Anlagenbauer Voith hofft auf Wachstum durch Industrie 4.0

Voith baut auf die Automatisierung der Industrie. Der Einstieg beim Roboterbauer Kuka war erst der Anfang. Weitere Zukäufe sollen folgen. Die schleppende Nachfrage nach neuen Anlagen zur Papierproduktion zwingt den Anlagenbauer jedoch zu Stellenabbau.

Der schwäbische Anlagenbauer Voith hält auch nach dem Einstieg beim Roboter-Spezialisten Kuka nach weiteren Zukäufen Ausschau, um sich für die zunehmende Automatisierung der Industrie (Industrie 4.0) zu rüsten. „Wenn sich die Gelegenheit bietet, werden wir in dem Bereich sicher weiter aktiv werden“, sagte Konzernchef Hubert Lienhard am Mittwoch in Stuttgart. „Wir glauben, dass dieses Gebiet stark wachsen wird.“ Die Automatisierungs- und Steuerungstechnik von Kuka soll verhindern, dass die Großanlagen von Voith von der Papiermaschine bis zur Wasserkraft-Turbine den technologischen Anschluss verpassen. Aus eigener Kraft hätte Voith den Sprung nicht schnell genug geschafft, räumte Lienhard ein. Das Familienunternehmen aus Heidenheim war kürzlich überraschend mit 25,1 Prozent bei Kuka eingestiegen.

Vor allem die schleppende Nachfrage nach neuen Anlagen zur Papierproduktion machte Voith im Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende September) einen Strich durch die Rechnung. Statt eines stabilen Umsatzes stand ein Rückgang um sieben Prozent auf 5,35 Milliarden Euro zu Buche. Und weil Voith Paper nur knapp in der Gewinnzone blieb, stieg das Betriebsergebnis nicht wie geplant, sondern brach auf 270 (2012/13: 350) Millionen Euro ein. Unter dem Strich blieben nur 41 (65) Millionen Euro. „Insgesamt sind wir mit dem Geschäftsjahr nicht zufrieden“, sagte Lienhard.

An der Produktion von Papiermaschinen halte Voith aber fest, weil ohne sie auch das damit verbundene Dienstleistungsgeschäft wegbräche. Die Sparte steht für ein Viertel des Konzernumsatzes. Grundsätzlich drohten ertragsschwachen Bereichen aber weiterhin ein Umbau oder sogar ein Verkauf. Den Industriedienstleister DIW mit 3.400 Vollzeitstellen hatte Voith Ende September an den Baukonzern Strabag verkauft. „Wir gehen davon aus, dass der Um- und Ausbau Zeit braucht“, sagte Lienhard.

Ohne einen Stellenabbau werde es in der Papiersparte nicht gehen. Über das Ausmaß werde derzeit verhandelt. Auch in der Verwaltung soll im Zuge des Programms „Voith 150+“ am Personal gespart werden. Bis zum 150-jährigen Firmenjubiläum 2017 sollen die Kosten insgesamt um 250 Millionen Euro gesenkt werden. Von DIW abgesehen, sank die Zahl der Mitarbeiter bereits 2013/14 um 700 auf 39.300.

Auch im neuen Geschäftsjahr rechnet Voith nicht mit einer durchgreifenden Erholung seines Geschäfts. Hoffnung macht dem Traditionskonzern zwar der Auftragseingang, der nach zwei Minus-Jahren um sieben Prozent auf 5,58 Milliarden Euro stieg. Das werde sich wegen der langen Vorlaufzeiten bei Großanlagen aber erst im übernächsten Geschäftsjahr im Umsatz niederschlagen. Für 2014/15 geht Voith von stagnierenden Umsätzen und Aufträgen aus. Das Sparprogramm soll zu einem leicht steigenden Betriebsgewinn führen.

An der Beteiligung am Kohlefaserspezialisten SGL will Voith trotz des Kurssturzes der Aktie festhalten. Die 9,1 Prozent würden zwar als reine Finanzbeteiligung eingestuft. „Wir glauben aber nach wie vor an die langfristige Erfolgsgeschichte von Karbon“, sagte Lienhard. SGL leidet im Kerngeschäft mit Grafitelektroden für die Stahlindustrie unter fallenden Preisen und scharfem Konkurrenzdruck, die SGL-Aktien haben seit Jahresbeginn rund 50 Prozent an Wert eingebüßt.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.