Rubel-Verfall zehrt Gewinne deutscher Unternehmen in Russland auf

Der Verfall des Rubels führt dazu, dass die Erlöse deutscher Firmen in Russland die Hälfte ihres Wertes verloren haben. Zudem sind die Exporte nach Russland um 20 Prozent eingebrochen. Fabriken beschließen Kurzarbeit oder entlassen Mitarbeiter.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für dieses Jahr mit einem Rückgang der deutschen Exporte nach Russland um 20 Prozent. Deutsche Unternehmen litten unter der „dramatisch sinkenden Kaufkraft“ der Russen, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Mittwoch. Dazu trübten sich die Geschäftsaussichten in Russland im nächsten Jahr weiter ein. Investitionen gingen zurück.

„Deutsche Autofabriken sind bereits seit einigen Wochen auf Kurzarbeit geschaltet oder entlassen Mitarbeiter“, erklärte Treier. Die Sanktionen gegen Russland wirkten als Katalysator dieser Entwicklung, die sich allerdings bereits zuvor abgezeichnet hätte. Noch stiegen bei Konsum- und Gebrauchsgütern die Umsätze, weil russische Bürger ihr Geld noch ausgäben, bevor es weiter an Wert verliere. „Diese Entwicklung wird jedoch befristet sein, bis Ersparnisse aufgebraucht sind“, warnte er.

Zudem sänken die Erlöse deutscher Firmen in Russland, weil sie umgerechnet in Euro nur noch die Hälfte dessen wert seien, was sie vor Jahresfrist einbrachten. Mit Blick auf die wirtschaftliche Stabilität Russlands warnte der DIHK davor, dass das Land zunehmend seine Reserven verbrauche. Devisen würden nicht in dem Maße ins Land zurückfließen wie in der Vergangenheit. Auch zur Finanzierung des Haushalts sei wegen des Ölpreisrutsches ein Rückgriff auf die Reserven nötig.

In den Krisenstaaten Portugal, Irland, Griechenland und Spanien steigt die Nachfrage nach deutschen Produkten hingegen. Die Exporte in die einst als „PIGS“ geschmähten Länder legten in den ersten neun Monaten dieses Jahres zusammen um fast neun Prozent zu – zweieinhalb Mal so viel wie die Ausfuhren insgesamt. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlagen.

Portugal, Irland und Griechenland mussten in der Schuldenkrise auch mit deutschem Steuergeld gerettet werden, Spanien benötigte Hilfe für sein marodes Bankensystem.

Griechenlands Bruttoinlandsprodukt stieg im Sommerquartal mit 0,7. Irland wird im Gesamtjahr 2014 nach Prognose der EU-Kommission um 4,6 Prozent wachsen – fast sechs Mal so schnell wie die gesamte Währungsunion. Auch auf der iberischen Halbinsel geht es aufwärts, was sich auch an den deutschen Exporten ablesen lässt: Die Ausfuhren nach Spanien zogen von Januar bis September um 10,5 Prozent auf fast 26 Milliarden Euro an, die nach Portugal sogar um fast zwölf Prozent auf 5,3 Milliarden Euro.

Portugal etwa hat die Zahl der staatlichen Feiertage gesenkt, den Urlaubsanspruch von 25 auf 22 Tage gedrückt sowie die Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit von 100 auf 50 Prozent zurückgenommen. Portugals Exporte nach Deutschland zogen in den ersten neun Monaten um fünf Prozent an, die Spaniens um 6,5 Prozent.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. fan sagt:

    DWN: „Der Verfall des Rubels führt dazu, dass die Erlöse deutscher Firmen in Russland die Hälfte ihres Wertes verloren haben. Zudem sind die Exporte nach Russland um 20 Prozent eingebrochen. Fabriken beschließen Kurzarbeit oder entlassen Mitarbeiter.“

    Unternehmens-Verbände, bitte jetzt nicht jammern – Sie haben den Sanktionen-Krieg begrüßt und der Merkel gehuldigt. Für Sie zahlen dann die dummen Steuerzahler, und etliche Arbeitnehmer werden Sie dann ‚raus-schmeißen. So ist doch Ihre Moral..!