Verkehrs-Chaos in Mailand: Stadt belohnt Busfahren mit GPS-Überwachung

Autofahrer in Mailand lassen sich eine GPS-Black Box in ihr Fahrzeug installieren. Damit kann die Stadt überprüfen, wer sein Auto stehen lässt und den Verkehr entlastet. Die Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel gibt es dann umsonst. Mailand ist die Stadt mit dem größten Verkehrsaufkommen in Europa und Nordamerika.

Die Mailänder lieben das Autofahren. Nirgendwo in Europa oder Nordamerika ist die Verkehrsdichte so hoch wie in dem norditalienischen Industriezentrum. Doch nun hat sich die Stadt mit dem Versicherer Unipol und mit mehreren Unternehmen zusammengeschlossen, um dem Verkehrschaos mit einer innovativen Idee zu begegnen: Die Bürger sollen ihr Fahrzeug tagsüber stehen lassen. Wer das tut, bekommt das Geld für den Bus oder die Bahn geschenkt.

Ganz so einfach, wie es sich anhört, ist es nicht. Denn die Mailänder müssen sich für dieses neue Verkehrskonzept überwachen lassen. Ein Unternehmen bietet eine Blackbox für Autos an, die mit einem GPS-Sender ausgestattet ist. Nur so kann die Stadt letztlich kontrollieren, wer sein Fahrzeug wirklich zu Hause parkt. Um die Kosten für den Bus erstattet zu bekommen, darf das Auto mit der Blackbox von morgens um sieben Uhr bis abends um 19 Uhr nicht bewegt werden.

Damit will die Stadt nicht nur den Berufsverkehr entzerren. Mailand Luft ist so schmutzig wie sonst fast nirgendwo in Europa, berichtet die FT. Wer sein Auto stehen lässt, enthält eine SMS mit einem Guthaben von 1,50 Euro, das die Kosten für die öffentlichen Verkehrsbetriebe decken soll.

„Bis jetzt ging es bei Connected-Car-Technologien nur um Navigation, Infotainment und Versicherung“, sagt Jonathan Hewett, Marketing-Chef der Firma Octo Telematics, die die Blackbox herstellt. Erstmals sei jetzt auch die Verknüpfung der öffentlichen mit der privaten Sphäre möglich zum Vorteil aller. Die Blackbox wird zunächst nur in Fahrzeugen installiert, deren Halter Kunden des Versicherers Unipol sind.

Die Kampagne ist ein Beispiel dafür, wie Telematik-Systeme zur Überwachung der Bürger und zur Steuerung des Verkehrs eingesetzt werden können. Mit der Blackbox können Daten wie der Standpunkt des Fahrzeuges, aber auch die Geschwindigkeit, die Route, der Fahrstil, die Beschleunigung und das Bremsverhalten übermittelt werden. Diese Daten sind für Versicherungsunternehmen von großem Wert.

In Italien gibt es bereits 2,7 Millionen Fahrzeuge, die von den Versicherungen mit solchen Telematik-Systemen ausgestattet wurden.

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