Geschäftserwartungen im Mittelstand brechen ein

Die internationalen Krisen führen zu deutlich sinkenden Geschäftserwartungen im Mittelstand. Investitionen sind rückläufig. Nur jedes dritte Unternehmen plant Neueinstellungen. Mehr als jeder fünfte Mittelständler will die Preise anheben.

Die Stimmung im Mittelstand hat sich deutlich verschlechtert. Dabei wird die aktuelle Geschäftslage von den Unternehmen negativer eingeschätzt als im Frühjahr 2014. Die Geschäftserwartungen sind eingebrochen und nach einem Allzeit-Hoch im Frühjahr von 42,7 Punkten auf nur noch 14,4 Punkte gesunken.

Mehr als 28 Prozent der Mittelständler sind vom Ukraine-Konflikt betroffen, in der Agrarbranche sogar jedes zweite Unternehmen, heißt es in einer gemeinsamen Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“, in der die Ergebnisse der Mittelstandsanalysen und der Mittelstandsumfrage des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), der DZ BANK und der WGZ BANK zusammen ausgewertet wurden.

Auch wenn der Blick in die Zukunft deutlich eingetrübt ist, halten die Unternehmen an ihrer Personalplanung fest. Jedes fünfte befragte Unternehmen hat im vergangenen halben Jahr Mitarbeiter eingestellt. In den kommenden sechs Monaten wollen fast 33 Prozent der Mittelständler ihren Personalbestand ausbauen. Die Agrarbranche plant keinen weiteren Personalaufbau.

Als weiterhin wichtig beurteilen die Mittelständler ihr Auslandsgeschäft. Trotz der nur
langsamen Erholung in der Eurozone und der internationalen Krisen hat das
Auslandsengagement der mittelständischen Unternehmen gegenüber dem Frühjahr 2014 nicht nachgelassen.

Insgesamt sind die mittelständischen Unternehmen gut kapitalisiert. Die
Eigenkapitalquoten im Mittelstand sind nach der letzten Erhebung erneut gestiegen und erreichen 2013 ein Rekordniveau von durchschnittlich 27,8 Prozent.

Die schwache wirtschaftliche Entwicklung im Sommerhalbjahr bekam auch der deutsche Mittelstand zu spüren. Die kleinen und mittleren Unternehmen bewerteten dementsprechend ihre aktuelle Lage zuletzt etwas schwächer als im Frühjahr 2014. Mit einem Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen von 68,4 Punkten liegt die Bewertung aber immer noch weit über dem langjährigen Durchschnittswert von 38 Punkten.

Vom deutlichen Rückgang der Geschäftserwartungen sind alle Größenklassen und Branchen gleichermaßen betroffen. Allerdings sind die mittleren und größeren Unternehmen optimistischer als die kleinen Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten. Da in der Landwirtschaft der Anteil der kleinen Unternehmen besonders hoch ist, überrascht es nicht, dass hier der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen mit 4,1 Punkten ins Negative rutscht. Am optimistischsten sind die Geschäftserwartungen in den inlandsorientierten Branchen Ernährungs- und Dienstleistungsgewerbe. „Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft aber weiter positiv. Die anhaltend stabile Inlandsnachfrage und die niedrigen Zinsen bilden eine gute Grundlage.

Im Herbst 2014 ist die Investitionsneigung im Mittelstand zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen. Weniger als drei Viertel der befragten mittelständischen Unternehmen planen in den nächsten sechs Monaten zu investieren. Viele Unternehmen sehen angesichts nur durchschnittlich ausgelasteter Kapazitäten keine Notwendigkeit, in eine Erweiterung ihres Maschinen- und Anlagenparks zu investieren. Die Unternehmen konzentrieren sich eher auf Erhaltungsinvestitionen. Dieses Ergebnis spiegelt die aktuelle Investitionsschwäche der deutschen Wirtschaft wider. In den exportorientierten Branchen, wie zum Beispiel in der Chemie- und Kunststoffindustrie, sind die Investitionsplanungen am höchsten. Den stärksten Rückgang bei der Investitionsbereitschaft gibt es in der Agrarwirtschaft. Dort plant nur noch
gut jedes zweite Unternehmen (55 Prozent), in den nächsten sechs Monaten in seinen Betrieb zu investieren. Dass der Finanzierungsbedarf der mittelständischen Unternehmen mit 21 Prozent weiter gering ist, überrascht daher kaum. Das bevorzugte Finanzierungsinstrument bleibt der Bankkredit. An zweiter Stelle behauptet sich mit 55 Prozent die Innenfinanzierung.

Die Absatz- und Verkaufspreise im Mittelstand sind in den vergangenen sechs Monaten nur leicht gestiegen. Nahezu ebenso viele mittelständische Unternehmen haben ihre Preise gesenkt wie erhöht. Die vorsichtig optimistischen Preiserwartungen vom Frühjahr ließen sich damit nicht im vollen Umfang bei den Kunden durchsetzen. Für die nächsten sechs Monate streben die Unternehmen aber wieder Preiserhöhungen an. 22 Prozent der befragten Unternehmen (Frühjahr 2014: 18 Prozent) planen, ihre Preise zu erhöhen. Mit den beabsichtigten Preissteigerungen soll der von knapp 37 Prozent der Unternehmen erwartete Kostenanstieg kompensiert werden. Stabile Rohölpreise auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau dürften jedoch mit dafür sorgen, dass der Kostenanstieg moderat ausfällt.

Die mittelständischen Unternehmen halten an ihren Auslandsengagements fest. Der Export und Import, Joint Ventures sowie die Produktion und Kooperationen im Ausland sind im Herbst im Vergleich zum Frühjahr 2014 erneut leicht von 56,7 Prozent auf 56,9 Prozent gestiegen. Erkennbar sind aber kleine Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: Während in Westdeutschland das Auslandsengagement der mittelständischen Unternehmen seit der Frühjahrsumfrage von 60 Prozent auf 61 Prozent angestiegen ist, ging es in Ostdeutschland von 46,9 Prozent auf 45,5 Prozent zurück. Dies könnte damit zusammenhängen, dass sich mehr ostdeutsche Mittelständler vom Ukraine-Konflikt „stark betroffen“ zeigen.

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  1. Bernhard sagt:

    „Mit den beabsichtigten Preissteigerungen soll der von knapp 37 Prozent der Unternehmen erwartete Kostenanstieg kompensiert werden. Stabile Rohölpreise auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau dürften jedoch mit dafür sorgen, dass der Kostenanstieg moderat ausfällt.“

    MOMENT: wir haben doch Deflation, folgt man den Politikern … oder? Und wie hoch ist die wirkliche Inflation?