Gesetzliche Frauenquote ist in der Schweiz umstritten

Die Frauenquote in der Schweiz könnte bald 30 Prozent im Verwaltungsrat, sowie in der Geschäftsleitung betragen. Unternehmen müssen jährliche Berichte verfassen, wie sie die Quote erhöhen wollen.

Große Schweizer Firmen sollen sicherstellen, dass der Anteil der Frauen in der Geschäftsleitung nicht geringer ist als 30 Prozent. So sehe es zumindest aus, sollte der bestehende Gesetzentwurf umgesetzt werden. Damit ginge die Schweiz weiter als andere Länder in Europa. In den meisten Ländern, in denen eine Frauenquote verhandelt wird, geht es lediglich um den Verwaltungsrat.

In Norwegen gibt es seit 2003 eine Frauenquote von 40 Prozent im Verwaltungsrat. Frankreich, die Niederlande und Spanien folgten dem Beispiel. Auch Deutschland hat angekündigt, eine Frauenquote von 30 Prozent bis 2016 umzusetzen. Wenn in Deutschland keine Frau für den Job gefunden wird, bleibt die Stelle vakant. Das führt sogar dazu, dass deutsche Unternehmen weibliche Führungskräfte in der Schweiz suchen und abwerben wollen, berichtet 20 Minuten.

Der Schweizer Plan zur Umsetzung der Frauenquote betrifft alle wirtschaftlich wichtigen, an der Börse gelisteten Unternehmen, berichtet die FT. Den Konzernen bleibt fünf Jahre Zeit, um die Quote zu erfüllen.

Für Unternehmen, die die Quote nicht erfüllen, gibt es keine Sanktionen. Stattdessen muss ein jährlicher Bericht verfasst werden, in dem die Firma die Gründe für die Nichteinhaltung der Frauenquote darlegt. Zudem müssen die Maßnahmen aufgezählt werden, die unternommen wurden, um die Quote zu erfüllen. So soll sichergestellt werden, dass die Frauenquote nicht zu einem reinen Lippenbekenntnis verkommt.

„Es ist schade, dass wir überhaupt Quoten brauchen“, sagt Eleanor Tabi Haller-Jordan, die für einen Schweizer Think Tank arbeitet, aber freiwillige Maßnahmen hätten nicht die Resultate geliefert, die erzielt werden sollten. Vielmehr müsse man sicherstellen, „dass sich die Unternehmenskultur ändert“, wenn die Frauenquote Erfolg haben solle. Einzelne Manager sollten stärker dafür verantwortlich gemacht werden, dass ein gleichberechtigtes Arbeitsumfeld entsteht.

Der Gesetzentwurf muss noch im Parlament debattiert werden. Die CVP hat das Vorhaben bereits abgelehnt. Den Grünen geht das Gesetz nicht weit genug, sie fordern Sanktionen für Unternehmen, die die Quote nicht berücksichtigen.

Auch zahlreiche Frauen sind mit der geplanten Frauenquote unzufrieden. Mit Zynismus reagierte SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. Sie schlägt eine Blondinen-Quote vor, berichtet Blick.ch. Die Frauenquote dürfe nicht nur für grosse Unternehmen gelten.

Zudem besteht die Gefahr, dass sich Frauen durch die Quote diskriminiert fühlen, wenn sie einen Job erhalten, der ihnen nur aufgrund von gesetzlichen Regelungen zugesprochen wurde.

Je höher die Vielfalt im Management, desto besser fällt das Finanzergebnis aus. Eine Studie hebt insbesondere die Bedeutung von Frauen für die Bedeutung der Performance, des Eigenkapitals und sogar der Dividendenzahlungen hervor, so eine Studie der Credit Suisse. Doch bei Schweizer Unternehmen gibt es gerade mal sechs Prozent weibliche Chefs.

Dennoch lehnt der Schweizer Wirtschaftsverband Economiesuisse die starre Quote von 30 Prozent ab. „Die­ser starke Ein­griff in die Freiheit der Un­ternehmen ist verfehlt. Starre Quo­ten sind schlecht, für die Sa­che der Frau und für die Un­ternehmen.“ Die Wirt­schaft müsse die ge­eig­ne­ten Vor­aus­setzun­gen für Frau­en schaffen. Sie könne es sich gar nicht leis­ten, auf das Potenzi­al von hoch qualifizier­ten Frau­en zu verzich­ten. Ei­ne nach­haltige Förde­rung geschehe jedoch aus den Un­ternehmen heraus, und nicht durch ein staatli­ches Dik­tat.

In der Schweiz dürfen Frauen erst seit 1971 wählen gehen. In der Politik hat sich ihre Situation jedoch bis heute verbessert. Drei von sieben Bundesratsmitgliedern sind weiblich. Die Schweiz hatte schon fünf Bundespräsidentinnen.

In europäischen Unternehmen gibt es 17 Prozent Frauen im Verwaltungsrat. Die Schweiz liegt mit 14 Prozent leicht unter dem europäischen Schnitt. In Norwegen liegt die Frauenquote mit 39 Prozent am höchsten.

Kommentare

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  1. ariovist sagt:

    Na ja, die Moderation hat wieder einmal meinen Beitrag gelöscht! Ich habe es mir ohnedies schon gedacht, weil man nichts mehr gegen die political correctness – in diesem Fall gegen das „Goldene Kalb“ der heutigen Zeit schreiben darf. Gert Komossa, emeritierter Amtschef des militärischen Abschirmdienstes (MAD), hat Recht, wenn er in seinem Buch „Die deutsche Karte“ schreibt, dass sich die Siegermächte nicht nur die Souveränität der BRD sondern auch die Medienhoheit (!) bis 2099 vorbehalten haben. Da darf man auch gegen die heutige Frauenpolitik nichts mehr schreiben.

  2. Cuibono sagt:

    Frauenquote ist ein Gesetz gegen den Mann. Wenn eine Gruppe künstlich zu Lasten der Anderen gefördert wird, führt das zu Schieflagen.
    Sonst redet man auch über den freien Markt und bejubelt diesen, aber hier findet das krasse Gegenteil statt.

    Man sollte mit dieser “ Du arme Frau bist minderwertig“- Propaganda“ aufhören. Eine starke selbstbewußte Frau braucht keine solchen lächerlichen Gesetze.

  3. Robert sagt:

    In einem Land, das erst seit relativ kurzer Zeit ein Wahlrecht für Frauen kennt, regt man sich wahrhaftig darüber auf, dass nun eine „Frauenquote“ kommen soll, die noch nicht einmal irgendwelche Sanktionen vorsieht. Schweizer Frauen könnten „die Wirtschaft abwürgen“, habe ich gelesen. Interessant, was für ein Vertrauen Schweizer Männer in ihre Frauen und Töchter haben! Aber die Wirtschaft könne es sich doch gar nicht leis­ten, auf das Potenzi­al von hoch qualifizier­ten Frau­en zu verzich­ten, lese ich. Anscheinend doch! „In 60 Prozent der börsenkotierten Unternehmen sitzt heute keine einzige Frau im Verwaltungsrat“, sagte die SP-Justizministerin. Dort gibt es also sogar eine 100%-Quote, aber für Männer. Fühlen sich die Herren eigentlich durch diese Quote diskriminiert? Nachdem das Wahlrecht für Schweizerinnen bisher nicht zur Auflösung der Schweiz führte, sollte man in einer völlig sanktionslosen „Frauenquote“ nicht den Untergang der Wirtschaft sehen.