Interview-Marathon der SNB kippt Stimmung bei Gold-Initiative

Die Stimmung der Schweizer hat sich geändert, ein großer lehnt die Goldinitiative nun ab. Begründet ist dies auch durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit der SNB, die die Auswirkungen der Initiative in einem Interviewmarathon derzeit kommuniziert.

Eine Mehrheit der Schweizer Wähler lehnt einer Umfrage zufolge einen Gesetzesentwurf ab, der die Schweizer Notenbank zu einer deutlichen Erhöhung ihrer Goldreserven verpflichten würde. In der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfS Bern sprachen sich 47 Prozent gegen die Vorlage aus, 38 Prozent waren dafür und 15 Prozent unentschieden, wie GfS am Mittwoch mitteilte. Das Meinungsforschungsinstitut hatte die Umfrage im Auftrag der Radio und Fernsehgesellschaft SRG rund 1.400 Wähler befragt. Die Abstimmung findet am 30. November statt und bis dahin dürfte die Nein-Quote nach Einschätzung der GfS noch steigen.

Die Spitze der Schweizer Notenbank, die sich normalerweise aus der Politik und Abstimmungskämpfen heraushält, versucht, in einem Interview-Marathon den Schweizern ein „Ja“ zu der Initiative auszureden. Das gilt vor allem seitdem befürchtet wird, dass die Sache knapp ausgehen könnte. Die letzte Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts GfS Bern signalisierte Ende Oktober einen Anteil der Ja-Stimmen von 44 Prozent.

Die von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) unterstützte Initiative verlangt, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) mindestens 20 Prozent ihrer Bilanzsumme in Gold halten muss und überdies kein Gold mehr verkaufen darf. Regierung, Parteien und auch die SNB lehnen die Initiative ab. Sie argumentieren, dass die Handlungsfreiheit der Notenbank stark eingeschränkt und die Verteidigung der Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken erschwert würde.

Die Schweizer Währungshüter hatten den Mindestkurs im Zuge der Schuldenkrise eingeführt, um die heimische Exportwirtschaft zu entlasten. Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone hatte damals zu massiven Zuflüssen in den gern als sicheren Hafen angesteuerten Franken geführt. Die Notenbank reagierte mit dem Kauf von Devisen in zuvor unerreichtem Ausmaß. Im Zuge der Interventionen kletterten die Devisenreserven um mehrere hundert Milliarden auf rund 460 Milliarden Franken. Dies entspricht rund 70 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung in einem Jahr.

Auch die meisten Politiker, Parteien und Medien lehnen die Gold-Initiative ab. Investoren wie der aus der Schweiz stammende Marc Faber unterstützen sie dagegen: Faber ist der Meinung, dass die geforderten 20 Prozent der Bilanzsumme sogar zu wenig seien.

Noch vor wenigen Wochen hatte eine SRG-Umfrage das Schweizer Establishment aufgeschreckt: Da hatte es noch eine knappe Mehrheit für die Gold-Initiative gegeben.

Sollte die Gold-Initiative angenommen werden, könnten die Währungshüter zu einem anderen Instrument greifen – Negativzinsen auf die Einlagen der Geschäftsbanken. Das wäre aber möglicherweise mit hohen Kosten für den bedeutenden Finanzsektor des Landes verbunden. Zudem könnten Negativ-Zinsen der Immobilien-Boom weiter anheizen. „Das wäre der letzte Ausweg“, erklärte Credit-Suisse-Analyst Botteron.

Auch eine am 30. November ebenfalls zur Abstimmung stehende weitere Begrenzung der Einwanderung fand in der Umfrage keine Mehrheit. 56 Prozent der Befragten lehnten die sogenannte Ecopop-Initiative ab, die aus Umweltschutzgründen die jährliche Zuwanderung von Ausländern auf 0,2 Prozent der Bevölkerung begrenzen will. Nach Abzug der Auswanderer könnten dann jedes Jahr noch etwa 16.000 Personen in die Schweiz einwandern. Das wäre eine deutlich restriktivere Praxis als die Schweizer im Februar mit der Annahme der sogenannten Masseneinwanderungsinitiative beschlossen haben. Diese Initiative verlangt, dass die Regierung ab 2017 je nach den Bedürfnissen der Wirtschaft jährliche Höchstzahlen für die Einwanderung festlegt. EU-Bürger könnten dann nicht mehr ohne Genehmigung in die Schweiz übersiedeln. Wie die Regierung die Masseneinwanderungsinitiative umsetzen will, ist noch nicht offen. Die EU-Kommission hat bereits klargemacht, dass sie keine Einwanderungsbeschränkungen der Schweiz akzeptieren wird.

Auch eine dritte Vorlage, die am 30. November zur Abstimmung steht, dürfte der Umfrage zufolge durchfallen – wenn auch knapper: 46 Prozent der Befragten sprachen sich gegen die Abschaffung von Steuerbegünstigungen für reiche Ausländer aus, 42 Prozent waren dafür, zwölf Prozent ließen offen, wie sie abstimmen würden.

Kommentare

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  1. Toddi sagt:

    Aus dem logischen nationalen Selbsterhaltungstrieb des freien Schweizer, welcher frei und selbstständig im politischen und fiskalischen Handeln sein möchte, gibt es nur ein „Ja “ zur Initiative 20% Goldanteil an den im Umlauf befindlichen Franken.

    Leider ist die Schweizer Notenbank und auch die Politiker der Schweiz durch die Stützungskäufe Franken / Euro so an der Eurozone fiskalisch gebunden, dass diese nicht mehr in der Lage sind diese Situation umzukehren (zu viele faule Euro Papiere aufgekauft, wer soll den Schrott abkaufen??).

    „Die Schweiz ist voll und ganz an dem Euro durch die Hintertür gebunden worden !!“

    Nun merken die einen oder anderen Schweizer, was mit Ihnen gemacht wurde und versuchen zu Retten was zu Retten ist. Dieses ist politisch von den Machthabenden nicht gewollt, und so läuft die Propaganda gegen die Initiative auf Hochtouren …und leider mit Erfolg.
    Wie sagt Herr Lloyd Blankfein, der Vorstandsvorsitzende der Investmentbank Goldmann Sachs „Ich bin ein Banker, der Gottes Werk verrichtet.“
    Diese Bank, durch deren Schule auch der EZB-Präsident Mario Draghi gegangen ist, schafft kein Werk für die Menschen (Die Unterwerfung der Welt durch Verschuldung). Nachdem der Investmentmanager Greg Smith bei Goldman Sachs gekündigt hat, berichtet er im März 2012 in der New York Times, dass die Vorstände dieser größten Bank der Welt sich über ihre Kunden lustig machen und sie als „Deppen“ bezeichnen.

  2. wolfgang sagt:

    Die USA setzen vermutlich die Schweiz unter Druck. Die Goldinitiative könnte den USA den Todesstoss verleihen.

  3. Controller sagt:

    Die Weltwirtschaftskrise kommt und das Gold mit 20% Anteil kann enorm dagegenhalten.
    1918/19 wirkt harmlos.
    Ein klares JA zur Goldinitiative plädire ich .
    Überall KRISEN das spricht genung Worte liebe Schweizer .Rettet euch !

  4. Gregor sagt:

    Grundsätzlich bleibt die SNB dennoch frei in ihren Entscheiden, ausser dass das „Gold“ im Keller liegenbleibt und die Mindestdeckung von 20% in 5 Jahren erfüllt werden muss.
    Ansonsten kann sie gleich agieren und von mir aus die Bilanz weiterhin aufblähen indem sie das Gold belehnt …. das „faire valueprinzip“ (Notfall) lässt grüssen 🙂

    Hauptsache, das Gold bleibt für Notzeiten im Keller, wenn dann mal die nötige Wertberichtigung der virtuellen Forderungen als Kartenhaus zusammenfällt.

    „Papier ist und bleibt Papier“ …

  5. popper sagt:

    Wer kennt nicht das Wort von den „Pfeffersäcken“, das daher kommt, dass es Zeiten im Handel gab, wo mit Pfeffer bezahlt werden konnte. Andere haben mit „Scheffel“ also einer bestimmten Menge von Korn bezahlt. Und da kommen heute einige in der Schweiz darauf den Franken mit Gold abzusichern. Das Ganze ist einer seit 200 Jahren andauernden Suche nach einer Geldtheorie geschuldet, die offenbar bei manchen den Glauben erweckt. Geld als Verbindlichkeit bräuchte einen dahinterstehenden Wert. Das ist totaler Unsinn. Einerseits empfiehlt man den Menschen ihr Geld arbeiten zu lassen, als aus Geld mehr Geld zu machen. Das funktioniert aber nur dann, wenn sich Staaten permanent verschulden. Wer, wie unsere Politiker, glaubt mit Schuldenbremsen, Vollgeld oder Unterlegung (Absicherung) mit Gold neue Realitäten des Geldes zu schaffen, der wird feststellen, dass er sich damit ins eigene Knie schießt. Insofern sollten die schweizer in dem Falle auf den möglichen Sachverstand ihrer Nationalbank hören, die offenbar weiß, was hier für ein Unsinn im Schwange steht.

    • Wegmüller Franz sagt:

      Sie wissen, dass Geld nur dann nachhaltigen Wert besitzt, wenn es der Staat schöpft und er den Wert garantiert. Heute wird der allergrösste Teil der Geldmenge nicht vom Staat geschöpft, sondern von privaten Banken, die Kredite herausgeben, die nur mit einem geringen Prozentsatz „echten“ Geldes gedeckt sind. Was dann passiert (Puff und weg), haben wir in den letzten Jahren gesehen.
      Von dem her spricht nichts dagegen, dass ein realer Gegenwert hinter dem Geld steckt, sei dies nun Gold, Pfeffer oder „Scheffel“. Ich persönlich würde allerdings unter anderem wegen der Unverrottbarkeit Gold den anderen beiden vorziehen. Und – zumindest theoretisch – kann man den hinterlegten Goldanteil bei jeder Bank herausverlangen, sollte mal die Papierwährung aus irgendeinem Grund komplett das Vertrauen verlieren und die Leute auf Goldbezahlung umstellen. Eine ähnliche Funktion haben heute ja die Reserveserien der Banknoten, die eingesetzt würden, wenn mal die kursierende Währung durch massive Fälschungenszahlen das Vertrauen verlieren würde.

    • Gregor sagt:

      FED – BoJ – BOE – „EZB-Eurokrise auf Zeit“ BAD Banken Bilanzen 🙂

      Wann war nochmals die letzte Währungsreform?

      „38 Milliarden in den Sand gesetzt“
      http://www.20min.ch/finance/news/story/19018486

      Und seit die Banken wegen Preismanipulation überführt wurden, kann wohl kein gesunder Mensch noch daran glauben, dass der Goldpreis nach „echter Nachfrage / Angebot“ zu stande kommt.

      Die „Eliten“ waren zu doof und nun kann das Volk antizyklisch den Fehler wieder ausbügeln, bevor die Inflationierung des Papiers weitergeht.

      -> zugegeben, der Verfassungstext könnte anstatt Gold auch andere Realgüter oder Land verlangen nur fehlt das militärische KnowHow um diese im „Ausland“ auch durchzusetzen. Man bleibt lieber klein, doch unbesatzt …. ?! 🙂

    • Pfeffersack sagt:

      Als „Pfeffersäcke“ wurden spöttisch der Hanse angehörende Händler bezeichnet, aber auch Nürnberger Kaufleute oder die Kaufleute der Vereenigde Oostindische Compagnie. Das Wort ist zunächst vereinzelt im 16./17. Jahrhundert nachweisbar und wird dann später, insbesondere seit dem 19. Jahrhundert allgemein als verächtliche Bezeichnung für einen reichen Kaufmann gebraucht. Bis heute wird „Pfeffersack“ teilweise abfällig für reiche, rücksichtslos nur auf Geld und Macht bedachte Menschen verwendet.