Netze überlastet: Sturmtiefs kosten Steuerzahler 12 Millionen Euro

Die Sturmtiefs der vergangenen Tage bescheren Deutschland einen Windstrom-Rekord. Noch nie wurde so viel Strom durch Wind produziert. Doch die Netze waren überlastet. Das kostet den Steuerzahler rund 12 Millionen Euro. Energiekonzern RWE konnte mit seinen Windparks im laufenden Jahr Schulden abbauen.

Die Sturmtiefs am Wochenende haben für einen neuen Windstrom-Rekord in Deutschland gesorgt. Am Freitag habe es eine Spitzenleistung von 30.700 Megawatt gegeben, sagte der Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet, Urban Keussen, am Montag in Berlin. Rechnerisch entspricht dies der Leistung von über 20 Atomkraftwerken. So viel sei noch niemals in Deutschland produziert worden.

Da diese Leistung die Netze überfordert habe, hätten rund 4.800 Megawatt bei konventionellen Kraftwerken zwangsweise abgeregelt werden müssen. Dies habe allein im Tennet-Gebiet Kosten von sechs Millionen Euro verursacht, die über die Netzumlage von allen Verbrauchern gezahlt werden müssen.

Während Tennet-Leitungen vor allem den Windstrom aus dem Nordseeraum abtransportieren, ist Konkurrent 50hertz für Ostdeutschland und den Ostseeraum zuständig. Hier hätten sogar zeitweise über 6.700 Megawatt Kraftwerks-Leistung zur Netz-Stabilisierung abgeschaltet werden müssen, sagte ein Sprecher. Da dies allein nicht gereicht habe, seien auch Windräder mit einer Leistung von 800 Megawatt vom Netz genommen worden. Die Kosten würden sich für das 50hertz-Gebiet auf 6,5 bis 7,5 Millionen Euro belaufen. Insgesamt kosteten die Eingriffe in Norddeutschland am Wochenende die Verbraucher damit mehr als zwölf Millionen Euro.

Bereits der Dezember war so stürmisch, dass mehr Strom mit Windrädern produziert wurde als in jedem anderem Monat zuvor.

Der schwächelnde Energiekonzern RWE will mit Windenergie nach immer neuen Rückschlägen endlich Kasse machen. RWE Innogy wolle sowohl 2015 als auch 2016 operativ mehr verdienen, sagte der Chef der Konzernsparte, Hans Bünting, am Montag in Essen. Konkrete Zahlen nannte er nicht. „Wachstum sehen wir im Wesentlichen im Wind.“ Der Konzern profitiere davon, dass die Offshore-Felder „Nordsee Ost“ und „Gwynt y Mor“ vollständig in Betrieb gingen. Solche Projekte verschlingen zwar anfangs hohe Kosten, können sich aber umso mehr auszahlen, da sie anders als Kohle- und Gaskraftwerke keine Brennstoffkosten verursachen.

RWE war wie der Konkurrent E.ON nach der Jahrtausendwende nur zögerlich in das Ökostromgeschäft eingestiegen und hatte von 2008 bis einschließlich 2014 jährlich rund eine Milliarde Euro investiert. Inzwischen sitzt das Geld nicht mehr so locker. Für den Zeitraum von 2015 bis 2017 seien nur noch insgesamt Investitionen von einer Milliarde Euro geplant, sagte Bünting. „Es sind die Mittel, die RWE zur Verfügung stellt“, erklärte er mit Verweis auf die fast 31 Milliarden Euro Schulden des Mutterkonzerns.

Kommentare

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  1. doci sagt:

    Wieso kostet Strom, den ich nicht produzieren muss – also keinen Einsatz von Öl, Kohle oder Gas nötig ist – Geld???
    Oder müssen die entgangenen Gewinne aus den runtergefahrenen Kraftwerken auch noch bezahlt werden?

    einfach komisch

  2. Loewe sagt:

    Produzierte Leistung, die sofort weg war… niemand kann die Menge nutzen, da diese Leistung im Moment der Entstehung verbraucht werden muß….

  3. Miesmacher sagt:

    Eine Technologie zur Energiegewinnung, die den Launen der Natur ausgeliefert ist, ist Schwachsinn! Aber der Schwachsinn regiert das Land!