Daimler schockt Konkurrenz mit selbstfahrendem Wohnzimmer

Mit der Entwicklung eines autonomen Fahrzeugs übertrifft Daimler Googles Prototypen und fügt zahlreiche Innovationen hinzu. Der Innenraum wird zum Wohnzimmer. Die Fahrzeugbeleuchtung kommuniziert mit Fußgängern. Bewegungs-Sensoren ermöglichen Befehle durch Gesten und Augenbewegungen.

Daimler will ein autonom fahrendes Auto auf den Markt bringen, dass dem von Google in nichts nachsteht. Auf der Consumer Electronics Messe in Las Vegas stellt der deutsche Autobauer die neuen Funktionen des Konzept-Fahrzeugs F015 vor, die das Fahrerlebnis verändern sollen.

Das Auto der Zukunft ist ausgestattet mit zahlreichen Touchscreen und Sitzen, die sich drehen können. So soll ein „Kokon auf Rädern“ entstehen, in dem sich sowohl Fahrer als auch Beifahrer entspannen können. Der Innenraum des extra für die Messe gebauten F015 ist extra groß angelegt, so dass sich der Fahrer während der Fahrt dem Innenraum zuwenden kann (siehe Video am Ende des Artikels). Auf das Lenkrad will Mercedes jedoch nicht verzichten. Der Fahrer soll auch in Zukunft immer die Entscheidungsgewalt über das Fahrzeug behalten.

Mit der Entwicklung will Daimler nicht nur dem Premium-Aspekt seiner Marke eine neue Dimension verleihen. Das Konzept des Autos selbst werde sich von Grund auf ändern. Bislang ist es ein Vehikel, das Menschen von einem zum nächsten Ort transportiert – ein Tunnel, in dem Zeit verloren geht, die eigentlich auch genutzt werden könnte. Das Auto der Zukunft soll die Sphäre der eigenen vier Wände mit der Arbeits- und Freizeit-Sphäre verbinden

„Autos werden ihre Funktionalität erweitern, in dem sie ein dritter Raum zum Entspannen, Arbeiten und Spielen werden“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche der FT zufolge. Das autonome Fahrzeug ermögliche es dem Menschen, genau das zu tun, was er gerade tun möchte.

Der radikale Umbruch in der Autoindustrie wurde von Google ausgelöst. Dessen Prototyp des autonom fahrenden Fahrzeugs hat die deutschen Autobauer überrascht und unter Zugzwang gesetzt. Daimler ist seinen Konkurrenten einen entscheidenden Schritt voraus.

In jeder Tür und unter dem Armaturenbrett des F015 befinden sich Touchscreens, berichtet Heise. Das Fahrzeug soll durch eingebaute Sensoren auch über Gesten und Augenbewegungen auf Befehle reagieren können.

Neu ist auch die Beleuchtungs-Anlage des Prototypen: Weißes Fahrtlicht bedeutet, dass ein Mensch am Steuer sitzt. Blau hingegen deutet darauf, dass der Computer das Fahrzeug steuert. Wenn das Fahrzeug einen blauen Balken am Kühler zeigt, erkennt es einen Fußgänger. Ein am Straßenrand stehender Passant kann durch einen per Laser auf die Straße projizierten Zebrastreifen zum Überqueren der Straße animiert werden.

Der Antrieb des Fahrzeugs basiert auf der Hybrid-Technik. Eine Brennstoffzelle erzeugt den Strom an Bord in Kombination mit einer Hochvoltbatterie. Für jedes Hinterrad gibt es einen Motor mit 136 PS. In 6,7 Sekunden beschleunigt das Fahrzeug von 0 auf 100 Stundenkilometer. Die Reichweiter gibt Mercedes mit 1.100 Kilometer an.

Die Einführung des autonomen Fahrzeuges auf öffentlichen Straßen wird nur noch durch fehlende Regulierung und ethische Unsicherheiten aufgehalten. So muss ein Auto entscheiden können, wie es sich bei einem drohenden Unfall verhält. Daimler entwickelt Szenarios, in denen simuliert wird, wie sich das Fahrzeug verhält, wenn es vor die Wahl gestellt wird, in einen Menschen oder in einen Graben zu fahren.

Die neue S-Klasse liefert schon Zubehör für autonomes Fahren, dass bereits für den Straßenverkehr zugelassen ist. Im Stau kann das Fahrzeug dem vorigen Auto bei niedriger Geschwindigkeit folgen, ohne dass der Fahrer einschreiten muss. Der Computer übernimmt auch die Steuerung, sollte das Fahrzeug von der Fahrbahn abdriften. Daimler greift dabei auf Technologie zurück, die bereits in dem autonom fahrenden Truck verbaut wurde. Bei Testfahrten hätten Daimlers autonome Fahrzeuge noch keinen Strafzettel bekommen, so Zetsche.

Konkurrent BMW will bald ein automatisches Parksystem vorstellen, dass es dem Fahrzeug ermöglicht, einen freien Parkplatz in einem mehrstöckigen Parkhaus zu finden und automatisch einzuparken. Die Funktion kann von außerhalb des Fahrzeuges mit einer Smartwatch gestartet werden.

Auch Audi testet autonome Fahrzeuge auf den öffentlichen Straßen zwischen Kalifornien und Las Vegas. Dabei erreichen die Autos in Testfahrten eine Reichweite von 900 Kilometern, auf denen sie sogar andere Fahrzeuge ohne Hilfe überholen.

Volkswagen nimmt zum ersten Mal an der CES-Messe teil und stellt eigene Einparkhilfen vor. Das Smartphone wird zur Fernbedienung des Fahrzeuges. So kann der Fahrer schon aussteigen und sich vom Fahrzeug entfernen, ohne dass er es manuell einparken muss.

Die Technik ist bereits verfügbar – allein die Verkehrsregeln müssen noch angepasst werden.

Kommentare

Dieser Artikel hat 11 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Martin Graf sagt:

    Das Fahren in dieser Art Fahrzeugen würde den Verkehr um Zehnerpotenzen sicherer machen. Den Verkehrsstau wesentlich Vermindern. Ich finde dies eine tolle Innovation!
    Gratulation Daimler

  2. Rudolf Steinmetz sagt:

    Warum für sehr viel Geld am Halsband der NSA durch die Gegend kutschieren? Dann doch lieber ICE.

  3. Werner sagt:

    Einfach nur Lachhaft !

  4. Tim sagt:

    Ich fühle mich genötigt hier zu kommentieren, denn ich lese die pure Angst in den Zeilen einiger Kommentatoren hier.
    Auch in mir herrscht ein Gefühl zwischen Faszination und Unbehagen, aber es ist selbstverständlich die Furcht vor dem Unbekannten, die sich in mir breit macht.
    Es allerdings als „Sondermüll“ oder „Grauenvoll“ zu bezeichnen, ist für mich nichts anderes als rückwärts gewandtes Denken. Und vor eben jenen Menschen habe ich noch mehr Angst als vor neue Technologien.
    Alleine die Smartphone-Entwicklung der letzten wenigen Jahren, betrachtet aus der Vergangenheit, hätte oder hat die gleiche ablehnende Haltung hervorgebracht wie heute zu dieser Technologie. Und zu Recht wurden damals wie heute ihre Gegner ausgelacht.
    Wäre eine Öffnung zu Neuem nicht langsam angebracht oder wenigstens aus der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen?
    Mich macht es regelrecht wütend solche Kommentare der Qualität „Sondermüll“ bzw. „Grauenvoll“ zu lesen und nicht nur auf Seiten wie diesen.

    • Horst sagt:

      Ich möchte Ihnen absolut Recht geben.

      Man kann und darf doch den fortschritt nicht aufhalten.
      Das ist gut für uns alle, wenn Deutschland in der Weiterentwicklung mithält.

    • Infomercials sagt:

      Bleiben Sie cool und akzeptieren sie die Meinung anderer Kommentatoren. Ich akzeptiere Ihre Meinung ja auch.

  5. Infomercials sagt:

    Für wen ist dieser Sondermüll gedacht? Den Kommentaren kann ich zu 100% zustimmen.

  6. Toddi sagt:

    Wie bin ich glücklich, noch mehr Multimedia,… hoffentlich ist endlich eine Cappuccino Maschine an Bord. Der Schock wird die Konkurrenz in die Knie zwingen.
    Wo kann ich das Seifendesigne bestellen und wie hoch ist die Anzahlung.
    Ganz offen, wer brauch den Gimmick und Schnickschnack !
    Wenn die Kommerzvögel mal was bauen würden was die Menschheit weiter bringt (z.B.Autos mit weniger Verbrauch von Rohstoffen bei der Herstellung und Nutzung) , in Ordnung, aber ein Auto für 0.05 % der Weltbevölkerung die es eventuell bezahlen können…

  7. Hans sagt:

    Grauenvoll !!!!

  8. Premuim - Deppen sagt:

    Ob das die Pleite der PKW-Sparte von Mercedes verhindern kann, wage ich zu
    bezweifeln.

  9. kutscherkarl sagt:

    Diese Technologie hatte ich auf Frank Stronach Akademie postuliert, mit Kommunikation aller Verkehrsteilnehmer, wo jeder Teilnehmer zentral erfassbar samt seiner Parameter ist. Die Fahrzeugbeleuchtung dient dabei zur Kommunikation. Multiple Serielle Kommunikation. Ähnlich USB.