Internet der Dinge verändert Prozesse für Unternehmen und Kunden

Die Zahl der miteinander vernetzten Geräte steigt im kommenden Jahr auf knapp fünf Milliarden an. Bis 2020 sollen es bis zu 25 Milliarden sein. Das Internet der Dinge verändert die Haustechnik, die Autoindustrie und den Staat. Unternehmer müssen ihre Prozesse den neuen Rahmenbedingungen anpassen. Vernetzung ist nicht alles: Es kommt darauf an, neue Wertschöpfung zu generieren.

Was miteinander vernetzt werden kann, wird auch miteinander vernetzt. Marktforscher rechnen damit, dass der Markt des Internets der Dinge (IoT) im kommenden Jahr um 30 Prozent wachsen wird. 2015 wird es dann 4,9 vernetzte „Dinge“ geben. Bis 2020 soll die Zahl Analysen des US-amerikanischen IT-Dienstleisters Gartner zufolge auf 25 Milliarden Geräte steigen. Das Marktvolumen wächst im kommenden Jahr auf knapp 70 Milliarden US-Dollar an. Bis 2020 soll der Markt dann auf etwa 263 Milliarden Dollar anschwellen.

Diese Entwicklungen werden weitreichende gesellschaftliche Folgen mit sich bringen. Der Alltag der Menschen wird sich verändern. Neue Unternehmen und Produkte werden entstehen. Bestehende Unternehmen sind mit der Herausforderung konfrontiert, die neu entstehenden Märkte zu erschließen und sich mit Konkurrenten zu messen.

Vernetzte Geräte generieren ununterbrochen Daten. Doch der Wert liegt nicht in den Daten selbst, sondern in ihrer Interpretation und den dahinterliegenden Prozessen. Diese werden dynamisch angelegt und sollen sich an den Wünschen der Kunden orientieren. Denn Vernetzung darf kein Selbstzweck sein: Es gelte vielmehr, neue Geschäftsmodelle und Wertschöpfung zu entwickeln, sagt Steve Prentice, Vize-Präsident und Partner bei Gartner, einem Bericht von THE Journal zufolge.

Das Internet der Dinge verändert zunächst die Industrie. Herstellungsprozesse verändern sich aufgrund von der Weiterentwicklung revolutionärer Produktionsprozesse wie der 3D-Drucktechnik. Die Fabrik verwandelt sich in eine intelligente Fabrik. Beobachter sprechen von der nächsten Industriellen Revolution. Das Schlagwort Industrie 4.0 ist überall zu vernehmen.

Sicherheit ist ein großes Thema bei der fortschreitenden Vernetzung der Dinge. Die Schnittstelle von Datensicherheit, IT-Sicherheit und physischen Schutzmaßnahmen verlangt nach einem neuen Markt mit neuen Produkten. Nach Einschätzung von Gartner wird bis 2020 jedes fünfte Unternehmen seine Prozesse mit Sicherheitsdienstleistungen versehen, um möglichen Schäden durch Datendiebstahl oder –Verlust zu begegnen.

Autos entwickeln sich zu autonom fahrenden, rollenden Smartphones. Garnter schätzt, dass sich der Markt für vernetzte Autos im kommenden Jahr fast verdoppeln wird. Diese Entwicklung eröffnet ein enormes ökonomisches Potenzial für Unternehmen in Automobil-, Zuliefer- sowie Informations- und Kommunikationstechnik-Branchen. Zunächst besteht aber großer Forschungs- und Entwicklungsbedarf: „Das Auto der Zukunft wird energieeffiziente und umweltfreundliche Fahrzeugtechnologien bis hin zur Elektromobilität mit intelligenten Informations- und Kommunikationssystemen vereinen“, sagte Matthias Hein vom Thüringer Innovationszentrums Mobilität (ThIMo). „Derartige Systeme sollen das Autofahren komfortabler, aber durch die Vernetzung und zuverlässige Interaktion mit der Fahrzeugumgebung vor allem sicherer machen.“

Die Versicherungswirtschaft signalisiert der Computerwoche zufolge ein großes Interesse an den Daten, die vernetzte Fahrzeuge sammeln können. Mit „Activity Trackers“ könnten Rückschlüsse auf individuelle Fahrweise und Lebenswandel von potentiellen Kunden geschlossen und die Ursache von Unfällen hergeleitet werden.

Bei der Energieversorgung gibt es einen großen Bedarf an neuer Technik. Die Energiewende verlangt nach modernen Stromnetzen, die mit enormen Spannungsschwankungen zurechtkommen. Dabei geht es nicht nur um den Stromverbrauch eines Landes wie Deutschland, sondern es geht auch um die Verfügbarkeit von Energie über Landesgrenzen hinweg. Smart-Grids – also intelligente Stromnetze – sollen die Stabilität der Versorgungssicherheit garantieren. Der Wandel hin zu erneuerbaren Energiequellen und die zunehmende Abkehr von Kohle, Gas und Atomstrom stellt die Infrastruktur der Energieversorgung vor eine riesige Herausforderung.

Die Haustechnik wird sich ebenfalls grundlegend verändern. Haushalte können ihre Heizung mit dem Smartphone steuern, die Waschmaschine kommuniziert mit der Kleidung und die Hausbeleuchtung erkennt automatisch, wie viele Personen sich in einem Raum aufhalten.

Auch der Staat wird sich der Entwicklung auch nicht verschließen können. Denkbar sind Investitionen in intelligente Straßenanlagen. Denkbar ist auch der Einsatz von Solarmodulen als Straßenbelag zur Beheizung und Beleuchtung der Fahrbahn.

Ob deutsche Unternehmen mit der Entwicklung international mithalten oder federführend sein werden, hängt auch von ihrer Investitionsbereitschaft ab. Eine große Bedeutung kommt der Gründung und Förderung von Startups zu.

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  1. Jürgen Kriete sagt:

    Die Frage ist, ob Fortschritt wirklich stets Fortschritt ist. Rein technisch gesehen, sicher. Aber was ist mit dem Lebenswert, den Menschen? Da drücken IT-Firmen mit Gewalt in den Markt und verkaufen dem Eskimo eine Waschmaschine.

    Schon an den Smartphones wird doch deutlich, dass die versprochene Zeitersparnis keine ist – das Gegenteil ist der Fall. Wir sind mit diesen Geräten beschäftigter als je zuvor. Wohl circa 30 Prozent aller Nutzer sind sogar abhängig. Abgesehen von den Mikrowellenstrahlungen, die nach unabhängigen Studien extrem gefährlich sind. Ähnlich gefährlich sind Nano-Artikel – und absolut unerforscht. Technikmuffel? Ich glaube nicht. Eher sollten wir versuchen, einmal logisch darüber nachzudenken, ob alles, was neu ist, auch unbedingt gut ist oder doch nur wenigen Konzernen dient. Fortschritt sind aus meiner Sicht alle Entwicklungen, die den Menschen, deren Wohlergehen und Unversehrtheit, deren Glück und Lebensfreude stärkt. Dazu gehört nicht unbedingt, dass mein Herd mit der Pizza im Kühlfach Daten austauscht.

    Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Will ich, dass meine Waschmaschine mit meiner Jeans kommuniziert? Will ich, dass mir nach Google, Handy und Navi ( STichwort: Digitale Demenz) noch mehr Denkarbeit abgenommen wird und ich am Ende total verblöde? Ich interpretiere Fortschritt anders. SChrecklich dieser Irrglaube, dass alles, nur weil es technisch möglich ist, gleich als heilsbringender Fortschritt gepriesen wird.