Wegen Luftfracht-Kartell: Bahn verklagt Fluglinien auf Schadenersatz

Die Deutsche Bahn verklagt Fluggesellschaften weltweit auf Schadenersatz wegen Preisabsprachen bei der Luftfracht. Es handle sich "mutmaßlich um eines der größten Kartelle der Wirtschaftsgeschichte", erklärte der Staatskonzern. Die Bahn fordere gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz.

Die Deutsche Bahn verklagt Fluggesellschaften weltweit auf Schadenersatz in Milliardenhöhe wegen Preisabsprachen bei der Luftfracht. Es handle sich „mutmaßlich um eines der größten Kartelle der Wirtschaftsgeschichte“, erklärte der Staatskonzern am Sonntag. Details wollte das Unternehmen nicht nennen, es lud aber für Montag zu einem Pressegespräch ein. Einem Bericht der Wirtschaftswoche zufolge fordert die Bahn gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Diese Summe habe die Speditionstochter Schenker wegen überhöhter Frachtraten zu viel bezahlt. Den Löwenanteil davon wolle der Konzern mit 1,2 Milliarden Euro sowie 560 Millionen Euro Zinsen bei der Lufthansa und zehn weiteren Fluggesellschaften wie British Airways vor dem Landgericht in Köln eintreiben, wo die größte deutsche Fluggesellschaft ihren Sitz hat.

Die Lufthansa habe in dem Kartell eine maßgebliche Rolle gespielt, sagte Bahn-Rechtsvorstand Gerd Becht der Zeitschrift. Im Extremfall könnte die Lufthansa dem Bericht zufolge sogar für die Gesamtsumme von 1,76 Milliarden Euro aufkommen müssen. Dies sei möglich, wenn der Konzern auch für die Schäden durch die anderen Fluggesellschaften haftbar gemacht werde.

In den USA hatte die Deutsche Bahn bereits vor einiger Zeit rund ein Dutzend Fluglinien wegen des Luftfracht-Kartells verklagt. Betroffen von dieser Klage sind nach Angaben von Insidern unter anderem Air France, KLM, SAS, Qantas, Cargolux, Martinair sowie All Nippon Airways.

Die Preisabsprachen zwischen 1999 und 2006 waren bereits vor rund sieben Jahren aufgeflogen und hatten in vielen Ländern Strafen der Wettbewerbsbehörden ausgelöst. So verhängte die EU im Jahr 2010 eine Strafe von insgesamt rund 800 Millionen Euro. In den USA summierten sich die Bußgelder auf etwa 1,5 Milliarden Dollar. Die Lufthansa kam als Kronzeugin bisher um Zahlungen herum.

Davon unabhängig können Kartellopfer jedoch auf Basis der Ermittlungen selbst Schadensersatzansprüche geltend machen. Die Frachttochter der Deutschen Bahn, DB Schenker, gehört zu den größten Logistik-Unternehmen der Welt und hatte sich an einer außergerichtlichen Einigung in den USA mit anderen Geschädigten nicht beteiligt.

Ein Lufthansa-Sprecher verwies am Sonntag auf den Jahresbericht des Unternehmens von 2013, der finanzielle Risiken durch Schadenersatzklagen wegen des Luftfracht-Kartells erwähnt. Eine Summe wird darin nicht genannt. Es wird jedoch darauf verwiesen, dass es noch keine abschließende Entscheidung der EU-Kommission in dem Fall gebe. Zudem komme eine Studie von Lufthansa Cargo und Swiss zu dem Schluss, dass den Kunden durch die Preisabsprachen kein Schaden entstanden sei. Selbst wenn sich die Preise jedoch erhöht hätten, müsse noch geklärt werden, ob die Kunden diese Aufschläge nicht einfach an ihre eigenen Auftraggeber weitergegeben hätten.

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  1. Büttel raus sagt:

    Wenn die Bahn für einen 20″ er von HH nach MZ 7 volle Tage braucht, nimmt die
    tolle Transportleistung wohl kaum jemand ernst. Vor allem vor dem Hintergrund,
    dass der Transport conference von Shanghai HH eben 19 Tage schnell ist.
    Die Bahn bräuchte also für die Strecke Shanghai – HH schlappe 390 Tage.
    Die uralte Transsib braucht für 12000 km schlappe 14 Tage.
    Also schaffen beide Transportarten ca. 1000 KM/Tag.
    Die Bahn schafft mit Mühe 65.
    Weitermachen und im 7. Ex-Beamtenhimmel ruhen.