Frankreich: Fast jede insolvente Firma kommt aus dem Mittelstand

In Frankreich sind 92 Prozent aller Firmen, die in die Insolvenz gehen müssen, aus dem Mittelstand. Besonders gefährdet sind sehr kleine Unternehmen. Die geringe Zahl an Neugründungen ist zudem ein Grund für die hohe Arbeitslosigkeit in Frankreich

In Frankreich gab es 62.800 insolvente Unternehmen in 2014, im kommenden Jahr werden es schätzungsweise 62.500. Die Lage ist trotz einer leichten Entspannung weiterhin fragil. 92 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen entfallen auf sehr kleine Firmen.

Der internationale Kreditversicherer Coface stellt für dieses Jahr bei den Insolvenzen in Frankreich einen Rückgang um 0,9 Prozent fest und erwartet das in etwa auch für 2015. Gestützt wird die leichte Besserung von der anhaltenden Konsumlaune der privaten Haushalte und Restrukturierungen in einigen Branchen.

Die geringe Zahl an Neugründungen ist ein weiterer Faktor, der die Insolvenzentwicklung in Frankreich beeinflusst. Denn erfahrungsgemäß ist das Risiko einer Insolvenz in den ersten drei Jahren am größten. Schließlich haben Strukturveränderungen in einigen Branchen, vornehmlich durch Konsolidierung, die Zahl anfälliger Unternehmen reduziert. Das gilt für die Automobilbranche und den Transportsektor. Ende Oktober 2014 lagen die Insolvenzen in der Baubranche um 0,8 Prozent unter denen des Vorjahres. Allerdings verdeckt diese Zahl die deutlich höheren Ausfälle, die mit den Insolvenzen einhergehen. Diese Summe stieg um 51 Prozent. Der Bau leidet darunter, dass die Hausbesitzer sich bei Instandhaltungen und Renovierungen zurückhalten. Zudem sind potenzielle Hausbauer übervorsichtig mit Investitionen.

In der Lebensmittelbranche stiegen die Insolvenzen um 2,7 Prozent. „Durch den zunehmenden Wettbewerb sehen sich die Händler gezwungen, die Preise zu senken und die Produzenten erleiden Gewinneinbußen“, erklärt Coface Economist Guillaume Baqué. Konträr verläuft die Entwicklung in der Chemiebranche. Sie profitiert von den fallenden Ölpreisen und ist die Branche, die den stärksten Rückgang an Insolvenzen verbucht: minus 9,2 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit hat in Frankreich ein Rekordhoch erreicht. Im November waren mit 3.488.300 mehr Menschen ohne Erwerbstätigkeit als jemals zuvor. Das Arbeitsministerium teilte am Mittwoch außerdem mit, dass die Zahl der Arbeitslosen damit um 5,8 Prozent höher lag als vor einem Jahr. Deutlich stärker war der Anstieg bei Personen über 50 Jahren. In dieser Altersgruppe gab es elf Prozent mehr Arbeitslose als vor Jahresfrist. Im November ist die Arbeitslosigkeit den offiziellen Daten zufolge den dritten Monat in Folge gestiegen, nach einem leichten Rückgang im August. Die Zahlen zeigen die anhaltende Konjunkturschwäche in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone.

Trotz steigender Arbeitslosigkeit blieb der private Konsum in den vergangenen Monaten stabil. Er stieg sogar im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent. Auch die Kreditvergabe an Unternehmen stieg im Jahresvergleich – Stand Ende Oktober – um 0,8 Prozent. Und das Exportvolumen von Waren und Dienstleistungen hat sich stabilisiert und legte im dritten Quartal um zwei Prozent zu.

 

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  1. Ofelas sagt:

    In Frankreich ist der Sekundaerer Bereich auf 13% des Bsp gefallen (D 26%), das Land blutet aus, jedes Jahr gehen 4-6% der bestehenden Kapazitaet verloren, dh in 5 Jahren sind sie bei einer einstelligen Zahl und somit deindustrialisiert

    Die Segnungen des Euro (unter anderem sicherlich)