Mittelstand bereitet sich auf Rückkehr der Schuldenkrise vor

Für das kommende Jahr erwartet der Mittelstand eine Rückkehr der Schuldenkrise im Euro-Raum. Der Fokus liegt auf Italien und Frankreich. In Deutschland ist die Geschäftslage für den Mittelstand derzeit gut. Doch Unternehmer fordern mehr Investitionen und lehnen eine Reform der Erbschaftssteuer ab.

In mittelständischen Industrieunternehmen schwindet die Zuversicht. Zwar beurteilten in der jüngsten Mittelstandsumfrage unter gut 1.400 Firmen mit 54 Prozent so viele wie seit drei Jahren nicht mehr ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, wie der Bundesverband der Deutschen Industrie am Mittwoch mitteilte. Die kommenden sechs Monate bewerten dagegen nur 37 Prozent der Unternehmen optimistisch. Wachsende Enttäuschung gibt es bei den Familienunternehmen laut BDI angesichts der Wirtschaftspolitik in Deutschland. Zudem fürchten immer mehr eine Wiederkehr der Schuldenkrise.

„Es gibt sehr stabile Geschäftsaussichten beim industriellen Mittelstand – aber mit einer nachlassenden Dynamik“, erklärte Peter Bartels von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC), die die Unternehmer befragte. Als größtes Risiko sehen Firmen demnach die Energie- und Rohstoffpreise, gefolgt von der Schuldenkrise. Dabei ist es vor allem die Entwicklung in Frankreich und Italien, die Sorgen bereitet. Beide Länder haben mit einer schleppenden Konjunktur zu kämpfen und werden von der EU zu mehr Haushaltsdisziplin ermahnt.

Der Bundesregierung warf der BDI eine „wenig investitionsfreundliche Wirtschaftspolitik“ vor, die Verunsicherung schüre. „Es kommen mehr Zweifel auf“, sagte der Chef des BDI-Mittelstandsausschusses, Arndt Kirchhoff. Notwendig seien höhere Investitionen. In der Umfrage beurteilten 37 Prozent die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die wesentlich von der Politik bestimmt werden, als gut oder sehr gut – das sind acht Punkte weniger als im Frühjahr. „Dass das Vertrauen weiter schwindet, belegt der Anteil von rund 21 Prozent an Unternehmen, die für die kommenden zwölf Monate mit schlechten bis sehr schlechten wirtschafspolitischen Rahmenbedingungen rechnen“, erklärte der BDI.

Viele Firmen sind zudem wegen eines Urteils des Verfassungsgerichtes zur Erbschaftsteuer verunsichert, das am Mittwoch in einer Woche verkündet werden soll. Dies löst besonders bei den kleineren Industrieunternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten Existenzängste aus. Die Koalition hat bereits Hilfe signalisiert, falls die Karlsruher Richter die bestehenden Regeln kassieren sollten.

Ungeachtet der konjunkturellen Unsicherheiten spüren die Mittelständler zunehmend den Druck durch die Verknappung des Arbeitskräfteangebotes. Fast 88 Prozent der Unternehmen melden aktuell Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Für rund 67 Prozent der Unternehmen ist dabei das Fehlen der erforderlichen Qualifikation Hauptgrund für die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. „Besonders bei der Rekrutierung von Fachkräften mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und bei der Besetzung von Ausbildungsstellen haben viele Mittelständler Mühe und reagieren darauf mit flexiblen Arbeitszeitmodellen oder individuellen Lösungen, um für Bewerber attraktiv zu sein“, sagte Peter Bartels, Vorstand Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC. Konsequent investieren sie daher auch in hohem Maße (64 Prozent) in die eigene betriebliche Ausbildung.

Dennoch sehen die Unternehmen die Politik zunehmend in der Pflicht: Neun von zehn Unternehmern (91 Prozent) fordern die Verbesserung der allgemeinen schulischen Ausbildung.

Je kleiner das Unternehmen, desto mehr Frauen gibt es in Führungspositionen. In kleinen Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten liegt der Anteil an weiblichen Führungskräften bei rund einem Viertel – und damit deutlich höher als in Großunternehmen, wo knapp zehn Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sind. „Bemerkenswert ist dabei, dass diejenigen Unternehmen, die Frauen auf der Chefetage beschäftigen, das Potenzial von Frauen als Führungskräfte auch erkennen und schätzen“, kommentiert Peter Bartels. Rund 49 Prozent der Unternehmen ohne weibliche Führungskräfte geben an, dass nach ihrer Meinung Frauen für Führungspositionen nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind.

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