Export, Produktion und Industrieaufträge brechen ein

Die deutschen Ausfuhren sinken im Vergleich zum Vormonat um 2,1 Prozent. Die Produktion der Unternehmen stagniert. Die Aufträge der Industrie sind aufgrund der Russland-Krise und der damit verbundenen Sanktionen rückläufig.

Exporte und Produktion der deutsche Wirtschaft schrumpften jeweils, nachdem zuvor schon die Industrieaufträge unerwartet deutlich gesunken waren. Die Ausfuhren fielen um 2,1 Prozent schwächer aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das war bereits der zweite Rückgang in Folge. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 0,15 Prozent gerechnet. Während die Nachfrage nach Waren „made in Germany“ aus der Euro-Zone und den anderen EU-Staaten wie Großbritannien und Polen zulegte, nahm sie im Rest der Welt ab.

„Die Exportdynamik ist schwach“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. „Für das neue Jahr sieht es aber besser aus.“ Ein Grund dafür sei der Ölpreis, der sich binnen nur eines halben Jahres halbiert hat. „Das ist ein Konjunkturpaket für die Weltwirtschaft – gerade für die rohstoffärmeren Schwellenländer Asiens wie China, Indien und Thailand“, so Treier. „Das stärkt die Kaufkraft der Mittelschicht und stützt die Nachfrage nach deutschen Produkten.“ Die Abwertung des Euro mache diese zudem preislich attraktiver.

Die Unternehmen drosselten zudem ihre Produktion. Industrie, Baubranche und Energieversorger stellten zusammen 0,1 Prozent weniger her als im Oktober. Hier hatten Ökonomen mit einem kleinen Plus gerechnet. Während die Bau- und wegen des milden Wetters vor allem die Energieproduktion schrumpften, fuhr die Industrie ihre Erzeugung den dritten Monat in Folge nach oben – wenn auch nur um 0,3 Prozent. „Die Industrie dürfte wieder auf einen moderaten Aufwärtstrend eingeschwenkt sein“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Allerdings steht der Aufschwung auf wackligen Beinen: Die Industrieaufträge waren im November um 2,4 Prozent zurückgegangen – dreieinhalb mal so kräftig wie erwartet.

„Die geopolitische Lage lässt derzeit nicht mehr zu – vor allem der Russland-Konflikt und die damit einhergehende Verunsicherung in der Wirtschaft“, sagte Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

Die Aufträge der deutschen Industrie schrumpften im November nach zuvor zwei kräftigen Anstiegen in Folge. Die Bestellungen sanken wegen der schwachen Nachfrage aus dem Inland um 2,4 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 0,7 Prozent gerechnet.

Wachstumsstütze ist vor allem der private Konsum. Er wird derzeit nicht nur von der Rekordbeschäftigung und steigenden Löhnen angekurbelt, sondern auch von den stark gesunkenen Energiepreisen. Die Importe legten im November im Gegensatz zu den Exporten zu. „Der Anstieg spricht für einen anziehenden Konsum“, sagte Analyst Rainer Sartoris von der Privatbank HSBC Trinkaus.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.