Mittelstand plant Einschränkungen wegen Mindestlohn

Die Mehrheit der Firmen in Deutschland plant wegen des Mindestlohns Gegenmaßnahmen. Dazu gehören, Personalabbau, Preiserhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen. Besonders Gastronomiebetriebe sind betroffen. Arbeitgeber müssen zudem Auflagen erfüllen und Arbeitszeiten genau dokumentieren.

Die meisten vom gesetzlichen Mindestlohn betroffenen Unternehmen wollen dem Ifo-Institut zufolge mit Gegenmaßnahmen reagieren – besonders im Gastgewerbe und in Ostdeutschland. Demnach wollen 26 Prozent ihre Preise anheben, wie die Münchner Forscher am Donnerstag zu ihrer Umfrage von 6.300 Firmen mitteilten. 23 Prozent dürften ihre Sonderzahlungen kürzen, 22 Prozent Personal abbauen. 18 Prozent der Firmen haben vor, die Arbeitszeiten zu kürzen, 16 Prozent wollen weniger investieren. „Meistens ist eine Kombination vorgesehen“, erklärte das Ifo-Institut.

Die Reaktionen auf die neue Lohnuntergrenze von 8,50 Euro je Stunde fallen aber je nach Branche und Region sehr unterschiedlich aus. „Den Mindestlohn spüren in Deutschland vor allem die Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich sowie der Einzelhandel.“ Fast jeder dritte Gastronom und Hotelier will seine Preise anheben, in der Industrie ist es nicht einmal jedes vierte Unternehmen. Hauptgrund: Im Gastgewerbe kommen viele Ungelernte zum Einsatz, die derzeit häufig weniger als 8,50 Euro pro Stunde erhalten. Die Branche ist daher besonders von der Einführung des Mindestlohns betroffen: 72 Prozent gaben dies an, während es insgesamt nur 27 Prozent sind.

Auch regional gibt es deutliche Unterschiede. „Ostdeutsche Unternehmen sind stärker von der Mindestlohnregelung betroffen“, betonte das Ifo-Institut. 43 Prozent sind es in Ostdeutschland, im Westen dagegen nur 24 Prozent.

Der flächendeckende Mindestlohn tritt am 1. Januar 2015 in Kraft. Es gibt aber noch einige Ausnahmen, etwa für Auszubildende und Langzeitarbeitslose. Ab 2018 soll der Mindestlohn ohne Ausnahmen auskommen.

Mittelständler müssen Auflagen erfüllen

Der Mindestlohn ändert nicht nur den Stundenlohn für Arbeitskräfte, sondern bringt auch Auflagen für Arbeitgeber mit sich. Unter anderem müssen die Arbeitszeiten von Minijobbern, kurzfristig Beschäftigten und Arbeitnehmern aus den besonders zur Schwarzarbeit gefährdeten Wirtschaftsbereichen – wie Bau-, Gaststätten-, Schausteller- oder Gebäudereinigungsgewerbe – aufgezeichnet und dokumentiert werden. Das bedeutet für Unternehmen einen erheblichen bürokratischen Aufwand.

 Festzuhalten sind nicht nur die geleisteten Stunden, sondern der Beginn, das Ende und die Dauer der täglichen Arbeitszeit. Diese Aufzeichnungen müssen spätestens eine Woche nach erbrachter Arbeitsleistung vorliegen. Sie sind für mindestens zwei Jahre aufzubewahren und müssen auf Verlangen der Prüfbehörde auch am Ort der Beschäftigung bereitgehalten werden.

Bislang waren nur Arbeitgeber in Branchen außerhalb des Entsendegesetzes verpflichtet, die über die gesetzliche Höchstarbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit zu erfassen. Diese Dokumentationspflicht wird jetzt ausgeweitet. Das trifft vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die häufig keine detaillierte Arbeitszeiterfassung einsetzen, sondern auf Vertrauensarbeitszeit setzen.

Kommentare

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  1. Thomas Fischer sagt:

    Ich finde es nur seltsam, daß die Lasten nur der schwächere Teil Betroffenen zu tragen hat. Wo war der Aufschrei, als bekannt wurde, daß manche Arbeitnehmer für 4 – 5 arbeiten. Das war egal, betraf ja nicht die eigene Klientel. Warum werden nicht Kompromisse eingegangen, die beiden Seiten gerecht werden. Was hat der Mittelständler davon, wenn nur noch Niedriglöhne gezahlt werden, der Empfänger dieser Löhne aber nicht mehr in der Lage ist, diese Produkte auch zu erwerben. Ist es nicht an der Zeit, sich von diesem Exportwahn zu lösen, der ohnehin dazu geführt hat, daß die Firmen für ausgezeichnete Produkte wertloses Papiergeld erhalten haben. Oder glaubt noch irgend jemand, daß der Dollar noch einen tatsächlichen Wert besitzt?

  2. Lesefuchs sagt:

    Komisch das nirgendwo die andere Seite der Medaille betrachtet wird! Was passiert wohl wenn plötzlich ne Menge Leute mehr Geld in der Tasche haben? Warum wird diese Seite nicht propagiert? Was benötigt der Kapitalismus zur existenz? Massenkaufkraft!!!