Russland will wieder Gas und Strom in die Ukraine liefern

Die Ukraine und Russland scheinen sich im Streit um Gaslieferungen einander anzunähern. Ab Donnerstag soll Russland den Gashahn wieder aufdrehen. Auch Strom soll in die Ukraine geleitet werden. Verhandlungen zwischen Vertretern der Rebellen und der ukrainischen Armee könnten Dienstag stattfinden.

Zumindest bei der Energieversorgung verbessern sich die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine wieder. Nach sechsmonatiger Unterbrechung wolle Russland ab Donnerstag seine Erdgaslieferungen an den Nachbarn wiederaufnehmen, sagte ein Sprecher des ukrainischen Gastransport-Monopolisten Ukrtransgaz der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

Auch beim Strom soll Russland künftig aushelfen: Angesichts anhaltender Stromausfälle in der Ukraine gestattete die Regierung in Kiew dem staatlichen Energiekonzern Ukrinterenergo Importe aus dem Nachbarland. Russland schlug ebenfalls wieder versöhnliche Töne an. Man werde alles tun, damit eine neue Gesprächsrunde zur Beilegung des Konflikts diese Woche in Minsk zustande komme, erklärte die Führung in Moskau. Als Termin ist der Dienstag im Gespräch.

Die Ukraine ist bei der Erdgasversorgung stark von Russland abhängig. Im Streit über den Gaspreis und unbezahlte Schulden sind die Lieferungen jedoch seit sechs Monaten unterbrochen, so dass die ukrainischen Reserven seit Beginn der Heizsaison im Oktober deutlich geschrumpft sind. Der staatliche Energiekonzern Naftogaz erklärte vergangene Woche, er habe 378 Millionen Dollar an die russische Gazprom überwiesen und damit den Weg für neue Lieferungen freigemacht.

An Strom herrscht in der Ukraine dagegen unter normalen Umständen kein Mangel, das Land exportiert seine Überproduktion sogar. Zuletzt beklagte die Regierung in Kiew jedoch eine Versorgungslücke von mehr als zehn Prozent des Bedarfs. Verantwortlich dafür seien Engpässe bei der Belieferung der Kraftwerke mit Kohle, da die wichtigsten ukrainischen Zechen im Osten des Landes stehen. Die Region wird seit Monaten von prorussischen Separatisten beherrscht. Kohlekraftwerke liefern etwa 40 Prozent des Stroms in der Ukraine. Experten zufolge ist der Strom-Import für das Land teurer als die Einfuhr von Kohle.

Die russische Führung stellte sich unterdessen hinter ein neues Treffen der Kontaktgruppe in der Ukraine-Krise. Er gehe davon aus, dass die Gespräche zustande kämen, sagte der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow. Putins ukrainischer Kollege Petro Poroschenko hatte neue Gespräche zwischen seiner Regierung, Russland, Vertretern der prorussischen Rebellen in der Ostukraine und der OSZE angeregt. Als möglichen Termin nannte er Dienstag. Dann sollen die Konfliktparteien in der Ukraine einen „Tag der Ruhe“ einhalten. Eine im September in Minsk vereinbarte Waffenruhe ist brüchig.

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  1. Jürgen Kunz sagt:

    Ich muss schon sagen, das ist sehr großzügig von Russland!
    Denn es ist nicht lange her, da tönte die Putschistenregierung in Kiew, die sich nach dem Putsch nachträglich vom Volk hat bestätigen lassen, die Ukraine brauche kein russisches Erdgas mehr. Hier sollten wohl die USA ihr Fracking- Gas liefern, aber das war nichts als eine Vermutung. Allein der Transport nach Europa würde das Gas extrem teuer machen.
    Wenn Moskau wollte, könnte es die Ukraine wirtschaftlich schädigen, wenn kein Gas mehr geliefert würde. Bezahlen werden die Ukrainer sowieso, wenn überhaupt, erst in ein paar Jahren das jetzt gelieferte Gas.
    Russland hatte übrigens der Putschistenregierung mehr Kredite gegeben wie die EU und die USA zusammen!! Quelle: Rede von Präsident Putin vor zwei Wochen.