Analysten: Auslagerung von E.ON-Sparten ist eine Art „Bad Bank“

Der tiefgreifende Umbau des Energiekonzerns E.ON gleicht Analysten zufolge der Errichtung einer Bad Bank. In ihr werden die verlustbringenden Sparten Atom, Kohle und Gas sowie der Energiehandel gebündelt. Strategisch ist das der erste Schritt eines Energiekonzerns, die Risiken der Energiewende auszulagern.

Für E.ON werde es künftig zwei getrennte Welten geben, die der konventionellen und die der erneuerbaren Energie, umriss Konzernchef Johannes Teyssen am Montag die Neuausrichtung. Der Versorger soll binnen zwei Jahren in zwei börsennotierte Gesellschaften aufgespalten werden. Politik, Analysten und Anleger begrüßten den Schritt, der auch Vorbild für andere Versorger in Europa sein könnte. E.ON-Aktien gewannen zeitweise mehr als sechs Prozent.

Nach den Plänen Teyssens soll der Kohle- und Atom-Konzern 2016 von E.ON abgespalten und an die Börse gebracht werden. Die Mehrheit der Aktien werden den E.ON-Aktionären dann ins Depot gebucht. Die restlichen Anteilsscheine will E.ON danach in kleineren Schritten über die Börse verkaufen. Die Abspaltung soll auch die Rückstellungen für den Abriss der Kernkraftwerke übernehmen. Dies könnte die Idee einer Atomstiftung erneut anfachen, in der die AKW-Betreiber E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Risiken auslagern.

Zu der abgespaltenen Gesellschaft würden auch der globale Energiehandel sowie die Bereiche Exploration und Produktion gehören. Das Unternehmen soll 20.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Analysten von Bernstein Research sprachen von einer Art „Bad Bank“.

Das unter der Rubel-Schwäche leidende Geschäft in Russland gehört ebenso dazu wie die Verluste schreibende Beteiligung in Brasilien. Aber auch das Geschäft mit der Wasserkraft schlägt Teyssen der neuen Gesellschaft zu – es handele sich auch hier um große Kraftwerke.

Offen ist, was aus der Gas- und Ölförderung in der Nordsee wird. E.ON will dies noch vor der Neuaufstellung strategisch überprüfen. Analysten spekulierten umgehend, dass das Geschäft im Paket verkauft wird – wie die RWE-Tochter Dea.

Das verbleibende Unternehmen mit 40.000 Mitarbeitern soll noch aus der Erzeugung von Ökostrom sowie dem Betrieb der Strom- und Gasnetze und dem Vertriebsgeschäft bestehen. E.ON hat bereits seit 2007 in das Geschäft mit der Erneuerbaren Energie rund zehn Milliarden Euro investiert.

In den vergangenen Jahren hatte der Energieriese rund 20 Milliarden Euro aus Beteiligungsverkäufen eingenommen. Dennoch drücken den Konzern Schulden in Höhe von 31 Milliarden Euro. E.ON hatte unter anderem Milliardensummen bei Zukäufen in Südeuropa versenkt. Die Geschäfte in Spanien und Portugal verkaufte der Versorger nun an den australischen Investor Macquarie für einen Firmenwert von 2,5 Milliarden Euro.

E.ON muss aber wohl im laufenden Quartal noch Abschreibungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro vornehmen, nachdem es bereits im bisherigen Jahresverlauf rund 700 Millionen Euro waren. Damit dürfte das Geschäftsjahr 2014 mit einem deutlichen Verlust abgeschlossen werden. Für die Jahre 2014 und 2015 sollen die Aktionäre eine Dividende von 50 Cent je Aktie erhalten. Danach soll es mit der Aufspaltung eine neue Dividendenpolitik geben, sagte Finanzchef Klaus Schäfer.

Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert Teyssen auf den Preissturz bei den Strom- Großhandelspreisen. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. „Das bisherige breite Geschäftsmodell von E.ON wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht“, räumte Teyssen ein. Ein Stellenabbau sei mit der Neuaufstellung nicht verbunden, versicherte er. Mit dem Spin-Off folgt E.ON dem Beispiel von Bayer mit Lanxess oder Siemens mit der Lichttochter Osram.

Der hochverschuldete Energiekonzern und E.ON-Konkurrent RWE will der Energiewende anders als Wettbewerber E.ON nicht mit einer Aufspaltung begegnen. „Wir wollen unseren Konzern weiterhin entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufstellen“, sagte eine Sprecherin am Montag. Der RWE-Vorstand sei überzeugt, durch Optimierungen wieder Tritt fassen zu können.

RWE macht wie E.ON und zahlreichen Stadtwerken die Energiewende schwer zu schaffen. Durch den Ausbau des Ökostroms aus Sonne und Wind werden die Kohle- und Gaskraftwerke immer häufiger aus dem Markt gedrängt. Zugleich fallen die Preise an den Strombörsen. RWE hatte 2013 nach hohen Abschreibungen auf seine ausländischen Kraftwerke mit einem Fehlbetrag von fast drei Milliarden Euro abgeschlossen – der höchste Verlust eines börsennotierten Versorgers in Deutschland überhaupt.

 

Kommentare

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Jeder klar Denkende weiss sofort worauf diese mit Merkel abgesprochene Schurkerei hinausläuft: die Guten ins Kröpfchen, die Miesen ins Töpfchen, vulgo Bad-AG, und die geht dann in Insolvenz und der deutsche Michel muss zahlen, während die EON-Plus ihre Gewinne längst woanders versteckt hat. Die Mappus-Seilschaften funktionieren weiter.

  2. Miesmacher sagt:

    Die Deregulierung der Energieversorgung kann für die Konsumenten ein sehr teures Abendheuer werden. Die Strategie der Gewinnmaximierung im Sektor Erneuerbare Energien ist hochriskant, denn die Utopie der Alternativen Energie bleibt bestehen. Wer die naturunterworfenen Energien preist macht die Rechnung ohne den Wirt! Der Weg der kombinierten Energieversorgung aus konventionellen Kraftwerken und Erneuerbaren Energien ( s. RWE) wird bei E ON total verworfen. Das kann kräftig in die Hose gehen!