Schweizer Landwirtschaft muss wettbewerbsfähiger werden

Das Umfeld für die Landwirtschaft in der Schweiz wird sich stark wandeln. Die größten Herausforderungen bestehen in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Betriebe. Die Anzahl der Schweizer Betrieb hat im Jahr 2013 deutlich abgenommen. Viele Familienangehörige arbeiten unentlohnt auf den Höfen.

Die guten wirtschaftlichen Ergebnisse im Jahr 2013 sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft weiterhin vor grossen Herausforderungen stehe, sagte der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), Bernard Lehmann, bei der Präsentation des Agrarberichts 2013 in Bern. Das Umfeld der Landwirtschaft könne sich in den nächsten Jahren stark wandeln, was zweckmässige Antworten seitens der Land- und Ernährungswirtschaft erforderlich machen könne.

Der fünfzehnte Agrarbericht orientiert wieder umfassend über die ökonomische, soziale und ökologische Situation in der Landwirtschaft im Berichtsjahr 2013. Die Präsentation des neuen Berichts war für Bernard Lehmann Gelegenheit für eine Standortanalyse. Er stellte dabei fest, dass 2013 wirtschaftlich für die Bäuerinnen und Bauern ein erfolgreiches Jahr war. Auf das neue Direktzahlungssystem habe die Landwirtschaft gut reagiert. Viele Bauernbetriebe haben sich rasch auf die neuen Programme ausgerichtet.

Auch wenn die Agrarpolitik derzeit geprägt sei von der Umsetzung der Agrarpolitik 2014-2017, müsse man sich Gedanken machen, in welche Richtung die Landwirtschaft  in der Zukunft den Herausforderungen begegnen soll, sagte Lehmann. Herausforderungen sieht er insbesondere bei der Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext, bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie beim zu engen unternehmerischen Freiraum. Die Rolle der Agrarpolitik sei es, die Landwirtschaft auf dem Weg in die Zukunft zielführend zu unterstützen, betonte Lehmann.

Gemäss den Ergebnissen des Bundesamtes für Statistik (BFS) hat die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe im Jahr 2013 weiter abgenommen und belief sich auf 55.207 Einheiten (-2,4% im Vergleich zum Vorjahr). Die landwirtschaftliche Nutzfläche blieb hingegen stabil (-0,1%). Die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft nahm im Vergleich zum Jahr 2012 um 1,9 Prozent ab. Die tierische Produktion zeichnete sich durch eine Zunahme des Geflügelbestands, eine Stabilisierung des Rindviehbestands und einen Rückgang des Schweinebestands aus.

Die Bauernfamilie ist weiterhin das tragende Element der Schweizer Landwirtschaft. Über 80 Prozent der Beschäftigten auf dem Hof waren Familienangehörige, von denen ein Drittel für die geleisteten Arbeiten nicht entlohnt bekommt. Insgesamt 8 Prozent der Betriebe wurden von Frauen geleitet. Dies geht aus den ersten Resultaten der Zusatzerhebung der Landwirtschaftlichen Betriebszählung 2013 des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor, welche das BFS zum Internationalen Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe der UNO ausgewertet hat.

2013 waren 54.265 oder 98 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe der Schweiz „bäuerliche Familienbetriebe“ gemäss UNO-Definition. Diese Struktur hat in der Schweiz eine lange Tradition. Bei acht von zehn Betrieben stehen die Ehegattinnen/Gatten mit 67 Prozent, gefolgt von den Söhnen, den Vätern/Schwiegervätern, Müttern/Schwiegermüttern, Töchtern und anderen Verwandten auf dem Hof als Arbeitskraft zur Verfügung. Ohne familieneigene Arbeitskräfte arbeiteten 20 Prozent aller Landwirtinnen und Landwirte.

Gänzlich alleine, ohne Beschäftigte auf dem Hof, wirtschafteten 17 Prozent aller Bauern – darunter waren auch kleine Betriebe, welche keine Mitarbeiter benötigen und ihre Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben. Charakteristisch für den bäuerlichen Familienbetrieb waren zudem die hohen Wochenarbeitsstunden (61 Stunden für den/die Betriebsleiter/in). Auf dem Bauernhof sind die Wochenenden meistens auch Arbeitstage, da häufig Tiere zu versorgen sind.

Unabhängig von den starken Familienstrukturen in der Landwirtschaft beschäftigten im Jahr 2013 die Betriebe 24.358 familienfremde Angestellte (16% aller Beschäftigten auf dem Hof). Die Hälfte davon war saisonal angestellt, war also weniger als 12 Monate pro Jahr tätig.

Von den knapp 129‘578 Familienarbeitskräften erhielt rund ein Drittel (42‘200 Personen) keinen Lohn. Den grössten Anteil hatten die Frauen mit 22 Prozent aller Familienarbeitskräfte. Besonders traf es die 19‘067 Bäuerinnen, ihr Anteil beträgt 15 Prozent, gefolgt von Müttern/Schwiegermüttern (4%) und den Töchtern (3%). Bei den Männern ist der Anteil nicht entlöhnter Arbeit 11 Prozent. Hier waren die Söhne an erster Stelle (6%), gefolgt von den Vätern/Schwiegervätern (4%) und den Brüdern (1%).

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