Österreichs Mittelstand investiert weniger

Die Investitionsbereitschaft lässt bei 99 Prozent aller Unternehmen in Österreich nach. Die Rahmenbedingungen sind schlecht: Die Wirtschaft stagniert. Doch die schlechte Stimmung täuscht: Im Gegensatz zu vielen seit der Krise schwächelnden Großunternehmen konnte der Mittelstand in Österreich seinen Umsatz in den vergangenen Jahren jedoch um 11 Prozent steigern.

Die Investitionsbereitschaft der mittelständischen Betriebe in Österreich hat im letzten Halbjahr nachgelassen. Angesichts der derzeit schwächelnden Konjunktur halten sich die meisten Unternehmen bei den Investitionen zurück, so eine Studie von Creditreform, in der im Herbst 2014 rund 1.700 Klein- und Mittelbetriebe nach ihrer Investitionsbereitschaft befragt wurden.

In den letzten Wochen plante mehr als jeder dritte Betrieb (35,9 Prozent), Geld für Maschinen und Ausrüstung in die Hand zu nehmen. Damit liegt die Investitionsfreude aktuell sogar unter den Werten der Jahre 2009 (47,5 Prozent) und 2012 (44,3 Prozent). Die meisten Investitionswilligen finden sich mit einem Anteil von 43,6 Prozent beim Verarbeitenden Gewerbe (Vorjahr: 48,1 Prozent).

Beim Dienstleistungsgewerbe möchten 37,3 Prozent der befragten mittelständischen Betriebe ein Investitionsvorhaben umsetzen (Vorjahr: 40,6 Prozent), während es in der Baubranche 35,8 Prozent sind (Vorjahr: 33,0 Prozent). Somit hat sich lediglich in der Baubranche die Investitionsbereitschaft erhöht.

Das Schlusslicht bildet bei den Investitionen der Handel, wo nur 28,9 Prozent der Mittelständler ein Investitionsvorhaben durchführen wollen (Vorjahr: 38,7 Prozent). In erster Linie wollen die Unternehmen des Mittelstandes Ersatzinvestitionen tätigen (64,1 Prozent; Vorjahr: 58,5 Prozent). In die Erweiterung der Kapazitäten werden hingegen 45,9 Prozent der befragten mittelständischen Betriebe investieren (Vorjahr: 49,0 Prozent).

Der Mittelstandsbericht des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft beschreibt die Situation der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der in Österreich. Mehr als 313.700 Betriebe, das sind 99,6 Prozent aller Unternehmen, sind KMU. Diese beschäftigten im Erhebungsjahr 2012 knapp 1,9 Millionen Menschen und erwirtschafteten 64 Prozent der Umsatzerlöse (450 Milliarden Euro) sowie knapp 60 Prozent der Bruttowertschöpfung (108 Milliarden Euro). Seit dem besonders harten Krisenjahr 2009 konnten sie mehr als 90.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und ihre Bruttowertschöpfung um rund 14 Prozent steigern. „Darüber hinaus bilden Klein- und Mittelbetriebe 68.000 Lehrlinge aus und sichern damit den Fachkräfte-Nachwuchs“, betont Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

Im Erhebungszeitraum 2008 bis 2012 ist die Zahl der KMU um 4,7 Prozent gestiegen, bei größeren Firmen lag das Wachstum bei 0,6 Prozent. Während Großbetriebe bei den Umsätzen im Erhebungszeitraum bis 2012 das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreichen konnten, haben KMU ihre Umsätze um 11,1 Prozent gesteigert.

Der Mittelstandsbericht verdeutlicht darüber hinaus die wichtige Rolle von Ein-Personen-Unternehmen (EPU). 2012 war mehr als jedes dritte Unternehmen (115.200) ein EPU, welche 23,8 Milliarden Euro an Umsatzerlösen und 6,7 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung erwirtschafteten.

Auch die jüngste Leistungsüberprüfung der EU-Kommission gemäß „Small Business Act“ stellt dem heimischen KMU-Sektor ein gutes Zeugnis aus. Demnach weist Österreich im EU-Vergleich eines der wettbewerbsfähigsten Profile auf. Im Untersuchungsjahr übertraf Österreich den EU-Durchschnitt bei sechs Anzeigern für die Bereiche „Binnenmarkt“, „Zugang zu Finanzierungsmitteln“, „Kompetenzen und Innovation“, „Eine zweite Chance nach Insolvenz“, „Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie“ sowie „Internationalisierung“.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    KRISENSICHERE FAMILIEN-BETRIEBE RETTEN ÖSTERREICH VOR DER PLEITE !
    Die KMU zahlen die meisten und höchsten Steuern ! Die Großbetriebe und Konzerne erhalten Förderungen, verschleierte Förderungen und haben ihren Sitz im Ausland.
    Die KMU kämpfen täglich mit den Behörden, den Banken und dem Finanzamt um das Überleben ! Den Zustand der Politik erkennt man, dass zwei Finanzminister unter fadenscheinigen Vorwänden zurückgetreten sind. Der derzeitige Finanzminister Schelling ist sicher ein guter Manager, kann aber nur Konkursverwalter der Repuplik sein.

  2. Rolf Weichert sagt:

    Wenn man an die Vermögenssteuerabsicht des Herrn Faymann denkt, dann sind die Unternehmer wenigstens keine Verrückte.

  3. Zeitzeuge sagt:

    Wer was von wirtschaftlichen Verhältnissen weiß, kann erklären, wieso beides trotzdem zusammen paßt…