Ölpreis-Absturz entlastet Unternehmen bei Energiekosten

Der weiterhin fallende Ölpreis führt bei Unternehmen zu sinkenden Heiz- und Tankkosten. Das kann die Wirtschaft in 2015 um 20 Milliarden Dollar entlasten, so die DIHK. Der Preis für die Rohölsorte Brent sinkt das erste Mal seit 2009 auf unter 50 Dollar pro Barrel gesunken.

Der Rückgang des Ölpreises bringt der Wirtschaft nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Vorteile in Milliardenhöhe. Sollte der Preis auf dem aktuellen Niveau bleiben, würden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben einem Vorabbericht der „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) zufolge. „Der Ölpreiseinbruch kommt als Konjunkturpaket gerade recht“, erläuterte er. „Die Verbraucher profitieren an der Tankstelle und nicht zuletzt beim Heizen. Aber auch die Industrie spart ebenso wie Fluggesellschaften oder Spediteure.“

Der Preis für die weltweit wichtigste Ölsorte Brent ist erstmals seit Mai 2009 wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar gefallen. Ein Barrel (Fass zu 159 Liter) verbilligte sich am Mittwoch um 2,3 Prozent auf 49,95 Dollar und kostete damit nur noch etwa halb so viel wie im Sommer. Grund für den Preisverfall sind ein weltweites Überangebot bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage.

„Die Stimmung an den Rohölmärkten ist so schlecht wie seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr“, schrieb NordLB-Analyst Frederik Kunze in einem Kommentar. „Die Marke von 40 US-Dollar je Barrel Rohöl scheint für immer mehr Marktteilnehmer kein absolutes Extremszenario mehr zu sein.“ Vor allem die erwartete Abkühlung der Konjunktur in den Schwellenländern mache dem Ölpreis zu schaffen, fügte Kunze hinzu. Nobuyuki Nakahara, ehemaliges Vorstandsmitglied der Bank von Japan und ehemaliger Manager in der Ölindustrie, hält sogar einen Rückgang auf bis zu 20 Dollar je Barrel für möglich.

Hauptgrund für das aktuelle Überangebot ist der „Fracking“-Boom in den USA. Dort wird Rohöl mit Hilfe technisch aufwendiger Verfahren aus Schieferstein gelöst. Gleichzeitig setzt der Ölpreis-Verfall die Widersacher der USA wie Russland, Iran oder Venezuela unter Druck. Diese Staaten sind als wichtige Exporteure auf einen möglichst hohen Preis angewiesen, um ihre Haushalte zu finanzieren.

Innerhalb der Opec hat sich vor allem Saudi-Arabien – der weltgrößte Erdölproduzent – gegen eine Kürzung der Förderquoten ausgesprochen und gewährt stattdessen seinen Abnehmern Rabatte. Das Kalkül dahinter: Die Förderung soll für Konkurrenten wie die Fracking-Firmen in den USA unrentabel werden. Wenn diese dann aufgeben, verringert sich das Angebot und sorgt damit langfristig wieder für steigende Preise.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.