber im Stillen“, sagt Marell. „Das sollten sie ändern, denn mit gelebter und auch kommunizierter Verantwortung können sie zusätzliches Vertrauen schaffen und die Wahrnehmung ihres Unternehmens erhöhen.“

Die wichtigsten Bereiche, in denen sich Familienunternehmen gesellschaftlich engagieren sollten, sind Umweltschutz, soziale Belange und Bildung. Das soziale Engagement von Familienunternehmen sollte jedoch unabhängig von deren Geschäftsinteressen sein (67 Prozent). Auch sagen 67 Prozent, dass Unternehmen sich auf Aktivitäten innerhalb der Stadt des Firmenhauptsitzes konzentrieren sollten. Fast genauso viele (62 Prozent) sind der Meinung, dass Familienunternehmen sich in allen Märkten, in denen sie aktiv sind, gesellschaftlich engagieren sollten. Mitarbeiter in das soziale Engagement einer Firma einzubinden, erwarten nur 58 Prozent.

Familienunternehmen fordern im Gegenzug für gesellschaftliches Engagement ein Belastungsmoratorium für die Wirtschaft. „Konkret heißt dies: Bei der Reform der Grundsteuer darf es zu keinen zusätzlichen Belastungen kommen, etwa indem der Verkehrswert als steuerliche Bemessungsgrundlage zugrunde gelegt wird“, sagt Kirchdörfer. Die Regelung dürfe nicht dazu führen, dass Familienunternehmen „mit der Besteuerung ihrer stillen Reserven auch dann konfrontiert werden, wenn das Besteuerungsrecht in Deutschland gesichert bleibt.“

Unter ein Belastungsmoratorium müssten aber auch alle Regelungen fallen, mit denen die Flexibilität des Arbeitsmarkts in Deutschland weiter eingeschränkt wird. „Es ist dringend nötig, die Vorhaben im Koalitionsvertrag, die in Zeiten der Hochkonjunktur beschlossen wurden, unter den neuen Voraussetzungen zu überprüfen. Die Bundesregierung betont häufig die Förderwürdigkeit der Familienunternehmen, zu denen über 90 Prozent aller Unternehmen gehören. Jetzt sollte sie für diese Unternehmen, die aufgrund ihres Selbstverständnisses besonders standorttreu sind, die Investitionsbedingungen in Deutschland verbessern“, so Kirchdörfer.

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