Nordkorea bildet Hacker-Armee hinter Stacheldraht aus

In Nordkorea werden Hacker im Auftrag des Militärs systematisch ausgebildet und abgeschirmt von der Gesellschaft für gezielte Angriffe eingesetzt. Manche Hacker würden schon mit 17 Jahren rekrutiert, gut bezahlt und sollen vor allem Ziele in Südkorea und den USA angreifen.

Hinter dem unauffälligen Namen „Büro 121″ verbirgt sich vermutlich der größte Hacker-Ring Nordkoreas. Überläufer aus dem kommunistischen Staat berichten, es handele sich um eine Einrichtung für hochintelligente Hacker, die zum Cyber-Angriff gegen den südlichen Nachbarn, aber auch die USA und andere nicht befreundete Länder aufrufen.

„Sie sind handverlesen“, sagt der Informatik-Professor Kim Heung Kwang, der sich vor zehn Jahren aus Nordkorea in den Süden absetzte. „Für sie ist es eine große Ehre.“ Einer von ihnen war Jang Se Yul, der seine Heimat im Norden vor sechs Jahren verließ. Die Hacker, die im Auftrag des Militär-Geheimdienstes tätig sind, seien hochbegabt und würden zum Teil schon im Alter von 17 Jahren rekrutiert, erzählt Jang.

Im „Büro 121″ seien insgesamt rund 1.800 Cyber-Krieger versammelt – sie stellten die Elite des Militärs dar und gehörten zu den besten Verdienern in dem verarmten Staat. „Sie sind reiche Leute.“ Manche seien in der Universität für Automation in der Hauptstadt Pjöngjang ausgebildet worden – auf einem Campus, der von der Außenwelt mit Stacheldraht streng abgeschottet ist.

Die Hacker-Armee ist Jang zufolge auch im Ausland im Einsatz. Getarnt als Mitarbeiter etwa von nordkoreanischen Handelsfirmen starteten sie von dort ihren virtuellen Kampf.

Ein Schlaglicht auf nordkoreanische Hacker-Aktivitäten hat jüngst eine Attacke auf das Sony-Filmstudio in Hollywood geworfen. Aus US-Sicherheitskreisen verlautete, Nordkorea sei einer der Verdächtigen hinter dem Angriff. Ein nordkoreanischer Diplomat wies dies umgehend zurück.

Auch der Technologie-Blog Re/code berichtete, Sony untersuche, ob nordkoreanische Hacker für den Angriff verantwortlich seien. Hintergrund sei die Verärgerung Nordkoreas über eine Komödie über fiktive CIA-Pläne zur Ermordung von Staatschef Kim Jong Un, die am 25. Dezember in die US-Kinos kommen soll. Nordkoreas Regierung bezeichnete den Film als Kriegsakt.

Das Computersystem des Filmstudios war Ende November Experten zufolge mit einem besonders aggressiven Virus infiziert worden – er kann Festplatten zerstören und ganze Netzwerke lahmlegen. Der Umfang des Angriffs ist noch unklar.

Dies ist nicht die einzige Attacke, die nordkoreanischen Hackern zugeschrieben wird. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 30.000 Computer in südkoreanischen Banken durch Schadsoftware lahmgelegt. Monate später geriet die Webseite der Regierung ins Visier von Hackern: Auf der Homepage des Präsidialamts war zu lesen: „Lang lebe General Kim Jong Un – Präsident der Wiedervereinigung.“

 

Kommentare

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  1. Volker K. sagt:

    Das Wichtigste dabei ist der Stacheldraht – ohne den geht es nicht!

  2. ReiHe44 sagt:

    Scheinbar kennt man in Nordkorea ebenfalls das Sprichwort : Wie du mir, so ich dir !

  3. Anonymous sagt:

    …und was machen wohl die anderen alle? Hhm?

  4. Bernhard sagt:

    Wie viele Mirarbeiter hat NSA und ihre zuarbeitenden Organisationen?