Aussicht auf EZB-Geldschwemme drückt Euro unter 1,18 US-Dollar

Der Euro fiel egenüber dem Dollar auf ein Neun-Jahres-Tief. Grund für die Flucht vieler Anleger aus dem Euro ist die Aussicht auf weitere Geldschwemme durch die EZB.

Der Euro hat seine Talfahrt am Donnerstag beschleunigt. Bis zum Mittag verlor die Gemeinschaftswährung weiter Boden und notierte mit 1,1763 Dollar so niedrig wie zuletzt am 9. Dezember 2005. Vermutlich wolle der Markt die psychologisch wichtige Marke von 1,17 Dollar testen, sagte ein Händler. Danach könnte die Währung rasch auf das Tief von 2005 von 1,1638 Dollar fallen. “Und dann wären Kurse von 1,15 oder 1,12 Dollar schnell möglich.”

Die Spanne von 1,17 bis 1,18 Dollar hat zudem symbolische Bedeutung: Bei der Einführung an den Finanzmärkten am 1. Januar 1999 war der Euro mit 1,1747 Dollar in den Handel gestartet, ehe er allerdings bald darauf unter einen Dollar rutschte.

Grund für die Flucht vieler Anleger aus dem Euro ist die Aussicht auf eine weitere Öffnung der Geldschleusen durch die EZB. Die Notenbanker könnten damit die drohende Deflation – eine ruinöse Spirale aus sinkenden Preisen und rückläufigen Investitionen – bekämpfen. Schon kurz nach dem Jahreswechsel hatte EZB-Chef Mario Draghi in einem Zeitungsinterview erklärt, dass die Vorbereitungen für einen Ankauf von Staatsanleihen liefen. Die erste Ratssitzung im neuen Jahr findet am 22. Januar statt. “Mario Draghis Aktionismus hat den Euro massiv auf Talfahrt geschickt”, schrieben die Analysten der Metzler Bank in ihrem Tageskommentar.

Laut Händlern hat zudem die Unsicherheit rund um die anstehende Wahl in Griechenland viele Anleger zum Ausstieg aus Euro-Positionen bewegt. Die Griechen wählen am 25. Januar ein neues Parlament. Umfragen zufolge könnten sie den Parteien einen Denkzettel verpassen, die den von der EU verordneten Reformkurs mittragen. Spekulationen über einen Austritt des Landes aus der Währungsunion hatten zuletzt wieder die Runde gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Mittwochabend in London, die Bundesregierung habe sich stets dafür eingesetzt, dass Griechenland den Euro behalten könne.

Derweil wurde der Dollar von der Aussicht auf eine Zinswende im laufenden Jahr unerstützt. Zum Yen kletterte der Greenback auf 119,96 von 119,25 Yen am Vorabend.

Kommentare

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  1. Wolfram sagt:

    Korrigierter Text:

    Die Erklärung, dass der Dollar steigt, weil die EZB demnächst eine noch lockerere Geldpolitik praktizieren wird, ist einen Scheinerklärung.

    Erstens ist die Geldpolitik in den USA sehr viel lockerer. Dennoch gewinnt der Dollar.

    Er gewinnt aktuell aber nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber Pfund Sterling und Yen an Stärke. Das kann man der EZB auch beim schlechtesten Willen nicht in die Schuhe schieben. Es ist vielmehr Folge der jeweiligen schwachen Wirtschaftsentwicklung im Vergleich zu den USA und damit verbundener Anlage-Entscheidungen der Akteure am Finanzmarkt.

    Vielleicht hilft ja ein Blick in die USA selbst für mehr Klarheit.

    Dort wurde 2014 der größte Zuwachs an neuen Jobs seit dem Ende der 90er Jahre verzeichnet (+2,95 Mio) , die Arbeitlosenquote sank so stark, wie seit 1984 nicht mehr – nämlich um 1,2 Prozentpunkte auf nunmehr 5,6 Prozent – und das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zuletzt gemeldeten Quartal auf Jahresrate bezogen um 5 Prozent. Die Prognosen zur Wirtschaftentwicklung wurden durch die Bank zuletzt nach oben korrigiert.

    In der Euro-Zone herrscht dagegen seit vier Jahren Stagnation in der Industrie, die Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung wurden zuletzt nach unten korrigiert und die Arbeitslosenquote liegt bei 11,5 Prozent (in einigen Staaten nach Umsetzung der Troika-Spar-Vorgaben bei rund 25% festgefahren).

    Die Politik hat darüber hinaus kein wirtschaftpolitisches Konzept um wieder auf den Wachstumspfad zu gelangen, sondern wartet ab.

    Wer soll da Grund für baldigen Aufschwung in EWU-Europa sehen und Dollar verkaufen bzw. Euro nachfragen?

  2. Wolfram sagt:

    Die Erklärung, dass der Dollar steigt, weil die EZB demnächst mehr eine noch lockerere Geldpolitik praktizieren wird, ist einen Scheinerklärung. Erstens ist die Geldpolitik in den USA sehr viel lockerer. Dennoch gewinnt der Dollar. Er gewinnt aktuell aber nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber Pfund Sterling ind Yen an Stärke. Das kann man der EZB auch beim schlechtesten Willen nicht in die Schuhe schieben, sondern ist Folge der jeweiligen schwachen Wirtschaftsentwicklung im Vergleich zu den USA und damit verbundener Entscheidungen der Akteure am Finanzmarkt.

    Vielleicht hilft ja ein Blick in die USA selbst für mehr Klarheit. Dort wurde 2014 der größte Zuwachs an neuen Jobs seit dem Ende der 90er Jahre verzeichnet (+2,95 Mio) , die Arbeitlosenquote sank so stark, wie seit 1984 nicht mehr, nämlich um 1,2 Prozentpunkte auf nunmehr 5,6 Prozent und das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zuletzt gemeldeten Quartal um auf Jahresrate bezogen 5 Prozent. Die Prognosen zur Wirtschaftentwicklung wurden zuletzt nach oben korrigiert.

    In der Euro-Zone herrscht dagegen seit vier Jahren Stagnation in der Industrie, die Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung wurden zuletzt nach unten korrigiert und die Arbeitslosenquote liegt bei 11,5 Prozent (in einigen Staaten nach Umsetzung der Troika-Vorgaben gar bei rund 25%). Die Politik hat darüber hinaus kein wirtschaftpolitisches Konzept um wieder auf den Wachstumspfad zu gelangen, sondern wartet ab oder kürzt Binnennachfrage. Wer soll da Grund für baldigen Aufschwung in EWU-Europa sehen undd Euro nachfragen?

  3. wolfgang sagt:

    Der zweite Grund ist der drohende Schuldenschnitt für Griechenland ….