Jeder zehnte Mittelständler ist nicht versichert

Österreichs Unternehmen verfügen über durchschnittlich 2,9 Versicherungen. Doch jeder zehnte Mittelständler ist gar nicht versichert. Bei den Ein-Personen-Unternehmen sind es gar 20 Prozent. Die größten Risiken sind einer Umfrage zufolge Berufsunfähigkeit, Feuer und Betriebsunterbrechung.

Jedes 10. Unternehmen in Österreich ist überhaupt nicht versichert. Signifikante Unterschiede zeigen sich hier zwischen Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und Klein- und Mittelbetrieben (KMU). 20 Prozent der EPU verfügen über keine Versicherungen, bei den KMU sind es fünf Prozent. KMU empfinden grundsätzlich Versicherungen signifikant häufiger als unverzichtbar als EPU. Die einzige Ausnahme stellt erwartungsgemäß der Schutz vor den Folgen einer Berufsunfähigkeit dar, hier zeigt sich das gegenteilige Bild. Gleicher Meinung sind Personen aus KMU und EPU, wenn es um Haftpflichtschäden geht.

Durchschnittlich haben Österreichs Unternehmen 2,9 Versicherungen. EPU sind mit durchschnittlich zwei Versicherungen weniger umfangreich geschützt als KMU mit 3,4 Versicherungen im Schnitt. Das ergaben 500 Interviews, die im Auftrag der Wiener Städtischen zum Thema „Betriebssicherheit“ mit Geschäftsführern, Managern und Verantwortlichen für Betriebssicherheit durchgeführt wurden.

„In einer stark vernetzten und globalisierten Wirtschaftswelt ist die unternehmerische Tätigkeit mit immer mehr Unsicherheiten verbunden“, erläutert Wiener Städtische Vertriebsvorstand Ralph Müller. „Unternehmen sind ständig Risiken ausgesetzt, die nicht nur den Geschäftserfolg reduzieren oder zunichte machen können, im schlimmsten Fall bedrohen sie sogar die Existenz.“

Das Risiko Berufsunfähigkeit stellt für 60 Prozent der Befragten eine Existenzbedrohung dar. Wenig überraschend: EPU empfinden Berufsunfähigkeit signifikant häufiger als Bedrohung als KMU – nämlich 83 zu 50 Prozent. 46 Prozent der Befragten schätzen das Risiko Feuer, 41 Prozent das Risiko einer Betriebsunterbrechung als existenzbedrohend ein.

Die am häufigsten abgeschlossene Versicherung in österreichischen Unternehmen ist jene gegen Haftpflichtschäden, 77 Prozent verfügen über eine solche. Zwei Drittel sind gegen Feuer versichert, weitere 57 Prozent gegen Einbruchdiebstahl, ein knappes Drittel gegen Betriebsunterbrechung.

Die wichtigsten Kriterien für die Auswahl einer Betriebsversicherung sind Produktqualität und Produktumfang, 50 Prozent vergeben hier den Rangplatz 1. Für 28 Prozent ist der Preis das Wichtigste, nur für gut ein Fünftel die Beratung.

Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe bietet keine betriebliche Altersvorsorge an, bei 15 Prozent ist sie in Planung. In 34 Prozent der befragten Unternehmen wird eine Form der betrieblichen Altersvorsorge angeboten. Die Gründe warum aktuell keine betriebliche Altersvorsorge angeboten wird: 48 Prozent fühlen sich nicht ausreichend informiert, 23 Prozent empfinden sie als zu teuer, 17 Prozent halten sie für überflüssig.

58 Prozent sind der Meinung, dass die Mitarbeiter des eigenen Unternehmens eine betriebliche Altersvorsorge einer Gehaltserhöhung vorziehen würden. Personen, in deren Unternehmen eine betriebliche Altersvorsorge bereits angeboten wird, sind deutlich häufiger dieser Meinung als Personen aus Unternehmen, in denen es dieses Angebot nicht gibt (70 Prozent versus 52 Prozent).

„Das staatliche Pensionssystem steht in der derzeitigen Ausgestaltung aufgrund der demografischen Entwicklungen vor großen Herausforderungen“, erläutert Müller. „Eine große Entlastung könnte die sogenannte 2. Säule, die betriebliche Pensionsvorsorge, bringen. Aber: Österreich liegt noch weit hinter dem EU-Schnitt. Großer Aufholbedarf ist gegeben, Aufklärung ist notwendig.“

Die bekannteste Form der betrieblichen Altersvorsorge ist die Pensionskasse, 78 Prozent kennen diese zumindest dem Namen nach. Mit einem Drittel deutlich dahinter liegt auf Platz 2 die Pensionszusage. Wenig überraschend: Befragte aus EPU kennen weit weniger Formen der betrieblichen Altersvorsorge, 23 Prozent sogar gar kein Altersvorsorge-Modell.

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