Deutsche Autobauer erzielen Rekord-Absatz

Die drei großen Premiumhersteller BMW, AUDI und Daimler konnten einen neuen Verkaufsrekord aufstellen. Auf der Automesse in Detroit feiern leistungsstarke, spritfressende Fahrzeuge eine Renaissance. Anhand der niedrigen Energiepreise denkt kaum jemand mehr daran, in alternative Antriebstechnik zu investieren.

Wie BMW und Mercedes hat auch Audi 2014 einen weiteren Rekordabsatz eingefahren. 1,741 Millionen Autos verkaufte die Ingolstädter VW-Tochter nach Angaben von Freitag im vergangenen Jahr weltweit – 10,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gefragt waren vor allem Geländewagen und die Modelle des A3. Damit blieb die Rangfolge in der Premiumliga wie gehabt: Platz 1 für BMW mit 1,81 Millionen Autos der Kernmarke, dahinter Audi und auf Platz 3 Mercedes-Benz mit 1,65 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen.

Wie die Ingolstädter weiter mitteilten, legte der Absatz in allen Weltregionen zu, in 50 Ländern wurden neue Spitzenwerte erzielt. Mit Abstand größter Einzelmarkt war für Audi erneut China. Dort wurden 578.932 Wagen mit den vier Ringen verkauft (plus 17,7 Prozent), das ist deutlich mehr, als die Konkurrenz aufweisen kann. Dagegen liegt Audi in den USA mit 182.011 Fahrzeugen (plus 15,2 Prozent) weit hinter den Rivalen.

Daimler hat 12,9 Prozent mehr Fahrzeuge als im Jahr zuvor verkauft, wie der Stuttgarter Oberklasse-Hersteller am Freitag berichtete. Vor allem kompakte Modelle, die C-Klasse und die luxuriöse S-Klasse seien gefragt gewesen. Das Geschäft lief in allen Kernmärkten besser. Größter Absatzmarkt waren erneut die USA mit 330.391 verkauften Autos (plus 5,7 Prozent). Dahinter folgte erstmals China (281.588 Autos, plus 29,1 Prozent); die Volksrepublik verdrängte Deutschland auf den dritten Platz.

Der Kleinwagen Smart verkaufte sich indes 2014 schlechter. Der Absatz brach den Angaben zufolge um 10,9 Prozent auf 89.844 Fahrzeuge ein. Neue Modelle sollen hier 2015 für „eine deutliche Steigerung der Verkaufszahlen“ sorgen, hieß es. Die Marke Mercedes-Benz will den Absatz in diesem Jahr vor allem mit neuen Geländewagenmodellen anschieben. Bei der Messe CES in Las Vegas stellte Daimler zudem eine Weltpremiere vor: Das Wohnzimmer auf Rädern.

Der bayerische Autokonzern BMW verzeichnet für das vergangene Jahr den vierten Absatzrekord in Folge. „Wir haben 2014 unser Ziel von mehr als zwei Millionen verkauften Fahrzeugen erreicht und damit eine neue Bestmarke beim Absatz erzielt. Die BMW Group konnte dabei über das gesamte Jahr und in allen wichtigen Vertriebsregionen zulegen“, sagte Vertriebschef Ian Robertson.Vor allem die Hauptmarke BMW war bei den Kunden im vergangenen Jahr beliebt. Der Absatz der Modelle mit dem weiß-blauen Emblem auf der Front kletterte um 9,5 Prozent. Mini verbuchte indes einen leichten Rückgang auf gut 302.000 Stück. Die Motorradsparte verzeichnete mit 120.000 ausgelieferten Maschinen einen Zuwachs von sieben Prozent und ebenfalls einen neuen Spitzenwert.

Der Anteil der Elektrofahrzeuge an den Verkaufszahlen blieb überschaubar. Insgesamt habe BMW 17.800 Kunden vom elektrischen Antrieb überzeugen können. Der designierte Konzernchef Harald Krüger kündigte dennoch an, die Produktion des elektrischen i8 hochzufahren und äußerte sich zufrieden: „Der Erfolg der BMW i Modelle spricht für sich.“ Die Bundesregierung will die Infrastruktur für E-Autos ausbauen. Insgesamt stellten sich wie in den Vorjahren Asien und der Mittlere Osten als einträglichste Regionen heraus.

Auf der US-Autoschau in Detroit haben Elektroautos im Schatten von leistungsstarken Geländewagen. Bei den billigen Benzinpreisen denkt derzeit kaum noch jemand ans Umsteigen auf alternative Antriebe.

„Detroit feiert die Rückkehr der Dinosaurier – Jurassic Park reloaded“, meint Helmut Becker. Der frühere Chefvolkswirt von BMW warnt, die Hersteller drohten aufs falsche Pferd zu setzen, sollten sie sich darauf verlassen, dass die Benzinpreise dauerhaft niedrig bleiben. „Die entscheidende Frage ist, wie lange der Fracking-Boom anhält„, mahnt Becker, der das Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München leitet. Denn sollte der Ölpreis längere Zeit unter 50 Dollar je Fass notieren, könnte dies das Aus für viele Förderfirmen bedeuten, die Öl mit aufwändigen Verfahren aus Schiefergestein gewinnen. Die Spritpreise dürften dann wieder klettern.

Diese theoretische Aussicht wird die Freude der Automanager über zuletzt kräftig gestiegenen Absatzzahlen vor allem bei den großen und benzinschluckenden Wagen kaum trüben. „Es gibt eine Reihe von Gründen, die auf den Ständen der Detroit Motorshow für lachende Gesichter sorgen werden“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Der Leiter des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen rechnet in diesem Jahr mit einem Plus der Verkaufszahlen auf 17,1 (Vorjahr 16,5) Millionen Fahrzeuge – so hoch war die Pkw-Nachfrage in den USA zuletzt vor fast fünfzehn Jahren. Für 2016 prognostiziert Dudenhöffer sogar 17,45 Millionen – damit würden so viele Autos zwischen Maine,

Auch in den Folgejahren soll der Absatz klettern. Die Krise, in der die Opel-Mutter General Motors und die inzwischen zu Fiat gehörende Marke Chrysler vor einigen Jahren vom US-Staat vor dem Ruin gerettet werden mussten, ist abgehakt. Und während das Wachstum in China, dem weltgrößten Automarkt, sein Niveau der Vergangenheit nicht halten kann, übernehmen die USA dank niedriger Zinsen und billigen Öls wieder die Rolle einer Lokomotive für die Automobilindustrie.

„Der Optimismus in den USA war schon lange nicht mehr so groß wie Anfang 2015″, fasst Dudenhöffer zusammen. Von dieser Welle wollen sich auch die deutschen Hersteller tragen lassen und setzen dabei auf den Trend zu großen SUVs, Pritschenwagen und sportlichen Fahrzeugen. Audi stellt den neuen Q7 in Detroit vor, BMW seine neue 6er Serie und Mercedes-Benz den wuchtigen GLE Coupe. Auch VW setzt auf die SUV-Karte und will so endlich aus der Nischenrolle in Nordamerika herauskommen. In Detroit soll die Studie eines speziell für den US-Markt entwickelten sportlichen Geländewagens präsentiert werden. Bei vorangegangenen Messen war bereits der größere Siebensitzer Cross-Blue gezeigt worden, der Ende 2016 im VW-Werk in Chattanooga vom Band rollen soll.

Mit der SUV-Offensive wollen die Wolfsburger beim Aufstieg zum weltgrößten Autobauer ihre Verkaufsschwäche in den USA überwinden. Der Konzern könnte auf der American International Auto Show (12. bis 25. Januar) sogar zum Matchwinner im Rennen mit Weltmarktführer Toyota werden. Branchenexperten erwarten, dass VW-Lenker Martin Winterkorn über 10 Millionen verkaufte Autos aus seinem Hause und damit einen neuen Rekord berichten wird. Er läge damit vier Jahre vor seinem eigenen Plan und vermutlich mindestens gleichauf mit den Japanern. Die Show gestohlen hätte Winterkorn ihnen und den wieder vor Kraft und PS strotzenden Amerikanern in Detroit dann auf jeden Fall.

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