Unternehmen bilden weniger Azubis aus

Die Zahl der Ausbildungsplatzverträge in Deutschland geht deutlich zurück. Denn es gibt weniger Schulabgänger und die meisten von ihnen strömen an die Unis. Firmen haben Schwierigkeiten, Jugendliche dauerhaft an ein Unternehmen zu binden.

Trotz der Sorge vor einem Fachkräftemangel wird in Deutschland so wenig ausgebildet wie noch nie seit der Wiedervereinigung. In diesem Jahr seien bis Ende September 522.200 Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, teilte das Bundesbildungsministerium am Freitag in Berlin mit. Das seien 1,4 Prozent weniger als im vorigen Jahr. Der Rückgang habe viele Ursachen, erklärte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Die Zahl der Schulabgänger sei rückläufig, und ein größerer Anteil von ihnen wolle studieren. Allerdings gehe auch die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zurück.

Auf der anderen Seite waren bei der Bundesagentur für Arbeit im September 2014 noch 37.100 unbesetzte Berufsausbildungsstellen gemeldet. Gleichzeitig gibt es neben den 20.900 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern noch 60.300 weitere ausbildungsreife Bewerber, die zwar ein Studium oder eine andere Bildungsmaßnahme begonnen haben, aber dennoch für das laufende Jahr in eine Ausbildung vermittelt werden wollen.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, dankte anlässlich der Bilanz den Ausbildungsbetrieben für ihr Engagement und rief die Wirtschaft dazu auf, weiter in die betriebliche Ausbildung zu investieren und die Innovationskraft der Betriebe zu sichern. „Angesichts der Lage auf dem Ausbildungsmarkt müssen wir jetzt gemeinsam handeln, damit die berufliche Bildung in Deutschland weiterhin ein Erfolgsmodell für Jugendliche und Betriebe bleibt und der Fachkräftebedarf der deutschen Wirtschaft auch in Zukunft gesichert ist.“

Der Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hat viele Ursachen. Er ist insbesondere auf den demografisch bedingten Rückgang der Zahl der Schulabsolventinnen und -absolventen, die höhere Studierneigung, aber auch die nachlassende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zurückzuführen. Wanka sagte dazu: „Wir müssen alles dafür tun, um Jugendlichen, die an einer Ausbildung interessiert sind, diese auch zu ermöglichen. Wir werden daher die erfolgreiche Initiative ‚Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss‘ und dabei insbesondere unser Berufsorientierungsprogramm weiter ausbauen.“

Außerdem wird es zunehmend schwieriger, Betriebe und Auszubildende zusammenzubringen. Regionen mit vielen unbesetzten Ausbildungsstellen stehen Regionen gegenüber, in denen es Jugendliche besonders schwer haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. Nicht nur regional, sondern auch zwischen den einzelnen Berufen gibt es Passungsprobleme. Ein Programm des Bundesbildungsministeriums (Jobstarter Plus) setzt einen Schwerpunkt darauf, dass KMU und Azubis besser zueinanderfinden.

 

 

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