Wirtschaftskriminalität kostet Unternehmen 80 Milliarden Euro pro Jahr

Diebstahl, Unterschlagung und Betrug kosten deutsche Unternehmen viel Geld pro Jahr. Am teuersten sind jedoch kartellrechtliche Verstöße. Sie können ein Unternehmen in den Ruin treiben. Häufig werden unternehmensinterne Vorfälle nur durch Zufall aufgedeckt.

Jedes dritte Unternehmen in Deutschland war in den letzten zwei Jahren Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen. Bei den großen Unternehmen war sogar jedes zweite betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter 400 – repräsentativ nach Branchen, Mitarbeiterzahl und Umsatz ausgewählten – Unternehmen in Deutschland. Häufigste Delikte waren Diebstahl und Unterschlagung (63 Prozent) sowie Betrug und Untreue (54 Prozent). Der Schaden, der durch wirtschaftskriminelle Handlungen entsteht, wird auf 80 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Die höchsten Schadenssummen entstehen durch Kartellrechtsdelikte: Fast drei Viertel (73 Prozent) der befragten Unternehmen beziffern ihren individuellen Schaden auf über 1 Million Euro. Jede zweite der von Kartellrechtsverstößen betroffenen Firmen gab an, dass mindestens 500.000 Euro allein auf Ermittlungskosten entfallen – mehr als bei jedem anderen wirtschaftskriminellen Delikt. Bußgelder, Geldstrafen und eventuelle Gewinnabschöpfungen kommen hinzu, so eine Studie, die TNS Emnid im Auftrag von KPMG durchgeführt hat. „Das kann im Einzelfall dazu führen, dass Kartellrechtsverstöße ein Unternehmen an seine existenziellen Grenzen bringen“, sagt Alexander Geschonneck, Partner bei KPMG.

87 Prozent der Befragten fürchten, Opfer von Datendiebstahl oder Datenmissbrauch zu werden. Fast zwei Drittel (64 Prozent) gehen davon aus, dass ihr Risiko, Opfer eines ‚Datendelikts‘ zu werden, in Zukunft noch steigen wird. Tatsächlich betroffen waren in den letzten beiden Jahren aber nur 30 Prozent. „Anders als beim Diebstahl materieller Güter verschwinden Daten ja nicht, sondern werden unzulässiger Weise kopiert und dann andernorts verwendet. Und das fällt – wenn überhaupt – meist erst sehr viel später auf“, so Geschonneck.

Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland stufen das eigene Risiko in Bezug auf wirtschaftskriminelle Handlungen als gering ein. Gleichzeitig sehen 82 Prozent ein hohes bzw. sehr hohes Risiko für andere Firmen. Und obwohl jedes dritte Unternehmen in den letzten beiden Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität war, glauben 85 Prozent, ihr Schutz sei gut oder sogar sehr gut.

Präventionsmaßnahmen werden, sofern noch keine konkrete Gefahrenlage besteht, vernachlässigt. Lediglich 11 Prozent der Firmen sind gewillt, 50.000 Euro oder mehr in Prävention zu stecken.

Bei der Betrachtung aller Fälle, in denen die Befragten einen Täter ermitteln konnten, waren interne Täter mit 55 Prozent in der Überzahl (2012: 48 Prozent). 45 Prozent der Delikte wurden von unternehmensexternen Personen verübt, in 16 Prozent der Fälle waren sowohl interne als auch externe Täter an einer wirtschaftskriminellen Handlung beteiligt.

Innerhalb der Gruppe der internen Täter ist der Prozentanteil von Mitarbeitern unterhalb der Topmanagement-Ebene auf 66 Prozent angestiegen. Die Anzahl der Täter aus dem Topmanagement ist hingegen deutlich (von 18 Prozent in 2012 auf 5 Prozent in 2014) gesunken.

In jedem zweiten Fall (50 Prozent) war der Vertrieb von wirtschaftskriminellen Handlungen betroffen (2012: 44 Prozent). Am zweithäufigsten (29 Prozent) wurde der Einkauf genannt. Hingegen war die Anfälligkeit der Bereiche Lager/Logistik und Produktion rückläufig.

Unternehmen können von eigenen Mitarbeitern oder durch Externe auf wirtschaftskriminelle Handlungen aufmerksam gemacht werden. Jede zweite Tat wird jedoch nur durch Zufall aufgedeckt.

 

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