Umfrage: KMU in Österreich schaffen keine Jobs mehr

Jedes fünfte Unternehmen in Österreich hat Personal abgebaut. Das ist die erste negative Personalentwicklung seit 2009. Wirtschaftsminister Reinhold Mittlerlehner will gegensteuern. Verbessertes Crowdfunding und Bürokratieabbau stehen ganz oben auf seiner Agenda.

Österreichs Mittelstand stellt kein Personal mehr ein. Im Gegenteil: Jedes fünfte Unternehmen baut Personal ab. Wie bei der Umsatz- und Auftragsentwicklung zeigt sich auch beim Personal ein negativer Trend. Der Personalsaldo zwischen aufstockenden und verkleinernden Unternehmen ist mit 0,4 Punkten erstmals seit fünf Jahren im negativen Bereich. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein weiterer Rückgang um 0,6 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit 2009, wo der Saldo bei Minus 18,5 Punkten lag.

Den größten Personalrückgang verzeichnete die Bauwirtschaft, belegt eine Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, in der im Herbst 2014 rund 1.700 Klein- und Mittelbetriebe nach ihrer aktuellen Personalentwicklung gefragt wurden. Stellten im Herbst 2014 noch 17,9 Prozent der befragten Unternehmen neues Personal ein, so mussten sich auf der anderen Seite 25,3 Prozent von einem Teil der Belegschaft trennen.

Saisonbedingt liegt das witterungsabhängige Baugewerbe bei den Neueinstellungen an letzter Stelle: So geben 4,2 Prozent der Baubetriebe an, ihren Personalstock erhöhen zu wollen, wohingegen 32,6 Prozent eine Verringerung der Mitarbeiterzahl planen. Somit ist das Baugewerbe per Saldo aus „aufstocken“ und „verkleinern“ (minus 28,4 Prozent) das Schlusslicht beim Personalaufbau. Gefragt ist nun die Politik. Eine Steuerreform sollte vor allem die Lohnnebenkosten senken und die Unternehmen dadurch wettbewerbsfähiger machen. Nur so besteht eine reelle Chance in absehbarer Zukunft neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Beim Dienstleistungsgewerbe war der Personalbedarf der mittelständischen Betriebe am größten. So hat in den letzten Monaten mehr als jeder vierte Betrieb (27,1 Prozent) seinen Personalstock vergrößert, während knapp jeder fünfte (19,3 Prozent) seine Personaldecke verkleinert hat. Somit liegt der Personalsaldo aus mehr und weniger Mitarbeitern im Dienstleistungsgewerbe bei plus 7,8 Prozentpunkten und damit als einziger im positiven Bereich. Im Verarbeitenden Gewerbe stellten 22,8 Prozent der befragten Betriebe neue Mitarbeiter ein, während 24,8 Prozent ihre Mitarbeiterzahl verringerten.

Kleine und mittlere Unternehmen schufen seit 2008 mehr als 77.000 Arbeitsplätze, berichtet der Wirtschaftsausschuss der Regierung. Doch damit scheint es ab jetzt vorbei: Angesichts der schlechten konjunkturellen Rahmenbedingungen werde der österreichische Mittelstand in nächster Zeit nicht als Jobmotor fungieren können, prognostiziert die Auskunftei. Zu den Erwartungen für die kommenden sechs Monate befragt, gaben lediglich 8 Prozent der Unternehmen an, neue Mitarbeiter einstellen zu wollen. Hingegen will jeder vierte Betrieb sich von einem Teil seiner Belegschaft trennen. Somit bleibt auch die zukünftige Personalentwicklung im vierten Jahr in Folge im negativen Saldo.

Die mittelständischen Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche werden im kommenden Halbjahr per Saldo aus Personalaufstockungen und -kürzungen keine neuen Mitarbeiter einstellen. Die meisten einstellungsfreudigen Unternehmen finden sich noch im Handel – hier planen 10,6 Prozent der befragten Mittelständler neue Arbeitsplätze zu schaffen. Beim Verarbeitenden Gewerbe sowie der Dienstleistungsbranche geben 7,9 bzw. 7,8 Prozent der Betriebe an, ihren Mitarbeiterstab zu vergrößern.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner sieht die Krise nun bei den KMU angekommen: Die Auftragslage sei schlechter und schlechter sei wegen der internationalen Konflikte auch die Stimmung. Kritische Stimmen – auch aus der EU – wegen überbordender Administration nehme er ernst, sagte der Ressortleiter und kündigte schon bald einen Begutachtungsbefund zum Crowdfunding an.

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