Chinas Industrie kann nicht mit der deutschen gleichziehen

Der Automatisierungsgrad der chinesischen Industrie ist noch wesentlich niedriger als in Deutschland. Auch konnte China in den vergangenen drei Jahren kaum Fortschritte erzielen. Steigende Lohnkosten und die demografische Entwicklung machen eine Modernisierung der Industrie für das Land jedoch unverzichtbar.

Die Übertragung der Arbeit vom Menschen auf Maschinen gelingt lange nicht so schnell wie von der chinesischen Regierung angestrebt. Diese will weg von der Fabrik der Welt und hin zu einer Konsum- und Servicegesellschaft. Doch jeder dritte befragte China-Experte in Unternehmen attestiert der führenden asiatischen Volkswirtschaft in den vergangenen drei Jahren nur wenige Erfolge auf diesem Weg. Lediglich 16 Prozent sehen große Fortschritte.

Trotz großer Anstrengungen Chinas ist der Automatisierungsgrad immer noch „viel niedriger“ als in der Bundesrepublik, sagen 54 Prozent  der deutschen Unternehmen mit Chinaerfahrung. Nur vier Prozent sind der Ansicht, China habe inzwischen mit Deutschland gleichgezogen. Mehr als drei von vier Firmen sind zudem der Meinung, dass die chinesische Wirtschaft es auch in den nächsten fünf Jahren nicht schaffen wird, die deutschen Konkurrenten in der Automatisierung einzuholen. Das belegt eine Studie der Unternehmensberatung Fiducia Management Consultants und des Chinaforums Bayern. Für den „China Poll“ wurden mehr als 200 in China tätige deutsche Unternehmen  befragt.

„China wird in den kommenden Jahren seine Anstrengungen bei der Automatisierung noch deutlich verstärken müssen“, sagt Stefan Kracht, Geschäftsführer China Consulting bei Fiducia Management Consultants. „Steigende Lohnkosten lassen dem Land keine andere Wahl. Zumal die demografische Entwicklung mit schrumpfender Bevölkerung in Zukunft nur durch einen verstärkten Einsatz von Maschinen kompensiert werden kann.“ Entsprechend halten 93 Prozent der befragten Unternehmen eine zunehmende Automatisierung in China für notwendig.

Inzwischen ist das Reich der Mitte zwar der größte und am schnellsten wachsende Robotermarkt weltweit, wie die aktuellen Statistiken der internationalen Robotervereinigung IFR zeigen. Auf 30 Roboter kamen 2013 rund 10.000 Beschäftigte. In Deutschland sind es jedoch immer noch fast zehnmal so viele (282 Roboter pro 10.000 Beschäftigte).

Mit zunehmender Automatisierung wird China eine deutliche Steigerung der Produktivität erzielen können. Dies ist vor dem Hintergrund des anziehenden Wettbewerbs für das Land unverzichtbar“, sagt Stefan Geiger, Geschäftsführer des Chinaforums Bayern e.V. „Dabei wird der Automatisierung in der Automobilbranche, der Elektroindustrie sowie im Maschinen- und Anlagenbau das größte Potenzial bescheinigt, wie unsere Studie zeigt.“

Kommentare

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  1. ed von schleck sagt:

    Eine Beruhigungspille für den Michel.

    Eine Studie von Unternehmensberatern. Na die müssen es ja wissen. Und die veröffentlichen natürlich all Ihr Wissen im allgemeinen Interesse.

    Erstes Semester VWL:
    Wenn das verhältnis von Arbeitslosten zu Kapitalkosten in China niedriger liegt, wird man logischerweise weniger Automatisieren.

    Aber gut das es uns nochmal erklärt wurde…

  2. fan sagt:

    Mit solchen Infos wird noch und nöcher manipuliert – als Aktionär von CHINA-MOBILE muss ich neidlos zusehen, wie dieses Unternehmen etwa 800-Millionen Kommunikations-Anschlüsse bisher realisiert hat und jedes Jahr kommen etwa 14 Millionen weitere pro Jahr dazu.

    Und bei uns..? Was ich hier täglich erleben muss mit der Qualität des Internets, kann ich nur als katastrophal empfinden. Und diese Com-Probleme erleben viele Anwender täglich und ergeben sich im stillen Fluchen und dem erzwungenen Frust..!

  3. Fabrikplaner sagt:

    Für Fabrikplaner ist es – je nach Produkt – ein Unterschied, ob man Personalkosten von 50 Eurocent im Vergleich zu Deutschland von 3000 Eurocent hat. Die Notwendigkeit zur erhöhten Automatisierung besteht nicht, was ich in China bei einer mechanischen Fertigung nachweisen könnte.

    Allerdings ist nicht einfach die Automatisierung als Funktion der Personalkosten zu berücksichtigen, es ist auch zu bedenken, dass die Service- und Wissens- Rahmenbedingungen zu berücksichtigen sind.

    Also, es geht bei der Produktkalkulation nicht allein um Stückkostenoptimierung sondern die Produktkalkulation darf nicht nur die Prozesskosten erfassen.