Blaupause E.ON: Weitere Energiekonzerne könnten zerbrechen

Die Aufspaltung des Energiekonzerns E.ON könnte erst der Anfang eines grundlegenden Strukturwandels bei den Energiekonzernen sein. Die Gewerkschaft IG BCE glaubt, dass bald andere Energieunternehmen ähnliche Schritte unternehmen werden. Die UN strebt indes in einem neuen Klimaabkommen die Abschaffung aller Unternehmen an, die Kohle und Gas zur Energiegewinnung nutzen.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energe (IG BCE) erwartet nach der Aufspaltung von E.ON ähnliche Schritte bei anderen Energieversorgern. Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis gehe davon aus, dass sich der Druck auf die anderen Konzerne durch die Ankündigung von E.ON erhöhe, sagte Vassiliadis am Montagabend in Hannover. Es sei allerdings nicht zu erwarten, dass die Konkurrenz dem Beispiel eins zu eins folge. Dies sei schon wegen der unterschiedlichen Unternehmensstrukturen nicht einfach möglich. Bei der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sind viele Beschäftigte aus Energieunternehmen organisiert.

Der Strukturwandel ist unbestritten und scheint kaum mehr aufzuhalten: Die UN streben ein neues Klimaabkommen an. Darin sollen bis zum Jahr 2050 alle Unternehmen, die Öl, Gas und Kohle zur Energiegewinnung nutzen, abgeschafft werden. Nur so könne die Erwärmung bei maximal zwei Grad und weniger gehalten werden. Alternativ könne auch versucht werden, die Nutzung fossiler Brennstoffe weiter zu ermöglichen, aber nur, wenn die einzelnen Länder eine Netto-Null-Emission bis 2050 vorweisen können. Dafür müsste sichergestellt werden, dass die durch die Energiegewinnung produzierten CO2-Emissionen nicht in die Atmosphäre gelangen oder durch andere Maßnahmen wieder aus der Atmosphäre gefiltert werden.

Der größte deutsche Energiekonzern E.ON will unter dem Druck der Energiewende das Geschäft mit der Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken sowie den Energiehandel 2016 mehrheitlich an die Aktionäre abgegeben und den Rest an die Börse bringen. Der verbleibende Konzern besteht dann noch aus der Erzeugung von Ökostrom sowie dem Betrieb der Strom- und Gasnetze und dem Vertriebsgeschäft.

Die Ankündigung hatte auch die Diskussion über die Kosten für die AKW-Abrisse neu entfacht. Bei der Opposition und auch Teilen der Koalition gibt es Sympathien dafür, die von den Konzernen gebildeten Rücklagen in einem Fonds oder einer Stiftung zu bündeln, um sie direkt staatlicher Aufsicht zu unterstellen. Dieses Modell befürwortet auch die IG BCE. „Der Stiftungsgedanke wäre eine Idee“, sagte Gewerkschaftschef Vassiliadis. Der Staat sei durch das Atomrecht ohnehin in der Verantwortung. Die Unternehmen sollten daraus nicht entlassen werden. Es sei jedoch fraglich, ob es sinnvoll sei, die Firmen, die wegen der Energiewende womöglich in wirtschaftliche Schieflage gerieten, mit dem Rückbau der Kernenergie allein zu lassen.

Insgesamt haben die vier deutschen AKW-Betreiber E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW Rückstellung von gut 36 Milliarden Euro gebildet. Sie sind durch die Energiewende und den Atomausstieg angeschlagen, so dass auch die Frage der Entsorgungskosten im Falle einer Pleite im Raum steht.

Kommentare

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  1. martin siebert sagt:

    Glücklicherweise hat nur auch der letzte verstanden, das die Atomkraft die grösste Fehlentscheidung war. EON badet nur aus was 1960 vom Volk fehlentschieden wurde. Dank erneuerbarer Energien und einer höchst professionellen und bald preiswerten Speichertechnologie, sind fossile Rohstoffe sehr bald „in Ruhe“ zulassen. Endlich.

  2. Jürgen Kunz sagt:

    Und weiter: Aus politischen Gründen (Russland und der Iran) sollen bestraft werden,
    produzieren Saudi Arabien und die USA hemmungslos Rohöl. Dieses, sowie Optionsscheinkontrakte, führten zum einem rund vierzigprozentigen Einbruch der Ölpreise.
    Damit wird der Ökostrom wirtschaftlich noch sinnloser.
    Damit wir uns richtig verstehen: Ökostrom ist an sich nicht finanziell sinnlos.
    Aber die Sonne scheint nachts nicht und der Wind geht manchmal auch nicht, dennoch muss der Strom immer vorhanden sein. Deshalb muss auf konventionellem Wege Strom erzeugt werden, ob der nun gebraucht wird oder nicht.
    Diese Doppelerzeugung ist es, die den Ökostrom finanziell sinnlos macht.

  3. Jürgen Kunz sagt:

    Nicht nur die Konzerne sind (von der Politik) angeschlagen!
    So haben sich die Aktenkurse von EON und RWE in den letzten Jahren halbiert,
    die Dividenden wurde stark reduziert.
    Und wer ist schuld? Die Politik deshalb, weil die Elektroerzeuger in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in die Atomkraft überhaupt nicht investieren wollten.
    Deshalb halfen die damaligen Politiker mit finanziellen Zuschüssen und moralischen Appellen (es war die Zeit des kalten Krieges) nach.
    Dann kam der Schwenk der unsäglichen Merkel nicht nur weg von der Atomkraft (die Ausstiegstermine wurden einseitig gekündigt) sondern weg von Öl, Gas und Kohle.
    Ausbaden mussten es die Bürger mit einem in 10 Jahren um 92 % gestiegenen Strompreis.

    • Volker K. sagt:

      Teilweise richtig!
      „Mit Heizöl und Erdgas sollen Energiekonzerne bis 2050 kein Geld mehr verdienen können“ Eine herzerfrischende Lüge!
      Die Energieversorger haben sich lange Zeit aus Profitgier bei der Wartung und Erneuerung der Infrastruktur zurückgehalten.
      Jetzt den Kuchen aufzuteilen , sich die Rosinen zu picken und den Rest wieder dem Steuerzahler aufs Auge zu drücken – ich hoffe, daß dies bald ein Ende hat. Die jetzige Regierung wird von
      privaten Interessen geleitet und dies nicht angehen. Bereiche öffentlichen Interesses (Bahn, Energie, Gesundheitswesen, Telekom) gehören zumindest nicht mit Mehrheit in private Hände, da es zwischen privaten Eignern und der Öffentlichkeit stets zu Interessenkonflikten kommt.
      Was die Abkehr von Öl, Gas und Kohle betrifft, so habe ich den Verdacht, hier arbeitet die Atlantikbrücke. Auch mit bewußt falschen politischen Weichenstellungen kann ich einen Wettbewerber schwächen. Die Physikerin wird 100% wissen, daß man nur mit Gas, Öl und Kohle die entsprechende Grundlast vorhalten kann.
      Wir brauchen schnellstens wieder einen „Gas-Schröder“!