Drohender Fachkräftemangel wird zum „Albtraum für den Mittelstand“

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft hat den Fachkräftemangel als "Albtraum für den Mittelstand" bezeichnet. Über die Hälfte der kleinen und mittleren Firmen haben demnach bereits Probleme bei der Besetzung offener Stellen. In "Engpassberufen" gingen einer Studie zufolge in den nächsten 15 Jahren rund 2,1 Millionen Fachkräfte in den Ruhestand.

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, hatte zur Jahreswende den Fachkräftemangel als „Albtraum für den Mittelstand“ bezeichnet. Nach einer Unternehmer-Umfrage seines Verbandes haben inzwischen 52 Prozent der kleinen und mittleren Firmen Probleme bei der Besetzung offener Stellen.

Die deutsche Wirtschaft müsse zur Sicherung ihrer Schlagkraft einen Ausgleich für einen beispiellosen Aderlass an Fachkräften in den nächsten Jahren finden. In sogenannten „Engpassberufen“ gingen in den nächsten 15 Jahren rund 2,1 Millionen ältere Fachkräfte in den Ruhestand, warnte am Freitag in Berlin das Bundeswirtschaftsministerium. Es berief sich auf eine Studie des von ihm geförderten Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA).

Gabriel forderte mit Blick auf die KOFA-Untersuchung: „Die Studie verdeutlicht einmal mehr, dass wir die vorhandenen Fachkräftepotenziale besser ausschöpfen müssen.“ In ihrer Untersuchung hatten die Experten des Kompetenzzentrums 139 Berufe mit derzeit rund 6,7 Millionen Fachkräften identifiziert, in denen es schwierig ist, neue Fachkräfte zu rekrutieren. Etwa jeder Dritte dieser Beschäftigten ist 50 Jahre alt oder älter – steht also in absehbarer Zeit vor dem Renteneintritt. Ein Beispiel für solche „Engpassberufe“ seien Berufskraftfahrer. Hier müsse in den nächsten Jahren für etwa 230.000 Beschäftigte Ersatz gefunden werden. In der Krankenpflege ständen 175.000 Fachkräfte vor dem Ausscheiden.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, plädierte in der Welt angesichts dessen für zusätzliche Anreize, damit Menschen freiwillig bis 70 arbeiten können. Der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse (CDA) Karl-Josef Laumann sagte der WAZ: „Wir wollen noch in diesem Jahr dafür sorgen, dass der flexible Übergang rentensteigernd wirkt.“ Es müsse sich lohnen, länger zu arbeiten. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte, die Potenziale unter älteren Arbeitnehmern, Frauen, An- und Ungelernten sowie behinderten Menschen besser auszuschöpfen. Nach einer Umfrage der Leipziger Volkszeitung lehnen allerdings bundesweit 78 Prozent der Bürger die Rente mit 70 ab.

Weise plädierte grundsätzlich für mehr Flexibilität beim Eintritt in den Ruhestand. Mit der abschlagsfreie Rente mit 63 habe man damit in eine Richtung angefangen. „Man sollte nun auch Anreize dafür setzen, dass Arbeitnehmer, die fit sind, freiwillig bis 70 arbeiten können„, forderte er. Das Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Alexander Gunkel, kritisierte in der selben Zeitung die Möglichkeit zur Frühverrentung. „Die neuen Zahlen lassen darauf schließen, dass die abschlagsfreie Rente mit 63 noch häufiger in Anspruch genommen wird“, sagte er voraus. Bis November 2014 waren bereits 186.000 Anträge darauf bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt worden.

Kommentare

Dieser Artikel hat 24 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Delta120 sagt:

    Wo es nicht überall Engpässe geben soll? Wenn es welche gäbe, dann müssten die Löhne dort significant steigen aber das tun diese nicht. Mal ganz abgesehen davon wer will schon einen 70 Jährigen hinter dem Steuer eines 40to sehn?

  2. SELL sagt:

    Im Pflegebereich werden bereits Pflegeroboter und Haarwaschautomaten eingesetzt.
    Menschen- Wasch-Automaten werden bereits entwickelt…

    Und Hunde- Waschautomaten gibt es bereits seit Jahren: http://www.rp-online.de/leben/hobby/haustiere/japan-waschmaschine-fuer-hunde-und-katzen-bid-1.1973349

    Makaber, aber preiswert!

  3. SELL sagt:

    Berufskraftfahrer sind sterbende Specie!
    Selbstfahrende Kfz kommen in wenigen Jahren.
    http://www.gizmodo.de/2014/07/07/daimler-entwickelt-autonom-fahrenden-lkw.html