Zahl der Firmenpleiten soll 2015 wieder steigen

Die Ukraine-Krise und die schwache Entwicklung der Wirtschaft im Euro-Raum führen zu einer steigenden Anzahl von Firmenpleiten in Deutschland. Besonders hoch ist das Risiko in der Papierbranche und in der Logistik. Die größten Industriezweige Deutschlands – Automobilsektor, Maschinenbau, Elektronik- und Chemiebranche – müssen mit sinkenden Gewinnen rechnen.

Wegen der schwachen Konjunktur rechnet der Kreditversicherer Euler Hermes im kommenden Jahr mit einem Anstieg der Firmenpleiten in Deutschland. Die Zahl der Insolvenzen dürfte demnach um zwei Prozent auf rund 25.000 zunehmen.

„In Deutschland ist das Risiko von Zahlungsausfällen in der Papier- und Transportbranche besonders hoch. Wir erwarten in diesen Branchen einen Zuwachs von +9 Prozent beziehungsweise +8 Prozent“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes Deutschland. „Durch die stagnierenden Umsätze deutscher Unternehmen erwarten wir zudem insgesamt einen Rückgang der operativen Gewinne um -1,7%. Insbesondere die größten deutschen Industriezweige sind davon betroffen: der Automobilsektor, Maschinenbau, Elektronik- und Chemiebranche.“

Deutsche Unternehmen kämpften mit den Folgen der zahlreichen geopolitischen Krisenherde, begründeten die Experten ihre Prognose. Zudem mache der exportstarken Wirtschaft die schwächelnde Konjunktur im Euro-Raum sowie ein verlangsamtes Wachstum in China zu schaffen. In diesem Jahr mache sich das aber noch nicht in der Insolvenzstatistik bemerkbar.

„Deutschland war in den vergangenen Jahren immer der Klassenprimus im europäischen Raum und verzeichnete in den letzten Jahren einen stetigen Rückgang bei den Insolvenzzahlen“, sagte Euler-Hermes-Chefökonom Ludovic Subran am Montag. „Im kommenden Jahr dreht sich dies jedoch.“ Weltweit werde es dagegen einen Rückgang um drei Prozent geben.

Nach einem Rückgang der Insolvenzen um -6 Prozent im Jahr 2014 (24.490 Fälle) nehmen diese im kommenden Jahr nach Ansicht der Euler Hermes Ökonomen um +2 Prozent zu und belaufen sich dann auf voraussichtlich 24.979 Fälle.

Für zahlreiche westeuropäische Länder wie Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Dänemark oder Großbritannien soll die Zahl der Insolvenzen fallen.

Neben Deutschland nehmen die Insolvenzfälle in Westeuropa in Luxemburg (+5%), Österreich (+3%), Finnland (+2%), Belgien (+1%) zu, in Frankreich bleibt die Anzahl nach Ansicht des Kreditversicherers in 2015  auf dem gleichen Stand wie im Jahr 2014.

Auch in China steigen die Insolvenzen 2015 um voraussichtlich 5 Prozent nach unveränderten Fallzahlen im laufenden Jahr. Die Zahlungsausfälle werden sich jedoch bereits in 2014 verdoppeln (+103%), insbesondere getrieben durch eine drastisch gestiegene  Anzahl an Ausfällen in der Lebensmittelindustrie (+473%), der Chemie- (+214%) und Elektroniksparte (+54%).

Russland hingegen spürt die Folgen des weiterhin schwelenden Konflikts mit der Ukraine sowie den verhängten Sanktionen und Gegensanktionen bei der Konjunkturentwicklung und den Insolvenzzahlen deutlich: Für 2014 geht Euler Hermes von +7 Prozent mehr Insolvenzen im Vergleich zu 2013 (9.600 Fälle) aus. Die Zahlungsausfälle steigen bis zum Jahresende bereits voraussichtlich um das Eineinhalbfache an (+161%); in der Lebensmittelindustrie verdoppelten sie sich (+107%) und der Einzelhandel verzeichnet sogar mehr als drei Mal so viele Ausfälle wie noch im Jahr 2013 (+264%). Für 2015 prognostizieren die Euler Hermes Ökonomen einen deutlichen Anstieg der Insolvenzfälle um +10% auf 10.560 Fälle – neben Kolumbien (+13%) und Marokko (ebenfalls +10%) ist dies der weltweit höchste Anstieg in 2015.

Kommentare

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  1. kutscherkarl sagt:

    Gleich zu Beginn der Euro-Einführung wurden wir betrogen!
    Minus 34% der Kaufkraft wurde uns dabei genommen.
    All die Versprechu gen der Pollitiker haben sich als Lügen herausgestellt.
    Kein Bankgeheimnis mehr und doppelte Arbeitslosigkeit.
    Schulden maßlos gestiegen, dafür ungezügelter Zuzug von Eseltreibern.
    Die Menschen leiden einfach am Vergesslichkeitssyndrom.
    Alte und Pensionisten verlieren ihre WOhnung zugunsten Flüchtlinge.
    Wir dürfen monatlich dafür bezahlen, dass 50.000 Tonnen europ. Getreide nach Nordafrika verschenkt wird, einige Bankster, welche diese Geschäfte betreiben freuen sich über die Gewinne.

  2. kutscherkarl sagt:

    Wirtschaftliche Größe eines Landes sind deren Arbeitslosenzahlen, welche in Österreich nach EU-Beitritt mehr als verdoppelt sind.
    Die USA greift dabei zentral über das EU-System generell alle Europäer bis in den letzten Winkel an und will sich damit ihre zerrüttete Wirtschaft sanieren, wie sich das nun durch Verhinderung der Southstream-Gasleitung zeigt, denn damit kann nun Shalegas aus den USA nach Europa eingeführt werden.
    Abhilfe kann sich der Europäer nur durch selbständige Umweltenergie-Nutzung von WInd, Wasser, Solar und Umbau auf Elektromobile schaffen.
    Die niederen Ölpreise sind trügerisch und werden sobald es Wallstret will, wieder hochschnellen und die jetzigen Verluste ausgleichen – daher Holzauge sei wachsam und nutze die Sonnenstrahlen.
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/energie/4609429/Das-wars_Moskau-stoppt-SouthStreamProjekt?_vl_backlink=/home/index.do

  3. Jürgen Kriete sagt:

    Traue nur der Statistik, an die Du selber ganz fest glaubst und mit der Du punkten möchtest – dann tun es auch die anderen.

    Gleich noch eine Weisheit: Erstens kommt es anders und zweitens als man glaubt.

  4. Werner sagt:

    „…Die größten Industriezweige Deutschlands – Automobilsektor, Maschinenbau, Elektronik- und Chemiebranche – müssen mit sinkenden Gewinnen rechnen…“

    Die machen ja auch seit vielen Jahren nur das Gleiche ! Wo soll da denn der Gewinn hekommen ?
    Die Europäer z.B. können ja nicht einmal europäische Computer herstellen ! ! !

    mfg. Werner

    • kutscherkarl sagt:

      Abgesehen davon, dass alle Bestandteile für E-Fahrzeuge aus Fernost hergeholt und teuer bezahlt werden müssen. Das ist der Grund warum es keine E-Fahrzeuge in EU gibt.