Litauen wird neues Mitglied der Euro-Zone

Am 1. Januar wird Litauen der Eurozone beitreten. Der Schuldenberg des Landes im Verhältnis zur Wirtschaftskraft liegt 2014 bis 2016 nach EU-Schätzungen stabil bei gut 41 Prozent. Deutschland ist für Litauen das zweitwichtigste Herkunftsland bei den Einfuhren. Doch wirtschaftlich wird Litauens Beitritt für die Euro-Zone kaum ins Gewicht fallen, weil das baltische Land zu klein ist.

Zum 1. Januar 2015 wird Litauen das 19. Mitglied in der Euro-Zone. Damit zahlt nach Estland und Lettland künftig auch der dritte und letzte baltische Staat mit der europäischen Gemeinschaftswährung. Im Folgenden ein Überblick:

Litauen ist das südlichste und größte baltische Land und zählt rund drei Millionen Einwohner. Davon sind rund 84 Prozent Litauer, sechs Prozent Polen und etwa fünf Prozent Russen. Als erste Republik hat sich „Lietuva“ 1990 von der Sowjetunion unabhängig erklärt und ist seit Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union.

In der Wirtschafts- und Finanzkrise ist das Bruttoinlandsprodukt 2009 um rund 15 Prozent eingebrochen. „Litauen hat sehr gelitten, dann aber harte Strukturreformen umgesetzt“, sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Das Land sei eine Art Musterschüler, weil es mit seinen Problemen sehr verantwortungsvoll umgegangen sei. Es kam zu Sparprogrammen, sinkenden Löhnen und Preisen. Seit 2011 holt die litauische Wirtschaft auf und wächst deutlich stärker als die gesamte Euro-Zone. Die EU-Kommission geht davon aus, dass Litauen 2014 um 2,7 Prozent wächst und im nächsten Jahr um 3,1 Prozent zulegt.

Litauen hatte bereits 2007 an der Tür zur Euro-Zone geklopft. Der Aufnahmeantrag war damals aber gescheitert, weil das Land noch nicht alle Bedingungen für einen Beitritt erfüllte. Nun gelang dies locker – so manches Euro-Mitglied dürfte neidisch werden. Der Schuldenberg im Verhältnis zur Wirtschaftskraft liegt 2014 bis 2016 nach EU-Schätzungen stabil bei gut 41 Prozent. Dies ist weit unter der erlaubten Obergrenze von 60 Prozent. Zum Vergleich: Die Schuldenstandsquote von Deutschland liegt der EU-Kommission zufolge Ende 2016 noch immer bei knapp 70 Prozent, die Quote von Italien bei rund 133 Prozent. Auch beim Haushaltsdefizit bleibt Litauen demnach deutlich unter der Drei-Prozent-Grenze, während Frankreich und Spanien sie in den nächsten zwei Jahren noch überschreiten.

Als rohstoffarmes Land lebt Litauen vor allem von der verarbeitenden Industrie und vom Dienstleistungssektor. Wichtige Wirtschaftszweige sind Nahrungsmittel, Getränke, Tabak und das Baugewerbe. Größter Handelspartner ist mit Abstand Russland. Knapp 30 Prozent der Importe und rund 20 Prozent der Exporte werden mit dem Nachbarn abgewickelt.

Deutschland ist für Litauen das zweitwichtigste Herkunftsland bei den Einfuhren. Die Produkte „made in Germany“ haben sich seit Anfang der 1990er Jahre fast verzwanzigfacht. Einen Rückschlag gab es im Rezessionsjahr 2009, als die Ausfuhren nach Litauen um gut 40 Prozent einbrachen. Inzwischen liegt das Geschäft etwa wieder auf dem Rekordniveau von 2007. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und Chemieprodukte. Im Gegenzug importiert Deutschland aus Litauen vor allem chemische Erzeugnisse, und Nahrungs- sowie Futtermittel. In der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner lag Litauen 2013 auf Platz 52 und damit vor Estland und Lettland.

Die Euro-Einführung dürfte für Wirtschaft und Investoren Kosten senken und die Planungssicherheit erhöhen. Zudem wird Litauen weiter von EU-Fördermitteln – etwa für den Ausbau der Infrastruktur – profitieren. Als wirtschaftliches und politisches Risiko gilt die große Abhängigkeit von Russland vor allem bei der Energieversorgung. Mit dem Bau eines Flüssiggashafens zusammen mit Estland und Lettland will Litauen sich aber etwas von den russischen Erdgasimporten lösen.

Wirtschaftlich wird Litauens Beitritt für die Euro-Zone kaum ins Gewicht fallen, weil das baltische Land so klein ist, wie DIW-Chef Fratzscher sagt. „Die Symbolwirkung ist deutlich größer und der Beitritt ein Vertrauensbeweis für den Euro.“ Dies zeige, dass die Gemeinschaftswährung trotz der Euroschuldenkrise „in vielen Ländern als Stabilitätsanker gilt“. Die politischen Folgen bekommt künftig auch die Bundesbank zu spüren. Erstmals wird man ab 2015 im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Ausübung des Stimmrechts rotieren. So wird Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nicht mehr bei jeder Sitzung stimmberechtigt sein, sondern muss sich alle paar Monate bei den Abstimmungen über die Leitzinsen oder neue Krisenmaßnahmen mit einer Zuschauerrolle begnügen.

Kommentare

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  1. Zerbi sagt:

    Noch ein weiterer Kostgänger, der die Euroländer weiter schwächt. Mit dem Beitritt von Litauen stellen die im Hintergrund bestimmenden Finanzmächte sicher, dass die Steuerzahler der Eurostaaten im Zweifelsfall für die Schulden Litauens bezahlen. Qui bono, damit wird dieser Beitritt klar!

  2. klarofix sagt:

    Russland gehört mindestens so viel zu Europa wie die Türkei.
    Und mit der Türkei verhandelt man bereits jahrelang…

  3. Friedel Stumpf sagt:

    Willkommen in der Weichwaerung Teuro .Jetzt macht mal den Litauern klar, dass sie fuer die PIGS-Staten ordentlich zahlen sollen.

  4. Wutbürger sagt:

    Willkommen im Club! Slowenien war auch mal der Musterschüler, heute sind sie gut wie pleite. Aber jetzt ist erst mal Party, denn ab jetzt gibt es billiges Geld von der EZB, und zwar so wie viel man will. Wenns dann noch nicht reicht haben wir ja immer noch das Target2 System. Uns wenns mal richtig schief läuft dann hilft hier bestimmt der ESM weiter. Aber bis es soweit ist ist der Euro längst Geschichte, unsere Freunde die Griechen werden es schon richten. Und ob Herr Weidmann nun im EZB Rat sitzt oder nicht ist sowas von egal, weil er dort eh nichts zu melden hat.
    Prost Neujahr!