Baustoffkonzern Saint-Gobain will Schweizer Sika übernehmen

Die Schweizer Bauchemie-Firma Sika wird voraussichtlich von vom Schweizer Baukonzern Saint-Gobain übernommen. Das Sika-Management lehnt die Übernahme ab. Drei Verwaltungsratsmitglieder drohen mit Rücktritt. Die Aktie brach um 20 Prozent.

Der französische Baustoffkonzern Saint-Gobain greift bei der Schweizer Bauchemie-Firma Sika gegen den Willen des Managements nach der Kontrolle. Die Sika-Gründerfamilie Burkard verkauft ihr Aktienpaket für 2,75 Milliarden Franken (2,3 Milliarden Euro) an die Franzosen, die danach mit 52 Prozent der Stimmrechte das Sagen bei dem Unternehmen aus Baar im Kanton Zug haben. Die Publikumsaktionäre gehen bei der Transaktion leer aus. „Ich habe keine Verpflichtung, keine Notwendigkeit und nicht die Absicht, den übrigen Aktionären ein Angebot zu machen“, sagte Saint-Gobain-Chef Pierre-Andre de Chalendar am Montag in Zürich. „Die Sache ist gelaufen.“

Die Anleger machten aus ihrer Ablehnung keinen Hehl und liefen in Scharen davon. Die Sika-Aktien brachen an der Börse in Zürich bei hohen Umsätzen fast 20 Prozent ein. „Für die Publikumsaktionäre entsteht ein Großschaden“, sagte Gregor Greber, Präsident des Aktionärsberaters ZRating. Dass ein „Weißer Ritter“ dem übergangenen Sika-Management zu Hilfe eilen und ein höheres Angebot vorlegen könnte, wurde von Händlern als wenig wahrscheinlich beurteilt. Auch Saint-Gobain kam an der Börse unter die Räder: Die Titel fielen in Paris mehr als sechs Prozent.

Saint-Gobain sichert sich mit lediglich 16 Prozent des Kapitals eine Mehrheit von 52 Prozent der Stimmrechte. Möglich wird das dank der besonderen Kapitalstruktur der Konzerns: Eine Aktie im Besitz der Familie hat so viel Stimmrechte wie sechs Aktien der übrigen Aktionäre. Die zusätzlichen Stimmrechte der Familienaktien sind den Franzosen einen Aufschlag von 80 Prozent auf den Börsenkurs von Sika wert.

Die gemessen am Umsatz zehnmal größere Saint-Gobain verspricht sich von dem Zukauf vor allem in den USA einen Wachstumsschub und mehr Gewinn. Die Geschäftsportfolios der beiden Unternehmen ergänzten sich, sagte de Chalendar. Kartellrechtliche Probleme erwarte er nicht. Weil Behörden in zahlreichen Ländern involviert seien, dürfte die Transaktion aber erst in der zweiten Hälfte 2015 abgeschlossen werden.

Die Franzosen stellten zugleich ihren Geschäftsbereich für Glasgefäße, Verallia, zum Verkauf. Der Verkauf der Sika-Beteiligung ist bereits die zweite Milliarden-Transaktion zwischen Baustoff-Konzernen aus Frankreich und der Schweiz im laufenden Jahr: Im April hatten Lafarge und Holcim einen Schulterschluss zum weltgrößten Zementhersteller angekündigt.

Das Sika-Management lehnt den Kontrollwechsel ab. Die nicht an die Familie gebundenen Verwaltungsratsmitglieder und die Geschäftsleitung drohen mit Rücktritt, sollte die Transaktion vollzogen werden. Industrielle Logik und Synergiepotenzial fehlten, mit der neuen Aktionärsstruktur bestehe die Gefahr, dass die Drittaktionäre benachteiligt werden, sagte Präsident Paul Hälg auf einer eigenen Medienkonferenz. Anzeichen für einen Verkauf des Burkard-Pakets habe es nicht gegeben, sagte Hälg. Sika-Chef Jan Jenisch warnte, dass Sika als Teil der Saint-Gobain-Gruppe nicht mehr so stark wachsen könne wie bislang. „Wir erzielen Wachstumsraten, die in unserer Branche einmalig sind, und wir würden es gerne dabei belassen.“

Saint-Gobain-Chef de Chalendar zeigte sich vom Widerstand der Sika-Spitze überrascht. Gespräche mit dem Verwaltungsrat und der Geschäftsführung am Wochenende seien sehr gut und konstruktiv verlaufen, erklärte er.

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