EU bereitet sich auf Massenverkehr mit Flugautos vor

Ein EU-Projekt testet die Umsetzbarkeit von automatisierten Personal-Fliegern, die Autos im Stadtverkehr ersetzen sollen. Mit Mini-Helikoptern sollen Verkehrsstaus gemindert und der Luftraum als Transportweg genutzt werden. Ein internationales Team entwirft bereits Vorfahrts- und Versicherungsregeln.

„MyCopter“ ist ein EU-Projekt, das den Luftverkehr von der Straße in den Luftraum bringen will. Neun Forschungseinrichtungen aus sechs Ländern versuchen gemeinsam, den Traum vom Fliegen wahr werden zu lassen und die Idee eines persönlichen Luftfahrzeugs für jedermann zu realisieren. Die EU unterstützt das Projekt mit fast 4 Millionen Euro.

Die Ergebnisse der ersten vierjährigen Projektphase stellte das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum in Braunschweig beim MyCopterDay Ende November der Öffentlichkeit vor. Beteiligt sind deutsche, französische, englische, Schweizer und deutsche Forschungseinrichtungen und Universitäten.

Die britische Universitäy of Liverpool testet beispielsweise die Maschinendynamik für MyCopter in einem Flugsimulator. Eine große Videoleinwand zeigt die Stadt Liverpool von oben. Das Cockpit ähnelt anderen Pilotenkabinen, jedoch werden hier verschiedene Cockpit-Varianten sowie virtuelle Autobahnstrecken in der Luft getestet.

Die Forscher versuchen, mit den Flugsimulationen herauszufinden, wie der Großteil der Bevölkerung einen Hubschrauber so einfach wie möglich steuern könnte. Die Studie startete mit Testversuchen ehemaliger Militärtestpiloten und wurde nun auf Testpersonen ohne Flugerfahrung ausgeweitet.

„So viele Arbeitsstunden gehen im Stau verloren und dabei gibt es so viel Platz über unseren Köpfen”, sagte der Laborleiter der University of Liverpool, Mark White, der New York Times.

Die Herausforderung ist, einen Weg zu finden, wie die breite Masse fliegende Fahrzeuge mühelos in der Luft steuern kann. Dabei sind auch Wetterbedingungen sowie rechtliche und versicherungstechnische Aspekte zu berücksichtigen. Außerdem müssen soziale und wirtschaftliche Auswirkungen untersucht werden. Durch das persönliche Luftfahrzeug soll möglichst keine teure Infrastruktur im Luftraum entstehen.

„Der Traum von fliegenden Autos besteht seit langem und hat über die Jahre viele Vorschläge und Versuche ergeben. Aber es gibt immer noch eine Menge Probleme zu lösen, bevor tatsächlich ein solch fliegendes Auto gebaut und geflogen werden kann”, so Heinrich Bülthoff, Leiter des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen.

Am Max-Planck-Institut prüft man derzeit Warnsysteme, wie beispielsweise vibrierende Lenkräder, um Piloten zu helfen, sicher auf der vorgegebenen Flugstrecke zum Ziel zu kommen. Die Wissenschaftler sind außerdem auf der Suche nach einem Weg, Autobahnstrecken in der Luft kenntlich machen zu können.

Die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne untersucht unterdessen, wie Kollisionen mit Vögeln und anderen Objekten in der Luft vermieden werden könnten, während das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig die Technologie an realen Flugfahrzeugen testet.

Bülthoff zufolge gefällt der schweizerischen Bevölkerung die Idee, mit einem persönlichen Flugzeug den Verkehrsstau auf dem Weg zur Arbeit zu umgehen, recht gut. Nur wollen die Schweizer ungern den ganzen Tag in einem solchen Luftfahrtzeug verbringen. Auch in Deutschland wird nun eine entsprechende Befragung vom Institut für Technikfolgenabschätzungen und Systemanalyse (ITAS) durchgeführt.

Einige kleine Unternehmen arbeiten bereits daran, fliegende Fahrzeuge herzustellen. Die niederländische Firma Pal-V plant, einen Kleinwagen zu entwickeln, der sich in einen Hubschrauber verwandeln kann. Das fliegende Auto soll bis 2016 für rund 300.000 Dollar auf den Markt kommen. Mit dem Aeromobil existiert bereits eine Mischung aus Sportwagen und Kleinflugzeug mit Propeller-Antrieb.

Kommentare

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  1. Loewe2101 sagt:

    Die Menschheit kommt schon mit zwei Dimensionen im Verkehr nicht klar, wie soll das denn erst bei drei dimensionalem Verkehr funktionieren?!
    Da prasselt dann bei jedem Unfall der Trümmerregen auf Unbeteiligte am Boden herab….

    Wieder so eine Saufidee vom Stammtisch der EU….

  2. Wutbürger sagt:

    Das erste Exemplar wird wohl Herr Junker bekommen, bezahlt durch die EU