Textilproduzenten müssen sich stärker spezialisieren

Der Online-Handel in der Textilindustrie wächst rasant. Produzenten müssen sich spezialisieren oder sind dem großen Preisdruck aus Asien ausgesetzt. Händler müssen wiederum auf das Phänomen der „Fast Fashion“ eingehen.

Risiken, Finanzierungsmöglichkeiten und Aussichten variieren im Textileinzelhandel und der Textilproduktion stark. Der Textileinzelhandel kämpft beispielsweise seit Jahren neben einer starken Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen mit sehr geringen Gewinnmargen und einer zunehmend starken Konkurrenz durch den Onlinehandel, der bis 2017 um rund 50 Prozent zunehmen soll.

Zahlreiche Produzenten haben ihr Geschäftsmodell erfolgreich erneuert und sich auf Nischen spezialisiert. Andere Hersteller sind jedoch weiterhin der starken asiatischen Konkurrenz und dem damit verbundenen Preiskampf ausgesetzt.

„Der Online-Handel ist massiv im Kommen und dürfte nach unseren Einschätzungen bis 2017 um etwa 50% zunehmen“, sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. „Dies stellt künftig vor allem den stationären Handel vor große Herausforderungen und die Notwendigkeit, Einkaufserlebnisse und die Beratungsleistung zu verbessern – oder aber seine Vertriebsmodelle anzupassen und auf mehrere Absatzkanäle auszuweiten. Beides kostet jedoch Geld und ist bei den weiterhin geringen Margen mit zahlreichen Risiken verbunden. Ein weiteres Problem ist die starke Abhängigkeit von der Witterung: Der bisher relativ warme Start in die Wintersaison drückt beispielsweise auf die Umsätze und Gewinne der Einzelhändler.“

Zwar macht der Online-Handel heute erst etwa 9 Prozent des gesamten Einzelhandels in Deutschland aus, dieser Bereich wächst jedoch überdurchschnittlich. Zwischen 2008 und 2012 stiegen die Einnahmen im Einzelhandel um rund 26 Prozent an – im Online-Handel war das Wachstum im gleichen Zeitraum mit 55 Prozent mehr als doppelt so groß. Tendenz weiter steigend. Deshalb sind die Aussichten für dieses Segment im Gegensatz zum stationären Handel relativ gut.

Auch in der Textilproduktion zeigen sich zwei Aspekte. Ein Teil der Produzenten haben ihr Geschäftsmodell erfolgreich erneuert und sich auf den Bereich der technischen Textilien spezialisiert, die beispielsweise für Schutzanzüge, Zelte oder auch in der Automobilproduktion Anwendung finden. Die deutschen Textilhersteller gehören dabei zu den Innovationsführern und sind in diesem Segment Exportweltmeister. Allein zwischen 2009 und 2013 haben sich die Ausfuhren in diesem Segment verdreifacht und auch die Aussichten sind gut. Für 2015 rechnen die Euler Hermes Ökonomen mit Exporten im Wert von 7,1 Milliarden Euro.

Während sich die Hersteller technischer Textilien bereits strukturell auf die zunehmende Konkurrenz aus Asien reagiert haben, tun sich die Hersteller von anderen Textilien und Bekleidung schwer, mit den Niedriglohnländern zu konkurrieren. Die Produktion nahm in Deutschland in diesem Segment in der letzten Dekade rapide ab, während die Einfuhren, insbesondere aus China, in die Höhe schnellten. Allein zwischen 2005 und 2011 haben sich Textil- und Bekleidungsimporte aus China mehr als verdoppelt. Lediglich Hersteller, die sich in einem hochqualitativen Segment positionieren, haben hier eine Chance zu konkurrieren. Neben dem Preiskampf ist das schnelllebige Konsumverhalten die größte Herausforderung für die Hersteller.

Laut Branchenstatistiken kauft eine Frau durchschnittlich 30 Kilogramm Kleidung pro Jahr – knapp ein Drittel davon wird nie getragen“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes Deutschland. „Die Händler müssen sich deshalb noch stärker auf das Phänomen der ‚Fast Fashion‘ einstellen und regelmäßiger spannende Neuerungen anbieten, wenn sie Kundinnen in ihre Geschäfte locken wollen. Sonst wirkt sich dies sehr schnell auf die Einnahmen aus. Entsprechend groß ist auch der Druck auf die Bekleidungshersteller, die Zeit zwischen Design und Verkauf zu verkürzen und jedes Jahr nicht mehr nur zwei, sondern sechs bis 12 Kollektionen auf den Markt zu bringen. Das ist vier- bis sechs Mal so viel wie noch vor einigen Jahren und mit erheblichen Kosten sowie einem aufwändigen Supply Chain Management verbunden, die sich erst einmal rechnen müssen.“

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