Industrie: Durch Streiks entstehen Wirtschaft 500 Millionen Euro Schaden

Der Industrieverband DIHK beziffert den wirtschaftlichen Schaden durch die Streiks bei der Bahn auf eine halbe Milliarde Euro. Der Weihnachts- und Einkaufstourismus werde ausgebremst. Chancen auf eine Einigung noch in diesem Jahr bestehen. Alle Parteien wollen wieder miteinander verhandeln.

Die deutsche Industrie hat unmittelbar vor den Tarifgesprächen bei der Deutschen Bahn vor neuen Arbeitskämpfen gewarnt. „Die vielen Bahnstreiks sind schon jetzt ein Bremsklotz für die Konjunktur„, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Verbandes DIHK, der Bild-Zeitung vom Freitag laut Vorab-Ausgabe. „Transport und Arbeitszeit fallen aus, ausbleibende Lieferungen sorgen für Engpässe.“ Streiks in der Vorweihnachtszeit wären besonders bitter, denn dadurch würden der Weihnachtsmarkt- und Einkaufstourismus ausgebremst, sagte Wansleben.

Der Schaden durch die jüngsten Streiks bei der Bahn betrage allein für die Wirtschaft mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Die Bahn und die Gewerkschaften wollen am Freitag einen neuen Versuch zur Lösung des Tarifkonflikts unternehmen. Dafür will die Bahn der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Lokführergewerkschaft GDL jeweils ein Angebot unterbreiten. Mit beiden soll in Frankfurt nacheinander gesprochen werden. Ziel der Bahn ist, für eine Beschäftigtengruppe identische Tarifverträge unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft festzulegen. Die GDL will nicht nur für die Lokführer, sondern auch für ihre Mitglieder im übrigen Zugpersonal verhandeln und hat dafür bereits mehrfach gestreikt.

Die Lokführer-Gewerkschaft äußerte sich vor Beginn der Gespräche allerdings eher skeptisch. Nachdem sie für fünf Berufsgruppen Forderungen erhoben und rechtmäßig gestreikt habe, mache die Bahn jetzt ein Angebot für eine weitere Berufsgruppe, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag vor Beginn der Gespräche in Frankfurt.

Das Angebot der Bahn habe einen Umfang von 598 Seiten, sagte GDL-Chef Weselsky. „Und wir werden unsere Mitglieder informieren, der Aushang ist schon entworfen, die Überschrift lautet ‚598 Seiten nichts'“, fügte er hinzu. Wie lange der Konflikt noch andauern könne, wollte der Gewerkschafter nicht abschätzen. „Ich äußere mich nach der Verhandlung oder wir äußern uns nach der zweiten Verhandlung.“ Das mache sich daran fest, wieweit man in den Verhandlungen komme.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber äußerte sich vor Beginn der Gespräche weniger skeptisch. „Ich bin erstmal froh, dass wir überhaupt wieder uns in Verhandlungen befinden,“ sagte Weber. Er hoffe auf gute Gespräche und dass möglicherweise ein Fahrplan für weitere Gespräche verabredet werden könne. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn, 37 statt 39 Stunden Wochenarbeitszeit sowie bessere Schichtpläne. Kern des Konfliktes ist aber, dass die GDL nicht mehr nur für die rund 20.000 Lokführer sondern auch für ihre Mitglieder unter den rund 17.000 Zugbegleitern und Rangierführern eigene Verträge abschließen will. Für dieses Ziel hatte sie bereits wiederholt gestreikt und zuletzt vor rund zwei Wochen den Personen- und Güterverkehr über mehrere Tage zu großen Teilen lahmgelegt. Die Bahn will jedoch unterschiedliche Tarifverträge für dieselbe Beschäftigtengruppe im Unternehmen verhindern.

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. retep sagt:

    Durch Politik noch viel mehr!
    Durch die willkürliche Abschaltung der Atomkraftwerke wurden ca. 20.000.000.000,- Euro echtes Marktkapital vernichtet von unserer Perle aus der Uckermark. Also bitte etwas mehr differenzieren.

  2. nietz sagt:

    Ob man dem Glauben schenken soll? Die deutsche Wirtschaft ist eine große Zicke und glauben sollte man dem sicher nicht. Die Bahn soll vernünftig entlohnen und für gute Arbeitsbedingungen sorgen und fertig ist die Sache. Was bilden sich ein? Die Wirtschaft hat bei der Agenda kräftig mitgearbeitet und wahrscheinlich auch am Euro, jahrelang konnte hier auf Kosten der Arbeiter mehr Gewinn erzielt werden. Keiner sollte aufhören zu streiken, solange das Ziel nicht erreicht wurde.