Schweizer Wirtschaft wird Potenzial 2015 nicht entfalten

Dem Konjunkturbericht der Raiffeisenbank zufolge wird es im laufenden Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent geben. Dabei bremst die Entwicklung in Europa auch die Schweizer Wirtschaft. Die Maßnahmen der EZB und der Fed werden die Märkte beschäftigen.

Die Schweizer Wirtschaft wird im kommenden Jahr um 1.6 Prozent wachsen und so ihr Potenzial nicht vollends ausschöpfen. Der Hauptgrund liegt in der Wachstumsschwäche der Eurozone, die den globalen Wachstumsmotor etwas ins Stottern brachte. Während die USA der globalen Konjunktur einiges voraushaben, hinkt Europa dieser immer mehr hinterher. Die Schweiz fährt genau in der Mitte des weltweiten Konjunkturzuges.

Nach der Einschätzung von Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, wird die Weltwirtschaft 2015 ungefähr gleich viel zulegen wie 2014. Allerdings bleibt Europa auch 2015 das schwächste Glied der Weltwirtschaft, was die Schweiz zusehends in Mitleidenschaft zieht.

Auf Dauer kann sich auch die Schweiz nicht der europäischen Wachstumsschwäche entziehen. Zudem fehlen Impulse aus anderen Teilen der Welt, welche die schwache europäische Nachfrage kompensieren könnten. Mittlerweile hat die Schweizer Exportwirtschaft den Wechselkursschock zwar verdaut, dafür lasten nun Wachstumssorgen auf der Branche.

Im laufenden Jahr wird die Geldpolitik erneut im Fokus der Märkte stehen. Konkret werden der geldpolitische Richtungswechsel in den USA und Massnahmen der EZB die Märkte beschäftigen. Ob das die Märkte weiterhin befeuern wird, ist aber fraglich, da der Grenznutzen der Geldpolitik rapide abgenommen hat. „Dass die Ambulanz fünf Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers noch immer regelmässig vorfahren muss, ist kein Erfolgsnachweis für die Währungshüter“, so der Raiffeisen-Chefökonom. „Und dass auch die Schweiz in Punkto Geldmengenexpansion an vorderster Front mitspielt, ist eigentlich bedenklich. Der Kurs des Schweizer Frankens zum Euro ist aber offensichtlich nach wie vor ein politisches Tabu.“

Die Zinswende, die vor einem Jahr noch irreversibel schien, wurde nochmals verschoben. Vor allem die nicht vorhersehbaren geopolitischen Verwerfungen und der europäische Konjunkturschwächeanfall haben die Langfristrenditen wieder in Richtung historischer Tiefstände bewegt. Nachlassende Deflationssorgen dürften auch in Europa eine Bodenbildung bei den Langfristzinsen begünstigen. Für die Schweiz prognostizieren die Ökonomen der Genossenschaftsbank einen Anstieg der Rendite für 10-jährige Anleihen der Eidgenossenschaft auf knapp unter 1 Prozent (0.9 Prozent) in 12 Monaten. Am kurzen Ende erwartet Raiffeisen keinen Zinsschritt der SNB im 2015, obwohl ein solcher trotz Euroanbindung nicht zwingend ausgeschlossen werden kann. Damit dürfte das günstige monetäre Umfeld auch 2015 Bestand haben.

Die Prognose der Verwendungsseite des Bruttoinlandproduktes der Schweiz für 2015 weist keinen einzigen Ausreisser aus. Alle Zuwachsraten sind positiv. Die Exporte wachsen mit knapp über 2 Prozent zwar bescheiden, aber am stärksten. Der Bau legt mit einem Prozent real am wenigsten zu. Angesichts der überlasteten Kapazitäten ist das aber eine nicht ganz unwillkommene Entwicklung. Das sechste Jahr in Folge wird gemäss den Ökonomen von Raiffeisen Schweiz keine einzige BIP-Verwendungskomponente ein negatives Vorzeichen ausweisen. Der Aufschwung ist zwar wenig spektakulär, dafür aber breit und sehr gleichmässig verteilt, was die Raiffeisen-Ökonomen als klares Plus werten. Sie halten insbesondere fest, dass die Exporte seit 2010 stets zulegen konnten, was oft untergeht, wenn vom hohen Aussenwert des Schweizer Frankens die Rede ist.

Die Deflationssorgen in der Eurozone und in der Schweiz hält Neff für übertrieben. Der jüngste Rückgang sei faktisch allein dem Einbruch der Rohölnotierungen geschuldet und damit vorübergehender Natur. Für das ganze Jahr hochgerechnet erwartet Raiffeisen Schweiz 2015 eine ähnliche Entwicklung wie 2014, sprich Preisniveaustabilität und nicht Deflation. Ein Crash der Immobilienpreise sei ausgesprochen unwahrscheinlich. Schon jetzt würden die Konturen des Softlandings immer sichtbarer und dies sei nach wie vor das Hauptszenario von Raiffeisen. Die beste Nachricht lautet aber: Es herrscht hierzulande auch 2015 nahezu Vollbeschäftigung. Die Schweiz bleibt folglich die grüne Insel in Europa.

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