Japan investiert in Finanzierung kleiner Unternehmen

Die Regierung Japans reagiert auf den Einbruch der Wirtschaft mit einem milliardenschweren Konjunkturpaket. Kleine Firmen sollen Finanzierungshilfen erhalten. Strukturschwache Regionen werden aufgebaut. Zudem startet Regierungschef Shinzo Abe eine große Privatisierungswelle.

Die japanische Regierung hat ein weiteres milliardenschweres Konjunkturpaket geschnürt. Sie beschloss am Samstag Ausgaben über umgerechnet knapp 24 Milliarden Euro (3,5 Billionen Yen), mit denen vor allem wirtschaftsschwache Regionen sowie Haushalte mit niedrigen Einkommen gestützt werden sollen. Diese sollen Waren- und Benzingutscheine erhalten. Ferner sind Finanzierungshilfen für kleine Firmen geplant sowie Wiederaufbauprojekte für Gegenden, die von dem verheerenden Erdbeben im März 2011 getroffen wurden. Zur Ankurbelung der Bautätigkeit soll eine staatliche Kreditagentur niedrige Hypothekenzinsen anbieten.

Ministerpräsident Shinzo Abe verfolgt eine nach ihm benannte Wirtschaftspolitik (Abenomics), die auf eine lockere Geldpolitik sowie gezielte Ausgaben- und Reformschritte setzt. Analysten zufolge verbessert Abe mit den neuen Maßnahmen die Erfolgschancen seines Regierungsbündnisses bei den landesweiten Kommunalwahlen im April. Erst kürzlich wurde er vom Parlament für eine weitere Amtszeit gewählt. Nach Darstellung der Regierung dürfte das Konjunkturpaket die Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent anschieben. Volkswirte sind dagegen skeptisch, ob der Effekt so stark sein wird. Neue Schulden sollen für das Vorhaben nicht gemacht werden.

Japans Notenbankchef ist Befürchtungen entgegengetreten, der Verfall des Ölpreises schade der japanischen Wirtschaft. Zwar drücke der niedrige Ölpreis derzeit die Inflation, doch langfristig werde er sich positiv auswirken, sagte Haruhiko Kuroda am Donnerstag. Wegen geringerer Ausgaben, sollten die Gewinne der Unternehmen steigen, erläuterte Kuroda. Dies wiederum ermögliche es den Firmen, die Löhne zu erhöhen. Die Wirtschaft Japans werde sich wieder erholen, zeigte sich der Notenbankchef zuversichtlich. Japan mache stetig Fortschritte, die Deflation hinter sich zu lassen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt steckte viele Jahre in einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen, die die Wirtschaft lähmte.

Zuletzt hatte sich die Rezession in Japan verschärft. Die Wirtschaft des Landes schrumpfte im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 1,9 Prozent. Vor allem der Rückgang der Investitionen der Firmen gilt als Alarmsignal. Auch die Bürger schränkten ihren Konsum ein. Die Preisteuerung fiel im Oktober auf 0,9 Prozent und liegt damit weit unter dem Ziel der Bank of Japan von zwei Prozent. Einige Analysten gehen daher davon aus, dass die Notenbank im Januar ihre Prognose für die Preise senken muss und ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Erst im Oktober hatte die Zentralbank noch mehr Geld in die Wirtschaft gepumpt, um sicherzustellen, dass das Land die Deflation dauerhaft abschütteln kann.

Japan nimmt nach jahrelangem Streit ein gewaltiges Privatisierungsprojekt in Angriff. Der staatliche Postkonzern kündigte am Freitag seinen Börsengang für die zweite Hälfte kommenden Jahres an. Außer der Post-Holdinggesellschaft (IPO-JAPP.T) sollen das Bankgeschäft und die Versicherungssparte an den Kapitalmarkt gebracht werden. Die beiden Bereiche sind in der Heimat jeweils die Nummer eins in ihren Branchen. Es könnte der größte Börsengang eines japanischen Staatsunternehmens seit zwei Jahrzehnten werden.

Post-Präsident Taizo Nishimuro wollte zwar noch kein Ausgabevolumen nennen. Aber die Regierung hat bereits deutlich gemacht, dass sie in einer ersten Runde von Aktienverkäufen umgerechnet rund 6,8 Milliarden Euro einnehmen will. Weitere Emissionen sollen folgen. Das Geld soll in Gegenden, die von dem großen Erdbeben und Tsunami 2011 getroffen wurden, in den Wiederaufbau investiert werden.

Die Privatisierung der Post wurde 2005 per Gesetz auf den Weg gebracht. Das Vorhaben ist allerdings parteiübergreifend heftig umstritten. Nicht an die Börse gehen soll das Brief- und Paketgeschäft mit mehr als 20.000 Filialen. Wegen der wachsenden Konkurrenz durch den Email-Verkehr musste die Hauptsparte in den vergangenen zehn Jahren deutliche Gewinneinbußen verkraften.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.