Ifo-Chef Sinn legt Griechenland Euro-Austritt nahe

Ifo-Chef Sinn sieht in einem Euro-Austritt eine mögliche Alternative für Griechenland. „Weitere Schuldenschnitte werden immer wieder gewährt werden müssen, außer man entlässt das Land aus dem Euro und erlaubt ihm, durch eine Abwertung wieder wettbewerbsfähig zu werden“, so Sinn. CDU-Fraktionvize Fuchs hält einen Austritt Griechenlands ebenfalls für denkbar.

Der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn sieht in einem Euro-Austritt Griechenlands eine Alternative zu einem weiteren finanziellen Entgegenkommen der internationalen Geldgeber. „Weitere Schuldenschnitte werden immer wieder gewährt werden müssen, außer man entlässt das Land aus dem Euro und erlaubt ihm, durch eine Abwertung wieder wettbewerbsfähig zu werden“, sagte der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung dem Tagesspiegel. Sinn verwies darauf, dass Griechenland bereits 2012 Zugeständnisse bei der Laufzeit und den Zinsen seitens der internationalen Kreditgeber erhalten habe.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, hält für den Fall eines Wahlsiegs der griechischen Linkspartei Syriza einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone für denkbar. Die Situation sei eine völlig andere als vor drei Jahren, als man die Sicherungsmechanismen noch nicht gehabt habe, sagte Fuchs der Rheinischen Post. „Die Zeiten, in denen wir Griechenland retten mussten, sind vorbei. Es gibt kein Erpressungspotenzial mehr.“ Griechenland sei nicht systemrelevant für den Euro. Wenn Alexis Tsipras von der Syriza meine, er könne die Reformanstrengungen und Sparmaßnahmen Griechenlands zurückfahren, „dann wird die Troika aber auch die Kredite für Griechenland zurückfahren müssen“.

Nachdem der konservative Regierungschef Antonis Samaras seinen Präsidentschaftskandidaten im Parlament nicht durchbrachte, stehen den Griechen am 25. Januar Neuwahlen ins Haus. Zur stärksten Kraft könnte dabei das Linksbündnis Syriza werden, das die Vereinbarungen mit den internationalen Kreditgebern ändern will. Griechenland ist seit 2010 mit zwei Rettungsprogrammen in Höhe von insgesamt 240 Milliarden Euro von den EU-Staaten und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über Wasser gehalten worden.

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, kritisiert angesichts der baldigen Neuwahlen in Griechenland die Rettungspolitik der EZB. „Griechenland war seit 2010 faktisch mehrfach insolvent“, sagte Stark der Süddeutschen Zeitung. „Immer wieder wurde mit neuem Geld der Mitgliedstaaten und der EZB die Insolvenz verschleppt.“ Jetzt zeigten sich die nach wie vor ungelösten Probleme in aller Schärfe. Die EZB hat seit 2010 immer wieder griechischen Banken Kreditzugang gewährt. Zudem kaufte die Notenbank zum Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise auch griechische Staatsanleihen. Stark war 2011 aus Protest gegen die Rettungsmaßnahmen der EZB von seinem Amt zurückgetreten.

Kommentare

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  1. Testostheron sagt:

    Warum legt eigentlich Hr. Sinn Deutschland nicht den Austritt aus dem Euro/EU nahe ?

  2. sirik sagt:

    The value of a currency, Herr Sinn, doesn’t have influence on a economy.
    It is by sheer (historical) coincidence that the euro is an euro, a Mark is a Mark and a lire is a Lire. There is no scientific prove that only the Mark would fit the German economy.
    The change of the value of a currency, however, can destroy a society. Via inflation (=Falschgeld) the elderly are being robbed of their pensions, is just one example.

    I’m very doubtful if there would be a Grexit. The country has so much oil reserves that it could supply Europe for 50% of its consumption during 30 years.
    (Sorry for not responding in German)

    happy new year !