Ökotürme sollen Chinas Luft reinigen

Kilometerhohe Ökotürme sollen in China die Umweltverschmutzung bekämpfen. Ein Hochhaus soll dazu Wind- und Solar-Strom generieren. Der zweite Turm wird mit neuesten Umwelttechnologien zur Müllverwertung, einem Wasserfiltersystem und Luftreinigung ausgestattet. Das Projekt soll bereits 2018 fertig sein.

Allein die Höhe der Wolkenkratzer ist Rekord. Exakt einen Kilometer hoch sollen die größten dieser Öko-Tower sein.

Die Architekten planen, nahe der chinesischen Stadt Wuhan nebeneinander zwei Öko-Wolkenkratzer zu errichten. Der größere Tower der beiden soll für die Energiegewinnung und Wasserreinigung zuständig sein. Das nur unwesentlich kleinere Öko-Hochhaus dient der Luftreinigung.

Die Chinesen haben ehrgeizige Ziele. Es gelte nicht nur, das aktuell höchste Gebäude der Welt, das Burj Khalifa in Dubai, in den Schatten zu stellen, berichtete die Nachrichten-Website fastcoexist.com. Vielmehr sollen die Tower eine Art Terraforming schaffen, wie es bisher nur aus Science-Fiction-Romanen bekannt und vor allem für andere Planeten gedacht war. Scheinbar erfordert die Umwelt auf unserem Planeten inzwischen so drastische Modelle.

Die Industrie hat in China nicht nur für einen Boom an Arbeitsplätzen und Wohlstand gesorgt. Atemschutzmasken sind wegen der Umweltbelastung nicht nur beim Motorradfahren vielerorts an der Tagesordnung. Zahlreiche Flüsse sind durch chemisches Abwasser der Fabriken bereits verseucht. Die akute Gefahr durch Smog und Klimaschäden ist der Preis für die günstige Produktion von Waren.

Um der immer schlimmer werdenden Umweltverschmutzung Herr zu werden, sollen die beiden Ökotower für saubere Luft und Wasser sorgen. Die Kombination aus Energiegewinnung und Reinigung könnte weltweit einzigartige Effekte für die Natur haben.

Das ganze System besteht dabei aus zwei Wolkenkratzern, die auf einer eigenen Insel in einem See gebaut werden. Der ein Kilometer hohe Turm ist der Stromlieferant. An der Spitze soll eine Windturbine für Energie sorgen. Weiter unten sind großflächig Solarpanele aufgereiht, die dazu in der Lage sind, enorme Mengen an Sonnenenergie in Strom umzuwandeln.

Ebenerdig wird Regenwasser aufgefangen und aufbereitet. Außerdem pumpt der Tower Wasser aus dem See und leitet es durch mehrere Filter. Nach diesem Prozess wird das Wasser mit Luft angereichert und wieder in den See abgelassen. Dadurch soll die Wasserqualität im See steigen.

Im zweiten Tower wird eine Kombination aus bewachsenen Wänden und Insektenhotels angebaut. Dies dient der natürlichen Luftreinigung. Zusätzlich erfreuen sich die umliegenden Pflanzen über mehr nützliche Insekten.

Hintergrund für diese neuartige Gestaltung ist die besondere Beschaffenheit der Industriemetropole Wuhan. Sie ist durchzogen von sehr vielen Seen, mehr als doppelt so viele als im Berliner Umland. Diese einzigartige Situation ermöglicht wiederum erst den Bau von zahlreichen dieser Öko-Hochhäuser. Denn jedes zweiköpfige Tower-Gespann wird auf einer eigenen künstlichen Insel gebaut.

Für die Region in und um Wuhan sind das natürlich gute Nachrichten, da die Umweltbelastung dort derart hohe Werte erreicht hat, dass dringend etwas dagegen getan werden muss. Und auch wenn eine Senkung der Grenzwerte für Industrieabfälle wohl eine europäische Lösung des Problems ist, so können die Bewohner Wuhans stolz auf diese Neuerungen sein.

Voraussetzung, dass die Tower gebaut werden, ist das Okay vom Bürgermeister von Wuhan. Darauf warten die Architekten aktuell noch. Hat das Stadtoberhaupt den Vertrag gemacht, könnten die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen. In gewohnt chinesischem Tempo sollen dann die ersten ökologischen Hochhäuser bereits 2017 oder 2018 fertiggestellt sein.

Die britischen Architekten schwärmen insbesondere von den möglichen chinesischen Kunden. „Während einem in England als Designer viele Steine in den Weg gelegt werden, sind die Chinesen dagegen unglaublich optimistisch“, so Laurie Chetwood, Leiterin des zuständigen Architekturbüros. Im Hinterkopf hat sie bereits weitere Aufträge: „Wenn wir es schaffen, die Seen durch unser Design besser zu schützen, könnten daraus neue Projekte entstehen, die die Seen noch mehr schützen.“

Doch was wäre ein derartiges Hochhausprojekt ohne ein Restaurant in schwindelerregender Höhe? Beide Tower sind so gestaltet, dass zwischen ihnen kugelförmige Konstruktionen wie Planeten herunterhängen, die den Besuchern der unterschiedlichen Lokale einen atemberaubenden Blick auf die Seenlandschaft ermöglichen. Mit dem Müll, den die Restaurants erzeugen, werden übrigens Energiezellen aus Wasserstoff im Gebäude befeuert. Dadurch ist das System tatsächlich autark und verwertet den eigenen Abfall direkt selbst.

Eine ähnliche Variante gibt es im zweiten Tower, der mit vertikalen Gärten versehen wird. So wird an dessen Fuß ein Biomassekessel errichtet, der seinerseits Energie und Dünger produziert.

Macht dieses Modell Schule, könnte es bald in vielen chinesischen Städten derartige Bauten geben. Der Bevölkerung, die aktuell unter den Schadstoffen in Wasser und Luft leidet, sei es nur zu wünschen. Nach der industriellen könnte China somit Kurs auf die ökologische Revolution nehmen.

Kommentare

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  1. kutscherkarl sagt:

    Dieser schädliche Smog ist direkt Folge der hohen Besiedelungsdichte und über jeder
    anderen Großstadt ebenfalls erkennbar. Erdbodennahe Oberflächen wirken zwar , aber zuwenig um Aerosole aus der Luft zu binden.
    Wesentlich wäre, erstens keine solchen Luftschadstoffe freizusetzen und zweitens solche Aerosole durch Wassertropfen mittels großer Oberfläche wiederum zu binden und zurück an die Erde zu bringen.
    Von diesen hohen Türmen aus wäre auch künstlicher Regen zu versprühen, welcher diesen Feinstaub bindet.