Ökonomen warnen vor „dauerhafter“ Rezession im Euro-Raum

Das Markit-Institut warnt vor einer „dauerhaften Rezession“ im kommenden Jahr. Frankreich ist dabei das größte Sorgenkind der EU. Besorgniserregend ist, dass die schlechte Wirtschaftsstimmung auch bei den Dienstleistern in Deutschland bereits angekommen ist.

Die Dienstleister in der Euro-Zone haben im November an Fahrt verloren. Der entsprechende Einkaufsmanager-Index rutschte um 1,2 auf 51,1 Punkte ab, wie das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte. Das Barometer hielt sich aber über der wichtigen Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum anzeigt. Da zuvor auch die Industrie schon eine Abschwächung gemeldet hatte, prognostiziert Markit nun lediglich ein Mini-Wachstum im vierten Quartal von 0,1 Prozent.

„Diese annähernde Stagnation könnte sich im neuen Jahr in einen Rückgang verwandeln – sofern die Nachfrage sich nicht erholt“, warnte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „In den Kernländern zeichnet sich derzeit eine besorgniserregende Konjunkturverschlechterung ab, die dauerhaft zurück in eine Rezession führen könnte.“

Größtes Sorgenkind ist demnach Frankreich. Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schrumpfte im November so deutlich wie seit neun Monaten nicht mehr. Auch in Deutschland läuft es nicht rund: Hier signalisiert der kombinierte Einkaufsmanager-Index für Dienstleister und Industrie das langsamste Wachstum seit knapp anderthalb Jahren.

Das könnte die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck setzen. „Die Umfrage-Ergebnisse deuten darauf hin, dass die jüngst angekündigten geldpolitischen Initiativen bislang die Zuversicht der Unternehmen und Verbraucher der Region noch nicht maßgeblich beeinflusst haben und dass wahrscheinlich aggressivere Maßnahmen ergriffen und rasch eingesetzt werden müssen, wenn eine erneute Rezession abgewandt werden soll“, sagte Williamson. Die EZB entscheidet am Donnerstag über ihren Kurs.

In den großen Schwellenländern gibt es keine einheitliche Entwicklung. Das Wachstum der chinesischen Dienstleister beschleunigte sich leicht: Der amtliche Einkaufsmanager-Index stieg hier um 0,1 auf 53,9 Punkte. Dagegen geht es bei den russischen Dienstleistern steil bergab: Deren Geschäfte liefen im November so schlecht wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Dort sackte der Einkaufsmanager-Index der Großbank HSBC um 2,9 auf 44,5 Punkte ab. Die Dienstleister machen rund 60 Prozent der Volkswirtschaft aus.

Hauptgrund ist die Abwertung der heimischen Währung. Der Rubel-Kurs hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel zum Dollar verloren, was Importe verteuert. „Die Abwertung geht einher mit schneller steigenden Preisen, die wiederum Löhne, Einkommen und Gewinne drücken“, sagte HSBC-Ökonom Alexander Morozow. Die Regierung rechnet für 2015 mit einer Inflationsrate von 7,5 Prozent.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    DIE REZESSION HAT BEGONNEN
    Die Politiker schwafeln vom kommenden Aufschwung. „Experten“ prognostizieren ein Wachstum auf Zehntel-Prozent, welches immer nach unten revidiert werden muss. Allein die Voraussagen auf 1/10 Prozent ist bereits unseriös! Auch wird uns ewiges Wachstum sugeriert, bei einem Rückgang unter Null ist es eben ein „Minus-Wachstum“ !

  2. sirik sagt:

    „..dauerhaft..zurück in eine Rezession führen könnte.”

    Jawohl das ist das richtige Wort.
    Dauerhaft.
    Die Krise ist, via das Zentralbanksystem, durch den Politische Mächten verursacht worden. ( Hans-Herman Hoppe/mises.org/Von Hayek)
    Die Krise wird beendet sein nach einem Politischen Wechsel, sicher nicht ohne.