Strafzinsen bedrohen Investitionskraft der Unternehmen

Die deutsche Wirtschaft kritisiert die Einführung von Negativzinsen durch die Commerzbank. Sollten weitere Banken diesem Beispiel folgen, kann die Belastung zu einem Rückgang der Investitionen beim Mittelstand führen. Die Commerzbank gibt die Strafzinsen der EZB an große Firmenkunden und Anleger weiter.

Die deutsche Wirtschaft prangert angesichts der von der Commerzbank geplanten Strafzinsen für Firmenkunden den Kurs der Europäischen Zentralbank an. „Jetzt zeigen sich die Nebenwirkungen der aktuellen Geldpolitik in Europa“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Donnerstag zu Reuters. „Statt die Investitionen zu fördern, führt der negative Einlagenzins der EZB nun zu weiteren Belastungen für die Wirtschaft.“ Um Investitionen anzukurbeln, müssten andere Wege beschritten werden. „Dazu gehören konsequente Strukturreformen in den Krisenstaaten“, sagte Wansleben.

Kritik äußerten auch die Familienunternehmer. „Jetzt spüren Sparer und Anleger die fatalen Folgen der verschleppten Eurokrise“, sagte Verbandspräsident Lutz Goebel. „Die EZB kann Europa nicht dadurch auf die Beine helfen, indem sie per Strafzinsen Geld in die Märkte drückt.“ Die Politik müsse für die Wettbewerbsfähigkeit Europas sorgen, nicht die Zentralbank. Goebel appellierte aber auch die Geldinstitute. „Jede Geschäftsbank sollte sich überlegen, ob sie den Schritt geht, Strafzinsen auf Einlagen zu verlangen“, sagte er. „Eine gesunde Bank wird davon sicherlich Abstand nehmen.“ Familienunternehmen machen 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland aus.

Großkonzerne und Profi-Anleger müssen künftig bezahlen, wenn sie höhere Summen bei der Commerzbank anlegen. „Bei einzelnen großen Firmenkunden mit hohen Guthaben sowie bei Großkonzernen und institutionellen Anlegern behalten wir uns vor, für hohe, aus überschüssiger Liquidität bei uns geparkten Einlagen, eine Guthabengebühr zu berechnen„, sagte ein Sprecher der zweitgrößten deutschen Bank. „Grund hierfür sind die negativen Einlagenzinsen der EZB.“ Sie verlangt von seit September einen Strafzins von 0,2 Prozent, wenn Banken ihr über Nacht Geld anlegen.

Andere deutsche Großbanken verlangen von ihren Firmenkunden bisher noch kein Geld für hohe Einlagen. Insider gehen allerdings davon aus, dass weitere Großbanken diesem Schritt folgen werden.

So lange er an der Spitze der HypoVereinsbank (HVB) stehe, werde es keine negativen Zinsen geben, sagte kürzlich HVB-Chef Theodor Weimer. „Egal, wer zu uns kommt, er wird dafür nicht bestraft.“ Jürgen Fitschen, der Präsident des Privatbankenverbandes BdB und Co-Chef der Deutschen Bank, erklärte vor kurzem, jedes Geldhaus müsse selbst entscheiden, ob es die negativen Einlagezinsen an seine Kunden weiterreiche oder nicht.

Im Oktober hatte die Deutsche Skatbank mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, ab November einen Strafzins von 0,25 Prozent zu verlangen, wenn Kunden bei ihr große Summen auf Tagesgeld- oder Girokonten parken. Der Genossenschaftsverband BVR und der Sparkassenverband DSGV haben sich gegen negative Einlagezinsen für Privatanleger ausgesprochen.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret warnt die deutschen Banken hingegen vor der Einführung von Strafzinsen auf Spar- oder Giro-Konten. Verbraucher damit zu schrecken, wäre „negativ für die Sparkultur“, sagte Dombret.

Kommentare

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  1. Wutbürger sagt:

    Die Bank an Ihrer Seite!

  2. Franz Mlynek sagt:

    so lange dieser wirtschaftspöbel Geld macht und die löhne, inklusive Politiker,
    senken ist die welt in Ordnung. jetzt wo sie auch mal zahlen müssen ist das Geschrei groß.weshalb hat den keiner von irgendwelchen Wirtschaftsverbänden bei Einführung des euros massivs interveniert.keine eier in der hose und schamlos den kleinen mann auszunehmen.